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"Brauhaus zum Sternla" in Bamberg: Droht bald schon ein Namensstreit?

Wirt Uwe Steinmetz macht Ernst: In "Bambergs ältester Wirtschaft" wird "Bambergs jüngste Brauerei" entstehen. Im Oktober soll das erste eigene Bock fließen. Droht dem neuen "Brauhaus zum Sternla" ein Namensstreit mit anderen Brauereien?
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Wirt Uwe Steinmetz: Der Umbau des Biergartens ist bald abgeschlossen, er soll Ende Juni aufmachen. Rechts soll hinter großen Glasfenstern das neue "Brauhaus Sternla" entstehen. Das komplette Anwesen in der Langen Straße wird gerade saniert. Foto: Sebastian Schanz
Wirt Uwe Steinmetz: Der Umbau des Biergartens ist bald abgeschlossen, er soll Ende Juni aufmachen. Rechts soll hinter großen Glasfenstern das neue "Brauhaus Sternla" entstehen. Das komplette Anwesen in der Langen Straße wird gerade saniert. Foto: Sebastian Schanz
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Mit leuchtenden Augen und einem schaumigen Schnitt "U " in der Hand spricht Wirt Uwe Steinmetz von seinen tollkühnen Plänen. Es braucht schon ein gesundes Selbstbewusstsein, um in der Weltstadt des Bieres eine weitere Brauerei bauen zu wollen. Ja ist denn dem Steinmetz, Uwe das Bier zu Kopf gestiegen?

Keinesfalls, beruhigt der 45-Jährige. "Wir wollen sicher nicht die 34. Brauerei sein, deren Flaschen irgendwo im Regal stehen", sagt er ganz nüchtern. Dann strahlen seine Augen wieder: "Es geht um das Thema Bier an sich!"

Bamberg gilt als "Hauptstadt der Brauereien". Sie sind Kult. Ihre Biere urig, süffig und einfach legendär. Ein Überblick.

Bamberger Bierbeben beendet Brauerei Maisel

Die Idee gärte freilich schon länger im Hirn des Unternehmers. Und hört man ihn so reden, dann erscheint seine Schlussfolgerung geradezu logisch. Seit 1999 steht Steinmetz im ehemaligen Anwesen der Brauerei Maisel in der Langen Straße am Zapfhahn, zunächst als Pächter. Als das Bamberger Bierbeben Maisel um 2008 in den Abgrund riss, nutzte der Wirt die Gunst der Stunde und griff zu. Plötzlich brauereifrei, schenkte er seinen Gästen seine Bamberger Lieblingsbiere aus und ist damit seither erfolgreich. "Wir hätten uns darauf ausruhen können", sagt Steinmetz. "Wir haben super zu tun", meint Laura Fischer nickend, die von der Service-Chefin zur Geschäftsführerin aufsteigt. "Aber es geht ums Bier!", betont Steinmetz erneut.

Lange hat er sich dem Studium der Braukunst gewidmet, ohne selbst eine Brauer-Lehre zu beginnen. Zum Bier-Sommelier hat er sich ausbilden lassen, den Bamberger Bier-Experten Hans Wächter nennt er seinen Mentor. Und so reifte die Idee weiter und weiter. Bis jetzt.

"Auf unsere Hähne sollen klassische fränkische Biere laufen, nach dem Reinheitsgebot gebraut", sagt Steinmetz. Es gehe um kleine Mengen, der Wirt rechnet mit 600 bis 800 Hektolitern im Jahr. Ein Helles und ein Export oder Märzen schweben ihm vor, dazu immer auch ein Saisonbier wie ein leichtes Sommerpils oder ein Weihnachtsfestbier.

Sternla-Biere extra für das Wirtshaus?

