Bamberg
Aktion

Multireligiöses Friedensgebet: Bamberg setzt ein Zeichen des Friedens

Über 300 Menschen kamen am Sonntag auf dem Bamberger Markusplatz zusammen, um in einem multireligiösen Friedensgebet im Zelt der Religionen ihre Trauer und Hoffnung nach den Terroranschlägen in Paris auszudrücken.
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Martin Arieh Rudolph, Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde, präsentiert sein Bekenntnis zum Judentum auf seinem Plakat. Fotos: Matthias Hoch
Martin Arieh Rudolph, Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde, präsentiert sein Bekenntnis zum Judentum auf seinem Plakat. Fotos: Matthias Hoch
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Am Ende des multireligiösen Friedensgebets im Zelt der Religionen am Markusplatz bezeugten symbolische Gesten eindrucksvoll den Friedenswillen: Erzbischof Ludwig Schick und Imam Coskun Sirri Mert gingen aufeinander zu und gaben sich einen festen Händedruck. Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) gesellte sich dazu. Und alle stimmten mit den über 300 Anwesenden in das jüdische Lied "Hevenu shalom" ein.

"Es ist gut, dass Sie da sind, um ein Zeichen des Friedens zu setzen - auch unter uns", rief Diakonin Andrea Hofmann, die für den Förderverein "Zelt der Religionen" das Treffen organisiert hatte, der Versammlung zu.
Der brutale Terroranschlag in Paris war Anlass für diese kurzfristig angesetzte Zusammenkunft von Juden, Christen und Muslimen. Sie gaben ihrer Trauer um die Opfer Ausdruck. Aber auch ihre Hoffnung, dass "Erbarmen stärker ist als Hass, dass die Liebe stärker ist als die Angst".

Vikar Bernhard Offenberger (St. Stephan-Gemeinde) betonte bei aller Unterschiedlichkeit der Religionen den gemeinsamen Glauben an Gott: "Unser Glaube ist keine Festung, hinter der wir uns verschanzen. Der Schalom, Salam, Frieden, an den wir glauben, ist kein Burgfrieden." Es sei ein Frieden, der zur Begegnung einlade, der ausstrahle; ein Frieden, "bei dem wir uns als Geschwister begegnen".


Beim Namen genannt

Vikar Offenberger scheute sich nicht vor den Worten "erzittern und entsetzen" angesichts der Brutalität, mit der in Paris die Redaktion von Charlie Hebdo massakriert worden sei. Entsetzen aber auch angesichts der Hemmungslosigkeit, mit der hierzulande Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung gezeigt werde.

Gerade jetzt sei es wichtig, sich der verbindenden Elemente des Zelts der Religionen bewusst zu werden: "Wir verweigern uns, jetzt bei der Hetze und dem Misstrauen mitzumachen. Wir verweigern uns, trennende Mauern zu bauen und hören stattdessen nicht auf, unseren Glauben an Gott zu bekennen, an Gott, der im Judentum, im Christentum und im Islam die Beinamen Erbarmen, Liebe und Gerechtigkeit trägt."


In Frieden vereint

Aus ihren heiligen Schriften trugen Martin Arieh Rudolph, Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg; der katholische Diakon Ulrich Ortner und Imam Coskun Sirri Mert Lesungen vor. Auch Gebete wurden gesprochen: das jüdische "Sch'ma Israel", das christliche "Vater unser" und das islamische Gebet, die Sure 1 aus dem Koran.

Hans-Martin Lechner, Dekan des evangelisch-lutherischen Dekanats Bamberg, fasste den gemeinsamen Kern mit dem "Gebet der Vereinten Nationen" zusammen, in dem es um ein Aufeinanderzugehen und Frieden schaffen geht.

Auch die musikalische Gestaltung dieses Friedensgebets verband die Menschen: Aus der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) spielten Blechbläser, aus der Israelitischen Kultusgemeinde sang Vera Olmer, am Akkordeon begleitet von Josef Kuffer, aus der Ditib-Moschee setzte der Kinderchor ein bewegendes Zeichen.

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