Am Montagmorgen um acht hat er erst von dem Mord in seiner Stadt erfahren: Fritz Stütz, Zweiter Bürgermeister von Schlüsselfeld, hat in dieser Woche die Urlaubsvertretung für den Ersten Bürgermeister übernommen - er wollte sich mit den Bauarbeiten im Ort beschäftigen. Doch das war nach der erschütternden Nachricht erst mal zweitrangig.

Auch am Montag Nachmittag sitzt Stütz noch geschockt im Bürgermeisterzimmer. "Dass das in einem kleinen Steigerwaldstädtchen passiert, da denkt man nicht dran", sagt Stütz. Doch es ist passiert.
Ein 27-Jähriger hat in dem Ort im Landkreis Bamberg den eigenen Vater in der Nacht von Samstag auf Sonntag mit 58 Messerstichen getötet. Das 56 Jahre alte Opfer und sein Sohn haben gemeinsam in der Wohnung gewohnt. Der Mann wurde auf seinem Bett im Schlaf überrascht.
Laut Oberstaatsanwalt Bernd Lieb hat der Täter mit zwei Küchenmessern auf seinen Vater eingestochen, der keine Chance hatte.

Bei der Obduktion der Leiche des 56-Jährigen wurden insgesamt 58 Einstiche gezählt. Der Oberstaatsanwalt war am Montag noch von bis zu 30 Einstichen ausgegangen. Eine solch massive Anzahl von Stichen sei ihm bisher noch nie begegnet, sagte Lieb gestern. Es seien mehrere lebenswichtige Organe und Blutgefäße verletzt worden. Das Opfer sei innerlich wie äußerlich verblutet. Es habe sich bei der Obduktion weiterhin ergeben, dass sich die Einstiche nicht nur - wie zunächst angenommen - im Brust- und Rückenbereich, sondern auch an Kopf und Hals befanden. Es seien einige Durchstiche im Körper des Opfers festgestellt worden.

Die Tatzeit, als der 27-Jährige auf seinen Vater eingestochen haben muss, wird auf 3.10 Uhr geschätzt. Nachbarn hatten um diese Zeit merkwürdige Geräusche vernommen. Nachdem der Mann am Sonntagmorgen seinen Vater getötet hatte, rief er selbst gegen halb vier Uhr die Polizei an. Danach hat er sich ohne Widerstand festnehmen lassen.

Sohn hatte Wahnvorstellungen

Dass der 27-Jährige der Täter ist, stehe außer Frage, wie Lieb sagt: "Das äußere Tatgeschehen hat er eingeräumt." Der Mann befindet sich jetzt nach richterlicher Anordnung in einem Bezirkskrankenhaus. Der Staatsanwalt wird wegen Mordes ermitteln. Dem jungen Mann droht nun eine lebenslange Freiheitsstrafe.

"Bei der Motivlage stehen wir noch am Anfang", so Lieb. Der 27-Jährige habe sich bisher nicht zu den Gründen seiner Tat geäußert. Der Mann war allerdings schon in der Vergangenheit durch psychische Probleme in Behandlung. Bisher sei der Mann, der arbeitslos war, jedoch noch nicht straffällig geworden oder aggressiv aufgefallen. Möglicherweise könnten Wahnvorstellungen mit der Bluttat des arbeitslosen Mannes, der mit seinem Vater gemeinsam in der Schlüsselfelder Wohnung gelebt hatte, in Zusammenhang stehen. Er befindet sich momentan auf richterlichen Beschluss in einem Bezirkskrankenhaus.

In Schlüsselfeld selbst weiß man recht wenig über die Verhältnisse der Familie. Bekannt war, dass die beiden Männer alleine in der Wohnung lebten. Die Ehefrau des Opfers war schon vor einem Jahr gestorben. Sie hatte nach Angaben von Nachbarn selbst psychische Probleme. Ein Nachbar, der mit seinem Hund am Haus der beiden Männer vorbei kommt, weiß, dass der Vater, ein Elektriker, wohl mal ein guter Kicker war. Fritz Stütz, der Bürgermeister, sagt das auch. Mehr ist nicht bekannt. Vom Sohn weiß man in Schlüsselfeld wenig. Auch die Nachbarn nicht. Vom Sehen kenne seine Tochter den 27-Jährigen, sagt Stütz. Er sei ihr oft mit dem Auto begegnet.

So wenig die Menschen über die Familie selbst wussten, so wenig haben sie von der Tat mitbekommen. Ein Mann fragt vor dem Mehrfamilienhaus, wann das alles geschehen sein soll. Eine Frau, die auch in der Nähe des Hauses wohnt, hat nur den Abtransport der Leiche mitbekommen.
"In letzter Zeit häufen sich die Familientragödien", sagt Fritz Stütz über das, was man so in der Zeitung liest. Nun ist es in seinem Ort passiert. "Wir sind erschüttert", sagt Stütz.