Bamberg
Stadtentwicklung

Muna: Das sagen Bambergs OB-Kandidaten

In Sachen Bürgerbeteiligung und Beseitigung der Altlasten auf dem früheren Muna-Gelände sind sich fast alle Kandidaten einig. Darüber hinaus gibt es die unterschiedlichsten Ansätze - vom Bannwald bis zum Munapark.
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Das frühere Muna-Gelände inspiriert auch die OB-Kandidaten. Foto: Ronald Rinklef
Das frühere Muna-Gelände inspiriert auch die OB-Kandidaten. Foto: Ronald Rinklef

Wenn es mit dem Muna-Kauf klappt, hat Amtsinhaber Andreas Starke (SPD) ein umfassendes Beteiligungsverfahren angekündigt. Er wolle das Gelände für die Öffentlichkeit zugänglich machen - sobald die Altlasten entfernt sind.

Wie stellen sich die anderen neun OB-Bewerber die Zukunft des Muna-Geländes vor, was würden sie als Oberbürgermeister anstoßen? Wir haben alle Herausforderer um eine kurze Prognose gebeten.

Neues Wohnviertel

Martin Pöhner (Freie Demokratische Partei): "Ich werde mich im Dialog mit der Bürgerschaft dafür einsetzen, auf den bereits versiegelten Flächen im Anschluss an die Geisfelder Straße ein neues Wohnviertel ,Wohnen am Hauptsmoorwald' zu realisieren - mit Wohnungen für unterschiedlichste Bedürfnisse, einschließlich sozialem Wohnraum. Im Anschluss an das bestehende Gewerbegebiet soll ein kleineres Gewerbegebiet für mittelständische Betriebe, insbesondere aus dem Handwerk, entstehen. Der größte Teil der Muna wird zu einem grünen Naherholungsgebiet.

Runden Tisch einberufen

Hans-Günter Brünker (Volt): "Ich würde umgehend einen Runden Tisch einberufen mit ALLEN relevanten Interessenvertretern. Dann einen geeigneten Kompromisses erarbeiten, bezüglich Erweiterung des Bannwaldes sowie einer behutsamen Entwicklung des Geländes (zum Beispiel Wohnbebauung, Ansiedlung nachhaltig wirtschaftender Unternehmen). Bürgervotum in diesem Prozess einholen."

Legale Location für illegale Parties

Fabian Dörner (Die Partei): "Die Muna wird endlich für den Bürger geöffnet und in ein Gebiet verwandelt, das Umweltschutz, Kultur und wirtschaftliche Entwicklung vereint. Im hässlichen Bereich werden wir ein Ziegelstein-Zentrum für den Mauerbau errichten. Im hinteren Bereich der Munitionsbunker wird es eine legale Location für illegale Parties und Konzerte geben. Der U-Bahnhof Bamberg-Süd wird in den Keller der Bunker gebaut. Überirdisch werden Wölfe und Kängurus angesiedelt."

Keine Hinterzimmer

Jonas Glüsenkamp (Grünes Bamberg): "Ich habe mich in der Bürgerinitiative engagiert, um zu erreichen, dass die ganze Stadt über die Zukunft der Muna entscheidet und keine Hinterzimmer.

Deshalb werden wir eine Bürgerbeteiligung für die Zukunft der teilversiegelten Flächen durchführen und zuvor vorschlagen, die großen Waldflächen als Bannwald auszuweisen und das Naturschutzgebiet nach Norden und am Schießplatz zu erweitern."

Bevölkerung einbeziehen

Stephan Kettner (Bamberger Linke): "Das klare Votum für den Erhalt der Flächen als Bannwald, Naherholungsgebiet und Ökosystem ist in vollem Umfang zu respektieren. Eine Altlastenentsorgung stünde für mich als nächster Schritt an. Eine weitere, darüber hinausgehende Nutzung kann für mich nur unter echtem(!) Einbezug der Bevölkerung, stattfinden."

Moderierter Prozess

Christian Lange (Christlich-Soziale Union): "Mein erstes Ziel als neuer Oberbürgermeister wäre es, das Muna-Areal zu erwerben; denn wir können nur das gestalten, was uns gehört. Danach würde ich in einem moderierten Prozess mit allen Bürgerinnen und Bürgern einen Vorschlag erarbeiten, der die Interessen von Umwelt- und Naturschutz, Wohnen und wirtschaftlicher Entwicklung miteinander vereint. Das Ergebnis würde ich dann der Bürgerschaft zur Abstimmung vorlegen."

