Bamberg
Ladenschluss

Nach 79 Jahren: Aus für "Gack's Frischeladen"

Es gab Interessenten, die "Gack's Frischeladen" in der Siechenstraße weiter führen wollten. Wenn dort nach fast 80 Jahren dennoch Schluss ist, hat das vor allem damit zu tun, dass die Eigentümer erst für viel Geld hätten umbauen müssen.
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Christine Krause vor dem Schaufenster, das jetzt statt Waren Dankesschreiben der Stammkunden zeigt. Alle Fotos: Matthias Hoch
Christine Krause vor dem Schaufenster, das jetzt statt Waren Dankesschreiben der Stammkunden zeigt. Alle Fotos: Matthias Hoch
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Nachfolger zu finden wäre nicht das Problem gewesen, sagt Harald Krause. Rund ein Dutzend Leute hätten sich dafür interessiert, "Gack's Frischeladen" an der Ecke Siechenstraße/Färbergasse weiter zu führen. Trotzdem ist die traditionelle Einkaufsadresse, die noch den Familiennamen seiner Schwiegereltern trägt, seit Jahresbeginn geschlossen. Und zwar für immer.

Das Ehepaar Krause schreckte vor dem finanziellen Risiko zurück, das es hätte eingehen müssen, um den Fortbestand für einen Mieter überhaupt möglich zu machen. Wie es berichtet, hätte man einen Sozialraum und eine zweite Toilette schaffen und einiges in die Küche stecken müssen. Dass seine Frau Christine in dieser Küche fast 40 Jahre lang Kuchen, Plätzchen, Marmeladen und mehr zubereitet hat, die bei den Stammkunden begehrt waren, steht wohl auf einem anderen Blatt.


Grundsätzlich müsse ein Pächter alle erforderlichen Nebenräume vorweisen, erklärt Steffen Schützwohl von der Rathaus-Pressestelle. Nach seiner Auskunft ging bei der Stadtverwaltung zwar noch keine konkreten Anfrage der Familie Krause ein. Fakt sei aber, dass sie im Haus wohnt und auf private Räume zurückgreifen konnte. Was einem Mieter nicht möglich wäre.

Laut Harald Krause hätte der Umbau 50.000 bis 60.000 Euro gekostet. Darüber hinaus Zeit, in der sich die Kundschaft womöglich "verlaufen" hätte, was jedem Nachfolger den Neustart zusätzlich erschwert hätte. Weil auch nicht alle Interessenten den nötigen finanziellen Hintergrund bzw. ein Konzept mitgebracht haben sollen reifte bei ihm und seiner Frau der Entschluss, die Ära zu beenden.

Vor allem Christine Krause fiel die Entscheidung schwer. Seit 1976 führte sie den elterlichen Betrieb, den die Oma 1934 gegründet und in dem sie gelernt hatte, gemeinsam mit ihrem Mann. Dass keines der Kinder bereit war, für die Tradition eine sichere Stelle aufzugeben, verstehen die Eltern. Sie steckten viel Herzblut in den Laden und schauten nicht auf die Uhr. Was die Stammkunden sehr zu schätzen wussten. Etliche von ihnen müssen zu dem Umtrunk gekommen sein, mit dem sich die Geschäftsleute am Nachmittag des 31. Dezember verabschiedet haben. Laut Harald Krause haben einige der Gäste sogar Instrumente mitgebracht. Und: "Es sind auch einige Tränen geflossen."

Wie wichtig das kleine Eckgeschäft für die Nachbarschaft war, lassen die schriftlichen Danksagungen erkennen, die jetzt am Fenster neben der geschlossenen Ladentür hängen. "Ihr werdet uns fehlen" und "Wir werden Euch sehr vermissen" steht da zu lesen. Aber auch der Wunsch für einen "wunderschönen Ruhestand".

Noch ist es nicht soweit. Sie hätten noch täglich im Geschäft zu tun und die neue Situation noch gar nicht so richtig realisiert, berichtet der Kaufmann. Obwohl die Kunden im Endspurt fleißig Ware zum halben Preis gekauft haben, wurden die Regale nicht ganz leer. Andere kleine Märkte halfen und übernahmen Restbestände. Wenn alles abgewickelt ist, soll aus dem Geschäft Wohnraum werden. Noch ein leer stehender Laden soll der Siechenstraße erspart werden.

Krauses wollen dann auch die Fassade ihres Hauses herrichten lassen. "Wir haben sie bisher nicht machen lassen, weil klar war, dass unsere Zeit zu Ende geht." Erst sollte die Entscheidung fallen, ob der Laden bestehen bleibt. Denn, so Harald Krause: "Dann wären neue Schaufenster fällig gewesen."
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