Bamberg
Flüchtlinge

Neue Integrations-Paten werden in Bamberg dringend gesucht

In 180 Patenschaften helfen Ehrenamtliche Geflüchteten, sich in Bamberg zurecht zu finden. Laut "Freund statt fremd" ist der Bedarf aber weitaus höher.
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Julia Winkler (Zweite von links) und Phillip Lang (rechts) sind Paten von Mohamed Alyousef (dazwischen) -    Koordinatorin Andrea Seibt (links) von "Freund statt fremd" wäre froh, wenn sich noch mehr Freiwillige  melden, die Flüchtlinge unterstützen  können.   Foto: Barbara Herbst
Julia Winkler (Zweite von links) und Phillip Lang (rechts) sind Paten von Mohamed Alyousef (dazwischen) - Koordinatorin Andrea Seibt (links) von "Freund statt fremd" wäre froh, wenn sich noch mehr Freiwillige melden, die Flüchtlinge unterstützen können. Foto: Barbara Herbst

Wenn Mohamed Alyousef und Phillip Lang gemeinsam am Kanal joggen gehen, dann geht es auch um Politik. "Solche Sachen interessieren mich", sagt Mohamed Alyousef. Und auch Phillip Lang, der Politikwissenschaften an der Uni Bamberg studiert, lernt dadurch etwas mehr über die politische Situation in Syrien. Von dort stammt sein 19 Jahre alter Laufpartner. Seit November 2017 kennen sich die beiden jetzt, der 27-Jährige ist Pate bei "Freund satt fremd" und unterstützt den jungen Syrer unter anderem dabei, sein Deutsch weiter zu verbessern und hilft ihm auch in Alltagsdingen.

Rund 180 solcher Patenschaften gibt es inzwischen bei "Freund statt fremd". Sogenannte Paten helfen dabei einzelnen Geflüchteten oder ganzen Familien, sich in Bamberg zurecht zu finden. Laut Andrea Seibt, die bei "Freund statt fremd" für die Patenschaftskoordination zuständig ist, hat trotz des weiterhin hohen Bedarfs an Paten, das Interesse von Ehrenamtlichen im Vergleich zum Jahr 2015, als viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, nachgelassen. Der Flüchtlingshilfeverein sucht deshalb händeringend nach Leuten, die sich engagieren wollen. "Im Moment fehlen rund 40 Paten."

Hilfe in Alltagsdingen

Laut Andrea Seibt hat sich der Betreuungsbedarf bei Flüchtlingen inzwischen verändert. Viele seien anerkannt, lebten in eigenen Wohnungen. "Jetzt ist der Bedarf für Integration da", sagt Seibt. Die Betroffenen bräuchten unter anderem Hilfe beim Verstehen von Mietverträgen oder beim Ausbildungsplatz sowie in der Schule. Es gehe inzwischen auch darum, Freunde zu finden.

Mohamed Alyousef, der in diesem Jahr seinen Realschulabschluss machen will, wird nicht nur von Phillip Lang unterstützt, auch mit Julia Winkler versteht er sich sehr gut. Die 24 Jahre alte Gymnasiallehramtsstudentin gibt ihm ein bis zwei Stunden in der Woche Nachhilfe in Englisch. Solche Lernpatenschaften werden laut Koordinatorin Seibt weiterhin gesucht, aber derzeit auch Betreuungen für alleinerziehende Mütter. "Es wäre wichtig, Frauen zu haben, die aus ihrer Erfahrung etwas weitergeben könnten." Ideal wären Frauen zwischen 35 und 55 Jahren, aber auch Rentnerinnen, die bei Arztbesuchen oder Amtsgängen mitgehen könnten.

Derzeit sind laut Seibt Paten im Alter von 14 bis 75 Jahren engagiert. Pate könne aber grundsätzlich jeder werden, der regelmäßig Zeit hat: Auch Mohamed Alyousef trifft sich mit seinen Paten nicht nur ein bis zweimal pro Woche zur Nachhilfe oder zum Sport, sondern auch darüber hinaus; "Wir treffen uns auch gemeinsam in der Stadt."

Die Eltern des 19-Jährigen, der vor vier Jahren als noch Minderjähriger nach Deutschland kam, leben inzwischen auch in Bamberg. Julia Winkler und Phillip Lang waren schon zum Adventskaffee dort, oder sie treffen sich zum Geburtstag. Die beiden Paten setzen sich auch dafür ein, dass die jüngeren Geschwister von Mohamed Alyousef endlich nach Deutschland dürfen. Bisher jedoch erfolglos.

Nicht nur für die Betroffenen, auch für die Paten gibt es die nötige Unterstützung: "Die Vernetzung ist sehr gut", stellt Phillip Lang fest, was wichtig sei als Ehrenamtlicher. Die Paten haben in Andrea Seibt eine ständige Ansprechpartnerin. Sie studiert am Institut für Orientalistik der Uni Bamberg und arbeitet 20 Stunden als Koordinatorin. Ihre Stelle wird noch bis Herbst 2020 von Aktion Mensch finanziert. Jede Woche bietet die 48-Jährige eine Sprechstunde an und ist auch per Handy erreichbar. Im direkten Kontakt mit Menschen helfe ihr auch ihre Erfahrung als Qigong-Lehrerin, sagt sie. Sie versuche bei Problemen zu helfen und herauszufinden, wer sich auskennt. Außerdem gibt es alle drei Monate ein Patenschaftstreffen.

Julia Winkler und Phillip Lang engagieren sich, weil sie ihren Beitrag leisten wollen, wie sie sagen. Menschen wie Mohamed Alyousef sind dankbar dafür. "Wir sind Freunde geworden", sagen alle drei.

Kontakt und Infos

Ansprechpartnerin Wer Pate bei "Freund statt fremd" werden möchte, kann sich an Koordinatorin Andrea Seibt wenden. Sie unterstützt unter anderem bei der Vermittlung und beim Kennenlernen. Auch bei Fragen und Problemen hilft die 48-Jährige weiter.

Kontakt Andrea Seibt ist erreichbar per Mail unter patenschaft@freundstattfremd.de oder per Telefon unter der Nummer 0151/72018172. Sprechstunde ist außerdem immer mittwochs von 16 bis 18 Uhr im "Lui20" in der Luitpoldstraße 20 in Bamberg

Internet Mehr Informationen zu den Patenschaften gibt es hier auf der Seite von "Freund statt fremd":

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