Bamberg
Projekt

"Musik versteht jeder"

Das Musikzentrum Bamberg e.V. bot am Sonntagnachmittag den Bewohnern des Ankerzentrums in Bamberg Abwechslung und frohe Momente.
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Besonders die Kinder hatten ihre Freude an den Musikern, die den Bewohnern des Ankerzentrums aufspielten.  Foto: Marion Krüger-Hundrup
Besonders die Kinder hatten ihre Freude an den Musikern, die den Bewohnern des Ankerzentrums aufspielten. Foto: Marion Krüger-Hundrup
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Spontan greift Artor Zeqirag zum Mikrofon und legt los. Mit kräftiger Stimme schmettert der Asylbewerber aus Albanien ein Volkslied aus seiner Heimat. Sehnsucht nach einem neuen, sicheren Zuhause schwingt mit bei aller Melancholie. Sehnsucht nach seiner Familie, die er zurück lassen musste. Jürgen Schober improvisiert am Keyboard die musikalische Begleitung von Artors durchdringendem Gesang. Der Applaus der Umstehenden ist Dank genug für diese ungeplante Einlage.

Am Sonntagnachmittag herrschte Leben im Ankerzentrum: Mit Zustimmung von Einrichtungsleiter Markus Oesterlein hatte das Musikzentrum Bamberg e.V. die Bewohner zu einem Musikfest der besonderen Art eingeladen. "Eine tolle Sache für die Leute und eine Beschäftigung", würdigte Oesterlein dieses ehrenamtliche Projekt des Musikzentrums. Dieses ist schon seit 2017 mit verschiedenen Angeboten für Erwachsene und Kinder im Ankerzentrum aktiv. "Wir wollen ihnen mit dem Musikfest einen schönen Tag bereiten, der gibt eine positive Erinnerung", erklärte Projektleiterin Ursula Fluegel. Es gebe so viele Talente unter den Bewohnern und nur wenige Möglichkeiten, diese auch zu zeigen.

Kostproben ihres Könnens gaben vor allem Omid Shirmohammadi und Hesamoddin Asgayi, die mit Jürgen Schober - Lehrer im Ankerzentrum für die Schulkinder - stundenlang Blues, Jazz, Rock 'n' Roll aufspielten. Der eine mit der Trommel, der andere mit der Gitarre oder dem Saxophon. Die beiden Männer stammen aus dem Iran, der eine bereits hier geduldet, der andere noch auf einen Aufenthaltsstatus wartend. "Bamberg ist wunderschön, ich liebe Bamberg!", strahlte Hesamoddin und plauderte in gutem Deutsch über die vergangene Sandkerwa, auf der er mit Jürgen Schober auf der Bühne am Katzenberg aufgetreten war. Ein Highlight für den Musiker, der seit sechs Monaten im Ankerzentrum wohnt.

"Das fest ist super"

Irgendwann hielt es auch Diya-Katharina Weber nicht mehr an ihrem Platz und marschierte zu den Musikern. Ein kurzer Wortwechsel mit ihnen, und schon erklang die melodiöse Stimme der 21-Jährigen, die als Gast zum Musikfest gekommen war. Die gebürtige Inderin, die als Kind von einem Bamberger Ehepaar adoptiert worden war, begeisterte ihre Zuhörer mit dem englischen Song "In the road, Jack" von Ray Charles. "Das Fest ist super, den Leuten scheint es zu gefallen!", meinte Diya-Katharina angesichts der vielen freundlichen Gesichter von Kleinen und Großen im Ankerzentrum.

Markus Oesterlein blieb unverdrossen mitten unter ihnen. "Um 22 Uhr ziehe ich den Stecker, die Nachtruhe muss ja eingehalten werden!", lachte der Leiter des Ankerzentrums auf und wurde wieder ganz ernst. Über tausend Menschen leben in dieser Einrichtung der Regierung von Oberfranken. Über tausend Schicksale, die verarbeitet werden müssen. Wie sagte doch Jürgen Schober? "Musik verbindet, und die versteht jeder." Zumindest an einem Tag.

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