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Muslime

Neue Moschee in Bamberg-Nord: Anlieger gehen auf die Barrikaden

In der Baunacher Straße entstehen Gebetsräume des deutsch-arabischen Kulturvereins. Doch in Bamberg-Nord gibt es bereits drei muslimische Gebetshäuser.
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Anwohner aus Bamberg-Nord fühlen sich benachteiligt: Sie fordern eine Rücknahme der Genehmigung für die Moschee des deutsch-arabischen Vereins in der Baunacher Straße (im Hintergrund).  Fotos: Ronald Rinklef
Anwohner aus Bamberg-Nord fühlen sich benachteiligt: Sie fordern eine Rücknahme der Genehmigung für die Moschee des deutsch-arabischen Vereins in der Baunacher Straße (im Hintergrund). Fotos: Ronald Rinklef
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Es sind Enttäuschung und Frust, die sich an diesem superheißen Donnerstag in der Baunacher Straße entladen. Wir wollten uns mit Pankraz Deuber, Gärtner-Stadtrat und Anlieger in Bamberg-Nord, treffen. Gekommen sind trotz 38 Grad etliche weitere Bürger aus der unmittelbaren Nachbarschaft - darunter auch Gewerbetreibende. Was sie bewegt, ist eine Entscheidung, die das Baureferat ohne Beteiligung des Bausenats "auf dem Verwaltungswege" und in rekordverdächtiger Zeit beschlossen hat. Das Gebäude hinter uns, ein zweigeschossiger Gewerbebau mit Wohnungen, soll Standort einer neuen Moschee des deutsch-arabischen Kulturvereins werden. Im nüchternen Verwaltungsdeutsch ist von einem Gebetssaal mit 70 Plätzen, von Schulungs- und Büroräumen im ersten Stock die Rede. Maximal vier Parkplätze stehen derzeit zur Verfügung.

Die neue Moschee als solche ist nicht das Problem, das die Nachbarn auf die Barrikaden treibt. Es sind eher die Begleitumstände wie fehlende Parkplätze und die Art der Kommunikation, "die uns empören", wie Pankraz Deuber sagt. Und die Tatsache, dass es im unmittelbaren Umfeld bereits drei Moscheen gibt. "Wir fühlen uns als Bürger zweiter Klasse."

Tatsächlich fällt in Bamberg-Nord eine Massierung muslimischer Kulturzentren ins Auge. Innerhalb weniger Meter finden sich drei ähnliche Einrichtungen. Im Zentrum steht dabei die Baunacher Straße, ein Mischgebiet mit Gewerbebetrieben und Wohngebäuden. Dort ist bereits seit Jahren der zahlenmäßig starke türkisch-islamische Kulturverein zu Hause. Nun kommen schräg gegenüber die Versammlungsräume des deutsch-arabischen Kulturvereins dazu. Es ist die gleiche Gruppe, die im Haingebiet Fuß zu fassen versucht hatte. Ihr Bedarf für Versammlungsräume ist unbestritten. Allein die Zahl der Syrer in Bamberg soll bei 900 liegen.

"Es geht hier nicht darum, dass wir grundsätzlich etwas gegen die Moschee hätten und dagegen, dass die Muslime hier ihren Glauben ausüben", stellt Arndt Brückner von der Firma Goldbuch klar. Es müsse aber sicher gestellt sein, dass in der Straße nicht das Chaos ausbricht. Aktuell haben sämtliche Anwohner ernste Zweifel, dass das gelingt. Sie fürchten massive Probleme, wenn die Verwaltung ihre Entscheidung nicht zurücknehmen sollte. Schon heute werde der Goldbuch-Firmenparkplatz regelmäßig am Freitag zugeparkt, wenn die türkische Gemeinde zum Gebet einlädt. Zudem befürchten sie Mängel im Brandschutz und Schwierigkeiten durch rivalisierende religiöse Gruppen. Ist da etwas dran? Auch Christiane Laaser, hauptamtliche Flüchtlingsbetreuerin und Kennerin der Szene, hätte der Stadt keinesfalls geraten, gegenüber der bestehenden Moschee noch eine weitere zu genehmigen. Sie steht auf dem Standpunkt, dass "solche Gebetsräume überall in Bamberg präsent sein sollten." Das wirke Problemen und einer Ghettoisierung entgegen.

Der Stadtrat kann in diesem Fall seine Hände in Unschuld waschen. Auch er erfuhr erst am Mittwoch im Bausenat, was passiert war -und reagierte einigermaßen überrascht. In der Debatte wurde klar: Die Chancen, dass eine einmal erteilte Genehmigung zurückgenommen werden kann, sind gering, zumal die Verwaltung nach wie vor auf dem Standpunkt steht, dass die Antragssteller einen Rechtsanspruch haben. Dennoch beantragte der Senat auf Anregung von Herbert Lauer (BA) eine Prüfung, ob ein Widerruf der Genehmigung noch möglich ist. Auch sollen mindestens 15 Parkplätze nachgewiesen werden. Lauer, erfahrener Baujurist, bescheinigt der Verwaltung bei der Platzierung der umstrittenen Moschee wenig Fingerspitzengefühl oder fehlenden Willen, etwas zu tun: "Hätte man wirklich gewollt, hätte man die Moschee auch verhindern können."

Kommentar des Autors:

Wo bleibt das Augenmaß?

Der Unmut in Bamberg-Nord ist nur zu verständlich. Er richtet sich nicht gegen das muslimische Gebetshaus als solches, sondern gegen die Massierung von jetzt vier solcher Einrichtungen auf wenigen Metern und die Art der Kommunikation. Damit kein Missverständnis aufkommt: Die muslimischen Flüchtlinge haben wie die Christen das Recht, ihren Glauben zu leben. Dafür sollten sie eine angemessene Unterkunft finden.

Doch das kann nicht bedeuten, dass Moscheen am Ende nur in den Stadtteilen auftauchen, wo der Widerstand und der finanzielle Druck am geringsten sind. Diese Art der Genehmigungspraxis nach Gutsherrenart schadet dem Bamberger Norden und ebenso den Zielen der Integration.

Ganz abgesehen davon fragt sich der Beobachter, wo hier das neue Amt für Bürgerbeteiligung war. Wahrscheinlich abgetaucht oder beim Experimentieren im Bürgerlabor.

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