Ans Raucharoma will sich Steinmetz nicht heranwagen. "Rauchbiere werden in Perfektion in zwei Bamberger Brauereien gebraut. Das ist Champions League", schwärmt der Kenner. Sein eigenes Newcomer-Brauhaus soll schon Ende Oktober starten: "Dann soll unser eigenes Bier auf unserem allerersten Bockbieranstich fließen." Es wird quasi die Geburtsstunde im "Brauhaus zum Sternla".

Sternla, Sternla: Da klingelt bei Bierkennern doch etwas! Klar, denn Sternla-Biere gibt es in Franken bereits. Die Bamberger Traditionsbrauerei Keesmann braut seit 1998 ein Lager unter diesem Namen. Laien halten das Sternla-Bier manchmal für eine Kreation extra für das Wirtshaus. Doch das ist Quatsch. Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun, erklärt Steinmetz, der das Lager aber gerne ausgeschenkt hat - wegen des guten Namens und wegen des guten Geschmacks.

Das ist ab Herbst vorbei. Da stellt sich die Frage: Wie steht Keesmann zum neuen "Brauhaus zum Sternla"? Droht ein Zwist unter Brauern? Stefan Keesmann winkt gelassen ab: "Da das Gasthaus auch schon früher existiert hat, sehe ich da kein Problem. Ich denke nicht, dass es da Berührungspunkte gibt." Abgesprochen sei mit ihm zwar nichts, aber: "Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun."

So sollen die Biere des Sternlas heißen

Der Name "Sternla-Bier" ist im Hause Keesmann eine Reminiszenz an die eigene Historie. Denn ursprünglich nannte die Familie Keesmann ihre Brauerei "zum Sternlein" - wegen des Sterns als traditionelles Zunft-Zeichen der Brauer. Die Bamberger aber tranken ihr Bier "beim Keesmann". Der offizielle Name geriet in Vergessenheit. Das "Sternla-Bier" erinnert daran. Das süffige Lager hätte beinahe zu einem Namensstreit mit der Würzburger Hofbräu geführt. Deren Firmentochter Sternla Bier GmbH braut seit 2013 auch ein Bier unter diesem Titel. Keesmann hatte sich die Namenslizenz nie gesichert. Ärger drohte. Aber man einigte sich. Ein Gentlemen's Agreement. Friedliche Koexistenz sozusagen. Und jetzt kommt Steinmetz. Droht neues Ungemach? "Wir sind das Brauhaus zum Sternla. Unsere Biere heißen einfach Helles, Märzen oder Export", erklärt er, warum er keinen Streit befürchtet. Von den Brauern in Bamberg erhalte er kollegialen Zuspruch. Die Namensrechte an der Brauerei habe er sich gesichert.

Sicher sei auch die Anstellung des Braumeisters Alexander Walter (Pax-Bräu). Was der 26-Jährige kreiert, soll möglichst ohne Umwege aus der Brauerei im ersten Stock hinunter in die Wirtschaft fließen. Nichts soll den Geschmack verfälschen. "Das A und O ist, dass das Bier schmeckt", sagt Steinmetz.

"Die Leute sind sensibel"

Diesen Rat hat auch Michael Mahr für ihn, Wirt und Brauer in der bisher jüngsten Gasthof-Brauerei Bambergs: Ambräusianum. "Immer nur ein Bier ausschenken, das so gut ist, dass man voll dahinter stehen kann! Die Leute sind da sensibel", mahnt er. Seit 2004 hat er sich seinen Jugendtraum einer eigenen Brauerei erfüllt. Diese Romantik sei die eine Seite der Medaille, Sieben-Tage-Wochen die andere. Eine Braustätte mache viel, viel Arbeit.

Ob im Gebäude der ehemaligen Gärtnerei Rost in der Färbergasse eine neue Braustätte entsteht, ist derweil noch offen. Im Rahmen der neuen Kultur-Gärtnerei ist eine Kommunbrauerei vorgesehen. Eigentlich. Denn Stadtbau-Chef Veit Bergmann sagt zu der Idee: "Derzeit ist noch überhaupt nichts spruchreif."

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