Bamberg
Kirche

Muttergottes-Fest in der Oberen Pfarre: Frieden für und in Bamberg

Das Muttergottes-Fest in der Oberen Pfarre brachte am Sonntag tausende Gläubige aus der Region auf die Beine. Die Prozession durch die Altstadt gipfelte in einer besonderen Begegnung in der Kirche St. Martin.
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Von der Oberen Pfarre machten sich die Gläubigen mi der Muttergottes auf den Weg. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Von der Oberen Pfarre machten sich die Gläubigen mi der Muttergottes auf den Weg. Foto: Marion Krüger-Hundrup
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Der besondere Augenblick war greifbar. Dicht gedrängt standen die Menschen in der St.-Martins-Kirche. Spannung lag in der Luft. Gleich würde es passieren, was sie alle in das Gotteshaus geführt hat: Die Begegnung der freudenreichen Maria aus der Oberen Pfarre mit der schmerzvollen Mutter Jesu.

Und dann trugen sechszehn gestandene Männer das prachtvoll geschmückte Gnadenbild durch das Kirchenportal, stellten es der Pietà gegenüber. "Es tut gut, hier zu sein und zu verweilen", begrüßte Subregens Stefan Fleischmann die Gläubigen, die der Muttergottes aus der Oberen Pfarre in Prozession durch die Altstadt gefolgt waren.

Tausende aus der Region hatte die Heilige auf die Beine gebracht. Wie jedes Jahr seit 1702, seit dem die Prozession zum Patronatsfest der Pfarrkirche "Unsere Liebe Frau" (Obere Pfarre) belegt ist. An jedem Sonntag nach dem Hochfest "Mariä Himmelfahrt" (15. August) begeht das Liebfrauenmünster sein großes Fest. Drei Tage lang wird mit Gottesdiensten, Betstunden, fränkischem Mariensingen die Mutter des Herrn verehrt. In diesem Jahr beendet die kleine Prozession im Bereich des Unteren Kaulbergs am Dienstag um 18 Uhr den Festreigen.

Verehrung, keine Anbetung

Maria wird in den Feierlichkeiten also verehrt, keinesfalls angebetet. Denn Anbetung gebührt Gott in Jesus Christus allein. So stand in der sonntäglichen Prozession keinesfalls die um 1310 in Köln entstandene, in barockem Festkleid gewandete Marienfigur im Zentrum, auch wenn ihr natürlich die Bewunderung der vielen Schaulustigen am Straßenrand galt. In den Mittelpunkt gehörte das Allerheiligste in der Monstranz, das Pfarrer Matthias Bambynek, flankiert von zwei Diakonen, unter dem Baldachin trug. Bei der Station an der Institutskirche am Holzmarkt spendete der Pfarrer den eucharistischen Segen in alle Himmelsrichtungen. Wer katholisch war, schlug das Kreuzzeichen, wer einer anderen Konfession angehörte, verneigte sich.

Die Wallfahrt durch Bamberg - mit Rosenkranzgesätzen, Litaneien, Marienliedern - geriet zu einem machtvollen Zeichen für Frieden in und für die Stadt. Denn der Volksmund sagt ja: "Wenn die Prozession nicht auszieht, gibt es Krieg". So war es 1914 und 1939, als aus unterschiedlichen Gründen die Muttergottesprozession nicht ihren üblichen Verlauf nehmen konnte, und die Gegenüberstellung beider Szenen aus dem Leben ein und derselben Frau entfiel. Darauf führte man den jeweiligen Kriegsbeginn zurück.

Anno 2019 herrscht hierzulande Frieden. Waffen schweigen. Nur Säbelrasseln mit oftmals hasserfüllten Worten ist zu hören. Umso eindringlicher klangen die Fürbitten auf diesem Pilgermarsch. Bitten um Jesu Beistand für alle Flüchtlinge in der Welt, Verfolgte, Kranke, Leidende, Trauernde. Für die Politiker und gesellschaftlich Verantwortliche, für die Kirche von Bamberg und all jene, die an Gott zweifeln oder der Institution Kirche den Rücken gekehrt haben.

Die Muttergottesprozession war auch ein Zeichen für Frieden in Bamberg, weil gleich alle drei Bürgermeister der Stadt - Andreas Starke (SPD), Christian Lange (CSU), Wolfgang Metzner (SPD) - aktiv mitbeteten. Auch Staatsministerin Melanie Huml (CSU) pilgerte mit, dazu die Stadträte ihrer Partei. Sie erwiesen Maria ihre Referenz, dieser "kleinen einfachen Magd - ganz groß voll Wärme, Zärtlichkeit, erfüllt von Gnade", wie sie Subregens Fleischmann beschrieb.

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