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Sicherheit

Nach Geiseldrama in Ingolstadt: Rathaus ist kein Alcatraz

Auch nach dem Geiseldrama von Ingolstadt setzt man in der Stadtverwaltung und bei der Arbeitsagentur auf ein "offenes Haus".
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Das Bamberger Rathaus ist kein Hochsicherheitstrakt - und soll es auch in Zukunft nicht werden.  Archivbild: MW
Das Bamberger Rathaus ist kein Hochsicherheitstrakt - und soll es auch in Zukunft nicht werden. Archivbild: MW
Alptraum Geiselnahme: Das Geiseldrama in Ingolstadt, bei dem am Montag ein 24-Jähriger niedergeschossen wurde, nachdem er neun Stunden lang mehrere Menschen im Rathaus gefangen gehalten hatte, wirft auch andernorts Fragen nach der Sicherheit für die Mitarbeiter in öffentlichen Ämtergebäuden auf.

Heißer Draht zur Polizei

Die Justiz hat sich bereits "verschanzt": Nach den tödlichen Schüssen auf einen Staatsanwalt im Januar 2012 in Dachau wurden bayernweit strenge Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Jeder Besucher eines Gerichtsgebäudes muss heute eine Sicherheitsschleuse passieren und sich Durchsuchungen gefallen lassen.

Wer Amtsgeschäfte im Bamberger Rathaus erledigen will, braucht nicht durch eine Schleuse zu gehen. Ganz ungeschützt sind die Mitarbeiter dort aber nicht, wie Pressesprecherin Ulrike Siebenhaar auf Anfrage mitteilt. Weil die Hauptanlaufstelle für alle Bürger die Infothek im Erdgeschoss kurz hinter dem Haupteingang ist, hat man dort Sicherheitsvorkehrungen eingebaut: Sollte ein "Kunde" aggressiv werden, können die Mitarbeiter einen Notknopf drücken. An jedem Schreibtisch befindet sich einer. Der ausgelöste Alarm landet direkt bei der Polizeidienststelle in der Schildstraße, und die Einsatzleitung kann die nötigen Entscheidungen treffen. "Zum Glück kamen die Knöpfe bisher noch nicht zur Anwendung", sagt Ulrike Siebenhaar.

Weil es im Rathaus am Maxplatz trotzdem schon "kniffelige Situationen" gegeben hat - die zum Glück immer ohne Probleme bewältigt werden konnten - verlässt man sich nicht allein auf Alarmknöpfe. So wurden einzelne Mitarbeiter speziell geschult, um in bedrohlichen Situationen deeskalierend einzugreifen. Außerdem gibt es Notfallpläne.
Die Wirksamkeit all dieser Maßnahmen kann natürlich nicht zu 100 Prozent garantiert werden. "Solche Fälle wie in Ingolstadt sind einfach nicht vorhersagbar", sagt Siebenhaar. Ein echter Gesamt-Einsatzplan, wie es ihn zum Beispiel in Schulen bei Amokläufen gibt, existiert für das Bamberger Rathaus nicht. Das würde allein schon an der fehlenden Lautsprecheranlage im gesamten Gebäude scheitern.

Die Frage, ob Sicherheitskontrollen sinnvoll wären, verneint die Pressesprecherin: "Bei Gericht mag das Sinn machen. Das Rathaus allerdings zu einem Hochsicherheitstrakt zu machen, ist in unserer Wahrnehmung der völlig falsche Weg. Denn Bürgerfreundlichkeit, Transparenz und Bürgeroffenheit ist ein hohes Gut, das wir in Bamberg ganz besonders pflegen und pflegen wollen." Man gehe sogar den entgegengesetzten Schritt, auch wenn das in diesem Zusammenhang einen eher merkwürdigen Beigeschmack bekomme: "Wir pflegen und verstärken die Willkommenskultur in Bamberg. Aktuelles Beispiel: Wir begrüßen alle Menschen in den Rathäusern mit Willkommensbannern in über 20 Sprachen."

Und wie wehren sich die Beamten, wenn ein Kunde trotzdem einmal rabiat wird und uneinsichtig ist? Die Empfehlung für die Bediensteten lautet, einen Kollegen herbeizuholen. In sensiblen Bereichen sind bei den städtischen Ämtern ohnehin immer zwei Personen in einem Büro - außer natürlich, es geht bei der Besprechung um datenschutzrechtliche Fragen.

Bei den Agenturen für Arbeit Coburg und Bamberg ist die Sicherheitsphilosophie ganz ähnlich, wie Pressesprecher Hermannn Zeis schildert. Man führe offene, kundenorientierte Häuser. Absolute Sicherheit könne es da nicht geben, Sicherheitsvorkehrungen aber wohl. Dazu gehören laut Zeis bauliche Maßnahmen, ein Alarmierungssystem, die enge Zusammenarbeit mit der Polizei und deeskaleierende Gesprächstechniken.

Etwas anders stellt sich die Situation bei Polizeigebäuden dar, deren Eingangsbereiche seit jeher sehr gut gesichert sind. Für jedermann erkennbar ist die von einer Kamera überwachte Schleuse aus Panzerglas. Erst auf Knopfdruck können Besucher in die Wache gelangen.

Nach Auskunft von Anne Höfer, Pressesprecherin im Polizeipräsidium Bayreuth, gibt es zusätzlich auch Sicherheitsvorkehrungen, die für den Besucher unsichtbar sind - und die der Geheimhaltung unterliegen. Grundsätzlich gelte für Polizeibeamte, Konflikte erst einmal durch Gespräche zu entschärfen. "Unsere Beamten sind geschult, auf Leute beruhigend einzuwirken."

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