Markthalle für Regionales

Daniela Reinfelder (Bambergs Unabhängige Bürger): "Auf dem Muna-Gelände soll eine ,Neue Markthalle für regionale Produkte' geschaffen werden. Als Ort stelle ich mir die Messerschmitthallen vor, die gleichzeitig neben dem Marktgeschehen ein Museum zur Fluggeschichte enthalten werden. Die Markthalle und das Museum sind eingebettet in ein ,Grünes Gewerbegebiet' für Handwerk und Dienstleistungen. Nebenan ist der 101 Hektar große ,Munapark' von Altlasten befreit und für Spaziergänger und Erholungsuchende zugänglich."

Muna bietet viele Chancen

Ursula Redler (Bamberger Allianz): "Ich will zunächst einmal einen ergebnisoffenen Dialog mit der BI und den Menschen auf Augenhöhe - nach dem Ankauf und der Bereinigung der Altlasten. Die Muna bietet viele Chancen wie kleinteiliges Gewerbe unter strengen Bedingungen zum Umweltschutz und Eingliederung in den sonst weitgehend unangetasteten Wald, Erhalt historischer Gebäude und Schaffung von Wohnungen in Nähe der Geisfelder Straße."

Grünes Gewerbegebiet

Claudia John (Freie Wähler): "Das Gelände der Muna birgt riesiges Potenzial in zweierlei Hinsicht: ökologisch und ökonomisch. Ideal wäre hier ein Grünes Gewerbegebiet, welches aus der Stadt und der Gartenstadt gut mit dem Rad und dem ÖPNV zu erreichen ist. So besteht eine gute Möglichkeit die Ökologie (Sandmagerrasen) und die Ökonomie (Wirtschaftsflächen) miteinander zu vereinen."

Was seit dem Bürgerentscheid geschehen ist

Entscheid: Am 18. November 2018 hat eine große Mehrheit der Bamberger für den Bürgerentscheid 2 und damit "dafür, dass sämtliche gemeindliche Planungen gestoppt werden, die der Errichtung eines Industrie- oder Gewerbegebiets im Bamberger Teil des Hauptsmoorwaldes inklusive der Flächen von Muna und Schießplatz dienen" gestimmt.

Ideen: Aus einzelnen Stadtratsfraktionen, vor allem aus der SPD, kamen schon bald nach dem Bürgerentscheid Vorschläge, was man stattdessen auf dem Muna-Gelände machen könnte: SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Stieringer skizzierte Wohnungsbau auf einer Fläche von 27 Hektar, seine Fraktion schlug unter anderem auch eine Senioreneinrichtung für Demente, einen Wildpark samt Streichelzoo sowie einen Bestattungswald vor. Für bezahlbaren Wohnraum sprachen sich auch Daniela Reinfelder (BuB) und Martin Pöhner (FDP) aus. Sie wollten im Gegensatz zur SPD aber nicht ganz auf Gewerbeflächen verzichten.

Fahrplan: Im März schlugen die Grünen einen "Fahrplan" für die Muna vor, der unter anderem aufzeigen sollte, welche Flächen unberührt bleiben sollen. Auch ein Bürgerbeteiligungsverfahren für ein "Muna-Konzept 2030" sollte organisiert werden.

Schutzgebiete: Wochen später forderte die Bürgerinitiative ein Gesamtkonzept zur Stadtentwicklung und größere Schutzgebiete auf dem früheren Muna-Gelände. Über die wird nun im Konversionssenat beraten.

Amt: Die Stadt schuf zum 1. Juni ein Amt für Bürgerbeteiligung, dessen Gründung auch eine Folge des Bürgerentscheids in Sachen Muna gewesen ist.

Kommentar von Stefan Fößel: Warten auf die Bima

Am Anfang wurde geredet, dann monatelang hinter verschlossenen Türen verhandelt. Nun sieht es so aus, als ob die Bima das Gelände ohne Zweckbindung verkauft - was die Stadt vor dem Bürgerentscheid noch als unmöglich bezeichnet hatte. Bis aber ein Verkaufspreis feststeht, vergehen weitere Monate und eine wichtige Wahl. Erst danach soll die immer wieder angekündigte Bürgerbeteiligung zur Muna-Zukunft anlaufen. Nun ist es dem Laien schwer zu vermitteln, warum die Bima den Preis nicht früher nennen kann. Denn das Gelände hatte sie ja auch schon für die Gewerbepark-Pläne genau unter die Lupe genommen.

Das lange Warten auf die Bima hat für die Stadtspitze den angenehmen Nebeneffekt, dass sich vor der OB-Wahl keine weitere komplexe Baustelle auftut. Die Bürgerinitiative will hingegen ihre Positionen auf anderen Wegen zementieren. Das zähe Ringen um die Muna geht weiter - vor und nach einem Kauf.

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