Fast hätte es uns das Rekordjahr 2018 vergessen lassen, wie es sich anfühlt, wenn es regnet: Tropfen, die vom Himmel auf den nassen Boden fallen, kalt und feucht, doch auf Dauer lebensspendend.

Der Winter 2018/2019 scheint aber aus einem ganz anderen Holz als die trockenen Monate zuvor. Seit sechs Wochen dominieren feuchte Westwetterlagen - ein Tiefdruckwirbel nach dem anderen zieht seine Bahn meist vom Atlantik kommend über Mitteleuropa und lädt seine feuchte Last auch über Franken ab.

Freilich: Die großen Niederschläge wie in Oberbayern, wo der Wind die Wolken wie einen nassen Schwamm an den Alpen ausquetscht, kann es im fränkischen Flachland nicht geben. Doch auch Kleinvieh macht Mist. Abzulesen ist das an den Daten der Bamberger Wetterwarte, die an der Bamberger Galgenfuhr gelegen seit Jahrzehnten auch die Niederschläge misst. Schon im Dezember war die Trendwende unübersehbar, die das überwiegend graue Wettergeschehen gebracht hat: Mit 70 Litern pro Quadratmeter machte der Regen über Bamberg gewissermaßen Überstunden.

Nach insgesamt zehn zu trockenen Monaten war dies auch bitter nötig. Nur dem Dezember ist es zu verdanken, dass die Gesamtniederschlagsmenge in Bamberg 2018 zu guter letzt doch noch auf 440 Liter pro Quadratmeter angewachsen ist - und auch das ist noch der zweitniedrigste Wert seit 1991.

Der Blick auf die langfristigen Vorhersagen lässt hoffen, dass die Natur den nötigen Ausgleich schafft, bevor der Frühling beginnt, eine Jahreszeit, in der der Regen in der Vergangenheit allzu oft ausblieb. So ist die Bilanz der ersten zehn Januartage ebenso mild wie feucht: Kaum ein Tag verging ohne Nieseln, Nebelnässen, Dauerregen und gelegentlich auch etwas Schnee. Und eine Änderung ist für die nächsten Tage nicht in Sicht.

Der Nachschub bleibt wichtig

Für alle, die in der Natur arbeiten, Landwirte, Förster, aber auch für die Betreiber von Brunnen und Trinkwassernetzen, kann es gar nicht lange genug regen: Um das Niederschlagsdefizit des Jahres 2018 auszugleichen, fehlen immer noch rund 150 Liter pro Quadratmeter - das ist etwa die zweifache Menge, die der Dezember Bamberg beschert hat.

Wie wichtig der feuchte Nachschub ist, lässt sich beim Blick auf Bayerns Grundwassermessnetz erkennen. Es zeigt, dass viele Messstellen in der Region immer noch niedrige oder sogar sehr niedrige Werte aufweisen. So wurde im Itzgrund bei Rattelsdorf am 9. Januar ein neuer Niedrigstwert seit 1972 gemessen. Auch in Heiligenstadt bewegt sich der Grundwasserspiegel derzeit 28 Meter unter dem Gelände und damit auf sehr niedrigem Niveau.

Johannes Lüers, Meteorologe an der Universität Bayreuth, warnt deshalb davor, zu glauben, dass der Ausgleich des Regendefizits jetzt gewissermaßen vorprogrammiert sei. Dazu sei der Fehlbetrag beim Niederschlag viel zu groß. Und zweitens sei es auch nicht ausgemacht, dass die feuchten Westwetterlagen nun einfach so weitergingen: "Es kann ein nasses Jahr, aber schnell auch wieder trocken werden", sagt Lüers und erinnert an den Jahresanfang 2018. Damals brachte ein osteuropäisches Hoch nach etlichen feuchten Monaten die große Wende. Es wurde bitterkalt, aber auch trocken. Und die Dürre dauerte bis zum November 2018.