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Würgau
Ausrüster

Musikhof Würgau: "kleiner Thomann" am anderen Ende des Landkreises

Mit Instrumenten aller Art wird hier stationär und im Internet gehandelt. Musiker nehmen weite Anfahrten in Kauf, wenn es um Reparaturen geht.
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Dieses Saxophon braucht ein neues Polster unter einer Klappe. Foto: Barbara Herbst
Dieses Saxophon braucht ein neues Polster unter einer Klappe. Foto: Barbara Herbst
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Der "Notfall" kam gleich früh. "Eben war ein Musiker mit seinem Keyboard da, an dem die Start-Stopp-Taste defekt war. Das ließ sich zum Glück so schnell beheben, dass der Kunde darauf warten konnte. Sein anstehender Auftritt war gerettet." Fälle wie diese sind für Richard Bäuerlein Arbeitsalltag.

Dort, wo der 63-Jährige gelernte Instrumentenbauer jetzt seine mit Lagerraum kombinierte Werkstatt hat, war in den Anfangsjahren des Würgauer Musikhofs das ganze Unternehmen untergebracht: Im umgebauten, ehemaligen Stalltrakt des elterlichen Bauernhofs. Erweitert wurde Stück für Stück und seit 2012 ist das Herzstück der Musikinstrumentenhandlung die renovierte, einstige Scheune mit Präsentationsflächen auf vier Ebenen.


Von Anfang an auch im Internet-Handel

Im Internet vertreten ist Richard Bäuerlein mit dem was er verkauft, seit der Firmengründung 2003. "Wir haben nie einen Onlineshop gehabt, sondern waren immer nur bei Ebay vertreten. Das funktioniert sehr gut und wir versenden in alle Welt. Außer nach Afrika - von dort hatten wir noch keine Bestellung."

Längst sind es nicht mehr nur Instrumente aller Art, die von Würgau aus zum Kauf angeboten werden. Der Musikhof stattet auch Kirchen, Schulen, Veranstaltungssäle mit Übertragungsanlagen und Bands und Kapellen mit elektronischer Ausrüstung aus.

Die Kundschaft kommt nicht nur aus der Region Bamberg, sondern auch aus Forchheim, Coburg, Bayreuth, Schweinfurt oder noch weiter entfernt. Auch wegen der Reparaturmöglichkeiten.


Kostenkontrolle ist das A und O

Blechblasinstrumentenbauer ist der Lehrberuf von Richard Bäuerlein. Bei der Firma Höfer in Weichendorf hat er sein Rüstzeug erworben. Über 30 Jahre war er dort beschäftigt. "Eigentlich hatte ich mich schon viel früher selbstständig machen wollen. Aber das konnte ich meinem Chef nicht antun. Es gab keinen Unternehmensnachfolger. Also habe ich nach seinem Tod den Betrieb weitergeführt und ihn in meinem Heimatort angesiedelt."

Der Würgauer kennt sich mit Instrumenten aller Art aus. "Blechblasinstrumente sind mein Fach, aber Kenntnisse auf anderen Gebieten eignet man sich im Laufe der Zeit auch an." Richtig große Reparaturen aber muss er weitergeben. "Wenn galvanisiert oder das ganze Instrument neu lackiert werden muss zum Beispiel. Diese Maschinen haben nur die großen Betriebe."

Überhaupt sei die Kostenkontrolle in seiner Branche überlebenswichtig, merkt er an. "Der Druck durch den Internethandel ist immens. Das Sterben des stationären Musikhandels schreitet schnell voran."

Ist da ein Standort auf dem Land nicht von Nachteil? "Bei dem was wir machen? Ganz im Gegenteil", so Bäuerlein. "In Innenstädten hat man hohe Miete - und gleichzeitig die Internetpreise als Vorgabe. Das ist heutzutage kaum mehr in Einklang zu bringen. Bei uns fahren die Musiker mit ihrem schweren Equipment bis vor die Tür, wenn es was zur reparieren gibt. Und sie nehmen dafür auch längere Anreisewege in Kauf."

Vier Personen sind im Musikhof beschäftigt: Richard Bäuerlein, Ehefrau Barbara, die sich um Büro und Verwaltung kümmert, Sohn Markus als kaufmännischer Angestellter und der Musiker Holger Haßfurther, der überall dort anpackt, wo er gebraucht wird.


Nachfolge ist gesichert

Mit dem Filius (30) steht der Unternehmensnachfolger schon fest. "Aber ich möchte im Geschäft arbeiten, bis ich darin umfalle", wünscht sich der Inhaber.

Er selbst kennt sich aus in verschiedenen Sparten der Musik. Bei Prof. Wolfgang Spindler hat er als Jugendlicher Kirchenorgel gelernt, er spielt Klavier, Gitarre, Bass, Akkordeon und Steirische Harmonika. In verschiedenen Formationen aktiv, war für ihn die intensivste Zeit in den 70er-Jahren das Touren mit der "American Band" durch die Tanzsäle, hauptsächlich im Raum Forchheim. Die Mehrzahl der Mitglieder war dort zu Hause.

"Dadurch, dass wir noch einen weiteren aktiven Musiker im Team haben, kann man sich bei uns Rat von jemandem holen, der die Branche nicht nur von der Verkäuferseite her kennt, sonder auch aus der Auftrittspraxis."

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