Bamberg
Wirtschaft

Nach 55 Jahren ist Schluss

Die Familie Geigenberger will ihren Traditionsladen am Troppauplatz schließen. Ein Metzger und Personal fehlen, der Druck der Großdiscounter nimmt Überhand. Der Bamberger Osten verliert einen wichtigen Nahversorger.
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Ein Traditionsbetrieb schließt: Herbert Geigenberger (von links), seine Frau Beatrix und sein Sohn Roland werden ihren Laden am Troppauplatz in Bamberg aufgeben. Der Juniorchef will als erfahrener Kaufmann in die Wirtschaft wechseln.  Foto: Sebastian Schanz
Ein Traditionsbetrieb schließt: Herbert Geigenberger (von links), seine Frau Beatrix und sein Sohn Roland werden ihren Laden am Troppauplatz in Bamberg aufgeben. Der Juniorchef will als erfahrener Kaufmann in die Wirtschaft wechseln. Foto: Sebastian Schanz

Wenn im Laden der Geigenbergers das Licht ausgeht, dann geht eine Ära zu Ende. "Wir haben 1964 den ersten Supermarkt in Oberfranken eröffnet", erzählt Seniorchef Herbert Geigenberger. "Die Leute haben mich gefragt, was ich denn mit einem so großen Laden will. So viel kann man ja gar nicht verkaufen." Wie sich die Zeiten ändern: "Heute gelten wir eher als Tante-Emma-Laden", sagt sein Sohn Roland Geigenberger. "Wir sind der typische Hab-ich-vergessen-Laden." Gut für kleine Besorgungen. Die Großeinkäufe tätigen die Kunden in den Discountern, bei den Geigenbergers kommen sie nicht selten ohne Einkaufswagen oder sogar ohne Einkaufskorb aus.

Genau das ist laut der Unternehmerfamilie das Problem. Eines von mehreren Problemen. Edeka fordert ein neues Kassensystem. "Es gibt kein Konzept für kleine Läden", sagt der Junior-Chef. Rund 20 000 Euro würde die Investition kosten. Gerade erst hat die Familie für 25 000 Euro neue LED-Beleuchtungen angeschafft. Neue Kühlgeräte wären auch bald mal nötig. "Das kostet alles Geld, das wir nicht haben."

Mangel herrscht auch an einem Metzger. Der habe gekündigt, erzählt Seniorchef Herbert Geigenberger, aus Personalgründen. Die Metzgerbranche finde keinen Nachwuchs, keine Mitarbeiter. Und hier hakt es auch bei den Geigenbergers. Die Familie nennt allein drei große, neue Rewe-Märkte für Bamberg. Die ziehen nicht nur Kunden ab, sondern auch Personal. "Es gibt keinen Nachwuchs mehr im Einzelhandel", sagt Herbert Geigenberger. "Nachts bis bis 20 Uhr, da will sich keiner in den Laden stellen. Viele gehen lieber stempeln." Drei bis vier Leute müsste man eigentlich einstellen, berichtet der Seniorchef, der mit seinen bald 80 Jahren immer noch kräftig mit anpackt, ebenso wie seine Frau Beatrix (77). Ohne den Zusammenhalt hätte man nicht so lange durchgehalten.

Verlust für Bamberger Osten

Ende Januar soll nun endgültig Schluss sein. Vielleicht auch früher, denn einige langjährige Mitarbeiter zieht es schon früher an andere Arbeitsplätze.

Für den Bamberger Osten ist das ein herber Verlust. Heinz Kuntke, der Vorsitzende des örtlichen Bürgervereins, bedauert diese Entwicklung. "Geigenberger am Troppauplatz ist nicht nur ein wichtiger Nahversorger, sondern auch ein Lebensmittelpunkt vieler Bürgerinnen und Bürger." Kuntke fordert daher einen Runden Tisch, mit dem Ziel, einen nahtlosen Übergang zu ermöglichen. "Vor allem ältere Leute in Bamberg-Ost, die kein Auto besitzen, aber einkaufen wollen, brauchen eine Alternative", erklärt der SPD-Stadtrat. Deswegen hat er dem Oberbürgermeister den Vorschlag gemacht, alle Beteiligten mit einzubeziehen, um eine Lösung zu finden: Einzelhandelsverband, Stadtmarketing, Kirchengemeinden, Bürgerverein.

Die Geigenbergers sind skeptisch. Für sich selbst hätten sie das Thema abgeschlossen, sagen sie. Würde jemand gefunden, der den Laden übernehmen wollte, würde sie das freuen. Doch auch der müsse enorm investieren. Der alte Metzger hatte Bestandsschutz, ein neuer müsste die Einrichtung gründlich erneuern. "Es wurde schon so viel geredet. Nie hat es etwas gebracht", sagt Beatrix Geigenberger. "In 55 Jahren haben wir keinen einzigen Parkplatz dazubekommen", sagt ihr Mann Herbert. Für den Mittelstand werde einfach zu wenig unternommen.

Stadtmarketingchef Klaus Stieringer kennt als Vertreter des Einzelhandels in Bamberg die Probleme. Die Geigenbergers seien da kein Einzelfall. Einerseits setzen die Kommunen immer mehr auf Fahrräder und wollen das viele Blech aus den Städten haben, andererseits fordern die Kaufleute möglichst viele Parkplätze. Der Kofferraum sei für viele Kunden der Einkaufswagen Nummer eins. "Es nützt auch nichts, den Nahversorger um die Ecke zu fordern, aber zum Großdiscounter zu fahren", sagt Stieringer. Die Konkurrenzsituation, das Einkaufverhalten der Kunden und die Mitarbeiterfindung bereiteten den Mittelständlern Probleme. Der Einzelhandelsvertreter hofft für den Troppauplatz: "Bamberg Ost ist der größte Stadtteil. Ich kann mir vorstellen, dass sich jemand findet, der einen solchen Markt weiterentwickelt." Ein genossenschaftlicher Ansatz oder ein Markt mit den Gärtnereibetrieben an Bord nennt er als Ideen. "Die Politik kann hier aber nur flankieren."

Die Geigenbergers selbst wollen keinen neuen Anlauf starten, wie sie sagen. "Natürlich ist das traurig, aber es ist auch ein sauberer Abschluss für die Familie", sagt Roland Geigenberger.



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