Bamberg
Prozess

Nach über elf Jahren doch noch in den Knast

Wenige Monate vor der Verjährung verurteilte das Bamberger Landgericht einen Kroaten zu drei Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe.
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Der Kroate wurde an dem Tag festgenommen, als Kroatien in die Europäische Union eintrat. Symbolfoto: Anna Lienhardt
Der Kroate wurde an dem Tag festgenommen, als Kroatien in die Europäische Union eintrat. Symbolfoto: Anna Lienhardt
Seine Taten liegen fast zwölf Jahre zurück, doch für den kroatischen Staatsbürger gab es kein Entkommen: Der Mann muss wegen schweren Bandendiebstahls ins Gefängnis.
"Der Arm des Gesetzes ist lang, sehr lang", sagte Oberstaatsanwalt Martin Dippold in seinem Plädoyer. Die Aussage von Richter Markus Reznik in der Urteilsverkündung geht in die gleiche Richtung: "Fast hätte Ihnen der deutsche Strafvollzug nichts mehr anhaben können. Manchmal mahlen die Mühlen langsam - aber sie mahlen immerhin."

Am Bamberger Landgericht ging ein Verfahren zu Ende, das es fast nicht gegeben hätte. Doch als Kroatien am 1. Juli 2013 Mitglied der Europäischen Union wurde, vollzogen Staatsdiener des Landes noch am selben Tag den europäischen Haftbefehl, mit dem Milan B. gesucht worden war - für Taten, die er 2002 begangenen hat.
In einer Gruppe aus maximal vier Mitgliedern in wechselnder Besetzung beging der 41-Jährige in mehreren Fällen schweren Bandendiebstahl. Die Truppe hatte es auf Verbrauchermärkte abgesehen, in die die Männer gewaltsam einbrachen und Tresore aufflexten. Ihre Beute in Höhe von rund 220 000 Euro bestand hauptsächlich aus Bargeld, aber auch aus Geldkarten für Mobiltelefone, Zigaretten oder Laptops.

Die Tatorte lagen in erster Linie im Bamberger Raum, dehnten sich aber bis nach Hofheim bei Haßfurt, Dörfles-Esbach im Landkreis Coburg und Heroldsbach sowie Hiltpoltstein im Landkreis Forchheim aus.
Milan B. war ursprünglich in 21 Fällen angeklagt, von denen letztendlich acht übrig blieben. Die anderen wurden eingestellt, "weil die zu erwartende Strafe nicht mehr ins Gewicht fallen würde", wie Richter Markus Reznik erklärte.

"Verständigung" vor Gericht

Grundlage war eine so genannte Verständigung zwischen Gericht und Verfahrensbeteiligten: ein rechtliches Mittel, um Verfahren zu vereinfachen und zu verkürzen. Milan B. hat während des Prozesses in acht Fällen Teilgeständnisse abgelegt, für die er nun zu drei Jahren und drei Monaten verurteilt wurde.
Auf eigenen Wunsch möchte er die Strafe in Kroatien verbüßen. "Wir beeilen uns, dass wir das Urteil schnell niederlegen, damit die Auslieferung nach Kroatien zügig erfolgen kann", sagte Richter Reznik. Er würdigte das "Nachtatverhalten" des 41-jährigen Kroaten. Milan B. sei nach den Taten straffrei geblieben und habe sich um ein geregeltes Leben bemüht.

Der Täter, der deutsch spricht, erklärte vor Gericht, dass er infolge des Balkankriegs nach Deutschland zu seiner Tante geflüchtet sei, und in deren Restaurant gearbeitet habe. Zusätzlich habe er weitere Nebenjobs angenommen, um Geld zu sparen - "um meine Eltern aus Bosnien auszulösen, für die gegenüber der serbischen Armee eine Auslöse zu zahlen war", wie er sagte. Außerdem habe er Geld aufbringen müssen, damit während seiner Abwesenheit das Haus in der Heimat nicht zerstört werde. "Als ich alles gezahlt hatte, stand ich mit leeren Händen da", sagte Milan B. am letzten Verhandlungstag.

Wegen seines Status' in Deutschland habe er keine Chance auf eine richtige Anstellung gehabt, so dass er abends in "entsprechenden Lokalen Leute aus dem Milieu" kennen gelernt habe. "Sie hatten Geld, Autos, aßen in teuren Lokalen und hatten schöne Frauen. Ich hatte nichts, fuhr mit der S-Bahn und ernährte mich von Kebab." Durch die Verbindungen mit den Männern sei er in einige der Taten hinein geraten, für die er sich nun verantworten müsse.

Elf Jahre später, als er von seiner anstehenden Verhaftung und Auslieferung erfahren habe, habe er bewusst nicht die Möglichkeit zur Flucht nach Bosnien genutzt. "Ich merkte, dass es an der Zeit ist, mich meiner Vergangenheit zu stellen und mit mir ins Reine zu kommen."
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