Laden...
Bamberg
Rechtsstreit

Nach der Grillparty brannte es

Durch ein Feuer geschädigte Nachbarn wollen Schadensersatz von einem Studenten, der vorher mit Freunden gefeiert hat. Sie machen ihn als Gastgeber verantwortlich. Ein Zivilrichter muss den Fall entscheiden.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das Bild machten ermittelnde Polizeiakten von den abgebrannten Nebengebäuden. Foto: Polizei
Das Bild machten ermittelnde Polizeiakten von den abgebrannten Nebengebäuden. Foto: Polizei
Bange Wochen dürfte ein Student noch bis Mitte Februar durchleben. Dann entscheidet Einzelrichter Frank Dietze am Landgericht in einem Rechtsstreit um 15 000 Euro Schadensersatz, die Nachbarn von dem jungen Mann verlangen. Sie machen ihn für ein nächtliches Feuer im Frühjahr 2011 verantwortlich, dem ein Nebengebäude in ihrem Hof zum Opfer gefallen ist. Der Student hatte vorher auf dem Nachbargrundstück mit Freunden gegrillt. Heiße Asche in der Biotonne soll den Brand ausgelöst haben. Jedenfalls steht es so in den Ermittlungsakten der Polizei.

Rückzieher gemacht

Bei Gericht gelang es den Klägern trotzdem nicht, die Schuld des Beklagten zu beweisen.
Ihr Pech: Ein Mitbewohner des Studenten, der ihn bei der Polizei belastet und die Sache mit der heißen Asche zu Protokoll gegeben hatte, machte im Zeugenstand einen Rückzieher.

Wenn er das damals gesagt habe, sei das sicher Stand seiner Erinnerung gewesen, sagte der 27-Jährige. Mit eigenen Augen gesehen habe er das aber nicht. Beide hätten sich vielmehr nach dem Brand über mögliche Ursachen unterhalten und da sei auch darüber geredet worden, dass heiße Asche nicht in die Bio tonne gehört. Er will sich bei der Polizei zudem unter Druck gesetzt gefühlt haben: "Der Beamte wollte von mir eine Meinung hören. Aber eine Meinung ist ja nicht objektiv", sagte er auf Nachfragen des Richters.

Ihm war wohl auch nicht klar, ob er als Zeuge oder Beschuldigter, weil eine Art Mitgastgeber, vernommen wurde. Jedenfalls habe ihm der Polizist zu verstehen gegeben, dass es für ihn teuer werden könnte, wenn er sich für den Brandschaden verantworten müsste.

Ob er vielleicht mit Rücksicht auf seine damals anstehende Familiengründung den ehemaligen Kommilitonen zu Unrecht belastet haben könnte, wurde der Zeuge auch gefragt. Daran hatte er keine Erinnerung mehr, sprach aber von einem Schock, unter dem er und der Beklagte nach dem Brand gestanden hätten. Dieser hatte zuvor dem Richter ausführlich den Verlauf des Abends geschildert und dargelegt, dass die heiße Asche lange vor dem Ende der Party in einem Beet gelandet sei: Jemand habe versehentlich den Grill umgeworfen und gemeinsam habe man die Glut ausgetreten.

Vom Feuer keine Spur

Als die Gäste gegangen waren, will der Gastgeber auf dem Weg in seine Wohnung vom Treppenhausfenster aus noch einmal einen kontrollierenden Blick in den Hof geworfen haben. Alles soll in Ordnung gewesen sein, von einem beginnenden Feuer keine Spur.

Einige Zeit später hatten die Sirenen der Feuerwehr ihn und die Nachbarschaft aus dem Schlaf gerissen.
Es war noch Glück im Unglück, dass der Brand von Dritten schnell entdeckt und gelöscht wurde, ehe Menschen zu Schaden kamen. Doch der entstandene Sachschaden ist weit höher als die 15 000 Euro, um die es in dem Zivilverfahren geht.

Vor allem deshalb sieht der Student dem Ausgang des Verfahrens mit Bangen entgegen. Sein Rechtsanwalt Thomas Gärtner sagt, dass Forderungen von 100 000 Euro auf seinen Mandanten zukommen könnten, weil beim Brand des Nebengebäudes auch die Fassaden mehrerer Nachbarhäuser durch Ruß verschmutzt wurden. Würde der Student verurteilt, müsse er damit rechnen, dass andere Geschädigte beziehungsweise deren Versicherungen sich an ihm schadlos halten. Der junge Mann ist sicher: Käme es dazu, müsste er Privat insolvenz anmelden.

Nach den Äußerungen von Richter Dietze am Ende der Beweisaufnahme kann der Beklagte freilich hoffen. Nur weil er die Party ausgerichtet hat, hafte er nicht automatisch für einen Schaden. Den könne genauso gut einer der Gäste mit einer achtlos weggeworfenen Kippe verursacht haben. Weil aus Sicht des Richters die Ursache des Feuers nicht geklärt ist, riet er den Klägerinnen und ihrer Anwältin zu einer gütlichen Einigung. Ob ein Vergleich für sie in Frage kommt, wollten sie in Ruhe überdenken und erbaten sich Zeit zur schriftlichen Stellungnahme. Die Frist läuft noch.


Alte Fotos gingen verloren


Die geschädigten Nachbarinnen sehen aber schon ihre Felle beziehungsweise die 15 000 Euro davon schwimmen. Sie verstehen die Welt nicht mehr: Da seien sie die Leidtragenden eines Feuers und blieben womöglich auf dem Schaden sitzen. Sie wollten dem jungen Mann ja nichts Böses, sagten die Frauen vor dem Sitzungssaal zum FT. Aber sie würden auch den Glauben an die Gerechtigkeit verlieren, wenn sie leer ausgehen würden. 15 000 Euro seien auch für sie viel Geld. Weil sie es nicht haben, sei das Häuschen noch nicht wieder aufgebaut. Die Klägerinnen berichten von einem weiteren Verlust, der mit Geld aber nicht wett zu machen sei: Mit dem Gebäude seien alte Fotos und Unterlagen der Familie verloren gegangen.
Verwandte Artikel