Bamberg
Adventsaktion

Nach Unfall froh über jede Hilfe

Thomas Uttenreuther kauft im Grünstift Füller und Hefte für seine autistische Tochter. Er ist nach einem Unfall schwerbehindert, aber eine Kämpfernatur.
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Thomas Uttenreuther muss viel planen, um seiner 15-jährigen Tochter trotz geringen Einkommens den Bildungsweg zu ermöglichen. Dafür nimmt er gerne das Angebot des Schulmaterialladens Grünstift und die Beratung von Caritas-Mitarbeiterin Luise Löchner in Anspruch.  Foto: Markus Klein
Thomas Uttenreuther muss viel planen, um seiner 15-jährigen Tochter trotz geringen Einkommens den Bildungsweg zu ermöglichen. Dafür nimmt er gerne das Angebot des Schulmaterialladens Grünstift und die Beratung von Caritas-Mitarbeiterin Luise Löchner in Anspruch. Foto: Markus Klein

Thomas Uttenreuthers 15-jährige Tochter mag die naturwissenschaftlichen Fächer. Sie hat Ambitionen: Nach dem Realschulabschluss im kommenden Jahr will sie aufs Maria-Ward-Gymnasium in die Übergangsklasse, nach dem Abitur Tiermedizin studieren. Statistisch betrachtet hat sie es dabei schwerer als ihre Klassenkameraden, denn ihr alleinerziehender Vater ist arm. Deshalb freut sich der 46-Jährige über jede Hilfe. "Toll, dass es den Grünstift gibt", sagt er. In dem Schulmaterialladen im Babenberger Viertel kann Uttenreuther Stifte, Hefte, Tintenkiller, Lineale und andere Lernutensilien zu einem Viertel des Einkaufspreises erwerben. So trägt die von Caritas und Diakonie unterstützte Einrichtung zur Chancengleichheit bei. Uttenreuther lebt von 800 Euro Rente und weiteren Unterstützungsgeldern.

Der Grund ist ein Vorfall vor 30 Jahren, den Uttenreuther nie vergessen wird. Als er 16 Jahre alt war, hatte er einen schweren Unfall. Er will einen Freund im Klinikum besuchen, fährt mit dem Motorroller - und wird von einem betrunken Autofahrer übersehen. "Dann habe ich einen Köpfer auf die Straße gemacht", erzählt er. Der Helm löst sich, Uttenreuther liegt drei lang Monate im Koma. "So kam ich doch noch ins Klinikum, allerdings nicht als Besucher", scherzt Uttenreuther. Und fügt hinzu: "Ich habe das mittlerweile gut verarbeitet." Während des Gesprächs hat er stets ein Lächeln im Gesicht, das Kinn aufrecht.

Einzelkämpfer

Als er aus dem Koma erwacht, kann er nicht mehr laufen und nicht mehr sprechen. Seine Bäckerlehre muss er abbrechen. Aber er kämpft sich hoch: Sprachtraining, Reha, Ausbildung zum Bürokaufmann. Doch: "Ich bin zu 80 Prozent schwerbehindert. Man wird schnell abgestempelt. Da ist die Menschheit leider ziemlich gemein." Er spricht etwas schwerfällig, aber deutlich. Er kann nur eingeschränkt laufen. Einen Job findet er nicht, Freunde wenden sich ab. "Das ist schon hart."

Aber auch da beißt er sich durch: "Jetzt bin ich eben Einzelkämpfer. Ich komme damit klar", sagt er. Am Anfang habe er sich überwinden müssen, Hilfe anzunehmen. Doch im November 2014 hat sich Uttenreuther an die Beratungsstelle der Caritas gewandt. Es ging um Existenzsicherung, Aufklärung über sozialrechtliche Ansprüche und Unterstützung. "Herr Uttenreuther ist sehr aktiv, informiert sich, plant viel. Das muss man erst mal schaffen", sagt seine Beraterin Luise Löchner. "Mit meinem Budget muss man das eben", sagt Uttenreuther.

Ehrenamtlich engagiert

So kam er auch zum Angebot des Grünstifts. Dass er das Bildungs- und Teilhabepaket beantragen kann, hat er erst durch Löchner erfahren. Uttenreuther nutzt verschiedene Angebote, etwa um günstig an Kleidung zu kommen, besucht das Josef-Lädchen, den Umsonstladen und die Tafel.

Er gibt auch gerne etwas zurück: Bei der Kulturtafel ist er nicht nur Kunde, sondern engagiert sich auch ehrenamtlich. Damit verhilft er anderen zum Genuss von Veranstaltungen, die er selbst gerne besucht: Basketballspiele, Theaterstücke, Symphonikerkonzerte, Lesungen.

Meistens kommt er morgens mit dem Fahrrad von Gaustadt nach Bamberg, "aber im Dezember fahre ich Bus", erzählt er. Wenn er wieder nach Hause kommt, bietet er seiner autistischen Tochter Unterstützung an. Sie ist Linkshänderin. Er übt Füller-Schreibtechniken mit ihr, damit die Tinte nicht an den Händen kleben bleibt. "Aber mehr als Hilfe anbieten kann ich nicht", sagt er. "Sie hat ihren eigenen Kopf." Er bemüht sich auch deshalb so viel um Unterstützung, damit er ihr ihre Wünsche erfüllen kann. Sie will studieren, die Welt sehen.

"Wenn ich mich zu Hause selbst bemitleide, habe ich nichts davon", sagt Uttenreuther. "Ich lebe mein Leben, erziehe meine Tochter. Ich bin zufrieden."

Infos: Der Verein "Franken helfen Franken" und der Schulmaterial-Laden "Grünstift"

Idee: Der Fränkische Tag und inFranken.de erreichen viele Menschen. Das wollen wir mithilfe eines Spendenvereins nutzen - und Hilfsberdürftige unterstützen.

Schulmaterialien Grünstift: Caritas und Diakonie betreiben seit Herbst 2015 den Schulmaterialladen Grünstift am Babenbergerring 71. Dort können berechtigte Familien für einen symbolischen Preis von etwa 25 Prozent Schulmaterialien erwerben. Weil damit bei jedem Verkauf ein Defizit entsteht, ist der Laden auf Spenden und die Hilfe von ehrenamtlichen Mitarbeitern angewiesen.

Spendenkonto: Sparkasse Bamberg; IBAN: DE 62 7705 0000 0302 1945 01 BIC: BYLADEM1SKB

Öffnungszeiten: Der Grünstift hat jeweils am ersten Mittwoch im Monat von 14 bis 16 Uhr geöffnet, außer im Januar und im August.

Nutzung: Im Jahr 2018 nutzten etwa 100 Familien mit 200 Schulkindern das Angebot vom Schulmaterialladen Grünstift. Ein Drittel davon kam aus dem Landkreis. 2016 waren es 74 Familien. red

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