Bamberg
Literatur

Mord und Tod und Schlager

Der neue Krimi des Bamberger Autors Harry Luck wirft einen Blick hinter die glitzernde Schlagerkulisse.
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Autor Harry Luck mit seinem neuen Buch vor authentischer Kulisse in der Sandstraße.  Foto: Hendrik Steffens
Autor Harry Luck mit seinem neuen Buch vor authentischer Kulisse in der Sandstraße. Foto: Hendrik Steffens

Eines sei am Anfang klargestellt: "Bamberger Seidla", der neue Roman von Harry Luck, spielt nicht im Volksmusikmilieu. Das sei etwas anderes und zumal etwas anderes als der Schlager, der sich seit einigen Jahren wieder großer Beliebtheit erfreut. "Schlager ist deutschsprachige Popmusik im Sinne von populär", erklärt Luck. Für sein neues Buch hat er viel recherchiert, hat sich über ein Jahr nahezu alle Shows im Fernsehen angesehen und war auch in Bamberg auf zwei Schlagershows - vor und hinter den Kulissen.

Das Faszinierende für ihn ist der breite Konsens, den Schlagermusik mittlerweile wieder genießt. "Mit Mitte 40 habe ich zu den Älteren gehört", sagt Luck. In seiner Generation hatte sich das Genre zu einer Art Tabu entwickelt. Die Neue Deutsche Welle und politischere Künstler wie Herbert Grönemeyer waren angesagt. Die großen Zeiten von Peter Alexander oder Harald Juhnke schwanden langsam dahin, kehren jetzt aber wieder. "Schlager war immer Mainstream", so Luck, "nur die letzten 20 Jahre nicht."

Von der Sehnsucht

Florian Silbereisen etwa sei wieder ein Entertainer dieser alten Schule, der moderiere, singe und Sketche spiele. Wie Harry Luck in Bamberg - in der Konzerthalle und in der Brose-Arena - erleben durfte, verbreiten diese Veranstaltungen, die alle zwischen den Großeltern und ihren Enkeln am Samstagabend vor den Fernseher ziehen, eher eine Stimmung von Kölschem Karneval oder Oktoberfest als von Musikantenstadl. Es sei mitreißende Popmusik, die man sofort mitsingen und sich sehr gut darauf einlassen könne. Das liege, so Luck, wahrscheinlich an der Sehnsucht nach Urlaubsstimmung, die heraufbeschworen wird. Vermutlich gibt es keinen Strand, der nicht schon einmal besungen wurde. Und die Texte unterscheiden sich auch nicht so arg von jenen amerikanischer Popkünstlerinnen, wenn man sie übersetzen würde. Aber, und das kommt noch hinzu, wiederholen sich die Sendungen in Ritualen und verströmen so eine gewisse Ruhe, die viele eben nach der Arbeit zur Ablenkung suchen.

Vielseitiges Genre

So kommt Luck, der sich dem Thema auch soziologisch genähert hat, zu dem Schluss, dass sich der Muff der Spießigkeit verzogen hat und der Schlager ein vielseitiges Genre ist, dem sich wieder viele, auch und gerade viele junge Menschen öffnen. Was aber auch an der Offenheit des Schlagers selbst liegt, der mittlerweile ganz selbstbewusst auftritt. Beispielhaft führt Luck den neuen Kultstatus von Heino an.

Die einstige Reizfigur singt Rocklieder im Schlagergewand und zeigt damit, dass der Schlager eben nicht das engstirnige Schunkelgewitter ist, dass allweil über Feuerwehrfeste hinwegzieht, sondern eine sich weiter professionalisierte und kommerzialisierte Musikrichtung, der sich auch Poptitan Dieter Bohlen nicht entziehen konnte. Bohlen produziert Schlager, Heino sitzt bei "Deutschland sucht den Superstar" und tritt beim Metal-Festival in Wacken auf: "Schlager verbindet", sagt Luck.

Er selbst wird aber, da kann er seine Leser beruhigen, auf seinen Lesungen keine Verbindung zum Schlager eingehen, die Musik komme vom Band - er werde nur lesen.

Zum Inhalt Im bereits vierten Fall für Kommissar Horst Müller muss sich der bekennende Spießer mit den Eigenheiten der Schlagerwelt auseinandersetzen. Gerade noch saß er auf einem Sofa und hat die Herbstausgabe einer Musikshow gesehen, da steht er schon in der Garderobe des ermordeten Fabian Goldstein.

Goldstein sollte während der vorproduzierten Weihnachtsausgabe das "Goldene Seidla" für sein Lebenswerk bekommen. Außerdem war die Bekanntgabe seiner Verlobung mit Showpartnerin Tanja Bauer geplant. Ausreichend Gründe für einen Mord? Aber kein Grund, eine Veranstaltung abzusagen. The show must go on. Während die Schlagerwelt sich unerbittlich weiterdreht muss Müller den Mord aufklären. Dabei stößt er nicht nur auf Glitzer und Glamour, sondern hat auch im Privatleben die ein oder andere Hürde zu nehmen.

Harry Luck erzählt bewährt unterhaltsam und gekonnt amüsant von Kommissar Müllers Ermittlungen, die etwas Licht hinter die selten gut ausgeleuchteten Kulissen des singenden Showgeschäfts bringen.

Zum Buch "Bamberger Seidla", erschienen im Emons Verlag, 224 Seiten, 10,90 Euro, zu erwerben in allen Bamberger Buchhandlungen.



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