Bamberg
Geocaching

Mithilfe von GPS-Geräten mehr über die Hexenverfolgung in Bamberg erfahren

Um die Bamberger Hexenverfolgung dreht sich eine GPS-Schatzsuche, die Abiturienten des Theresianums entwickelten. Inmitten der "Traumstadt der Deutschen" zeigen sie einstige Orte des Schreckens, darunter ein Foltergefängnis und die Hinrichtungsstätte, an der die Scheiterhaufen brannten.
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Lisa Deckelmann und Alexandra Friedrich am Startpunkt ihrer Schatzsuche: dem Domplatz. Foto: Barbara Herbst
Lisa Deckelmann und Alexandra Friedrich am Startpunkt ihrer Schatzsuche: dem Domplatz. Foto: Barbara Herbst
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Nichts erinnert heute mehr ans "Malefizhaus", in dem Folterknechte der Inquisition vermeintliche Hexen quälten: wenige Meter vom ZOB entfernt am Rande der Fußgängerzone. Jetzt lebt die Geschichte des Gefängnisses auf, das eine Station auf der Schatzsuche ist, die fünf Abiturienten des Theresianums für Geocacher entwickelten. Ein weiterer Punkt, den Teilnehmer mit GPS-Geräten oder Alternativen ansteuern: das Haus "Zum Krebs" am Pfahlplätzchen, dessen früherer Besitzer die eigene Frau als Hexe anschwärzte, um sich eine Jüngere zu nehmen. So leicht war's im 17. Jahrhundert, in die Fänge der Inquisition zu geraten, wie die Entwickler des "Hexencaches" Schatzsuchern in den Informationen zu den einzelnen Stationen ihrer Reise in die Vergangenheit erläutern: eine Reise, die Bamberg einmal nicht als zauberhafte Stadt an der Regnitz zeigt.


In Erinnerung halten
Das finsterste Kapitel der Bamberger Vergangenheit als GPS-Schnitzeljagd: Warum wählten fünf Kolleg-Schüler bei einem Projekt-Seminar ein so schauriges Thema, um sich ihm über etliche Monate hinweg zu widmen? "Auch diese düstere Zeit gehört zu unserer Stadt, die eine Hochburg der Hexenverfolgung war", sagt Lisa Deckelmann. So dürfe man das Leid all der Menschen, die Fanatikern in Bamberg zum Opfer fielen, nicht verdrängen und vergessen. Zumal "ich überrascht war, wie viele Dokumente in Archiven erhalten blieben", so die 23-jährige Schülerin des Kollegs, die den Cache gemeinsam mit Alexandra Friedrich, Nicole Warnhoff, Marco Höppel und Thomas Sebald ersann und erstellte.

Wo die angeblichen Hexen lebten
"Ja, wir wollen auf unsere Weise noch mehr Menschen zu einem Thema informieren, das mir sehr nahe ging", sagt Alexandra Friedrich. Es berührte sie, "vor den Häusern zu stehen, in denen angebliche Hexen lebten". Und es erschütterte die 24-Jährige, vertraute Orten wie den Schönleinsplatz erstmals unter dem Blickwinkel der Vergangenheit zu sehen: als Unschuldige auf dem Scheiterhaufen am "Schwarzen Kreuz" qualvoll starben, nachdem man sie im "Malefizhaus" marterte und zu falschen Geständnissen zwang. "In Stein gemeißelt hieß es hier gleich über dem Eingang: ,Das Haus wird ein Exempel werden, das alle die vorüber gehen, werden sich entsetzen, und blaßen und pfeiffen'", so die Schülerin. Nachzulesen für alle Geocacher in den Informationen zum "Drudenhaus" - neben einer Frage, die an dieser Stelle der Schatzsuche zu beantworten ist.

Für all die Fragen und Erläuterungen, die sie Geocachern mit auf den Weg geben, durchforsteten die Schüler Archive, nahmen an einer Stadtführung zur Hexenverfolgung teil, besuchten den Zeiler Hexenturm und interviewten Historiker zur Inquisition. Begleitet von Melanie Kallmann, die das Seminar als Geographielehrerin und begeisterte Geocacherin leitete. Sie regte am Theresianum übrigens auch an, die moderne Form der Schatzsuche in einem Projekt-Seminar zu behandeln.

In Ketten gelegt und gefoltert
Aber weiter zur nächsten Station, die Teilnehmer erwartet: In der Langen Straße, wo Dorothea Flock mit ihrem Mann bis ins Jahr 1630 lebte, dessen erste Frau schon bei einem Hexenprozess hingerichtet wurde. Nun verschleppte man auch Dorothea ins "Drudenhaus", um sie in Ketten zu legen und zu foltern. Ein Mädchen brachte die hochschwangere Frau noch zur Welt, bevor der Scharfrichter zuschlug. "Fast alle in der Langen Straße ansässigen Familien wurden bei der Hexenverfolgung ausgelöscht", lesen Geocacher an dieser Stelle: So lebten hier einst wohlhabende Bamberger, "deren Besitz nach der Hinrichtung an die Kirche überging".

Über den exakten Fundort des "Schatzes" wird an dieser Stelle natürlich nichts verraten. Nur, dass der Ausflug in die Zeit der Inquisition mit dem Blick Richtung Zeil endet, wo über 400 angebliche Hexen auf dem Scheiterhaufen starben. Während die erste Station der GPS-Schnitzeljagd Interessenten auf dem Domberg erwartet: vor der Neuen Residenz als ehemaligem Sitz der Bamberger Fürstbischöfe, unter denen sich Johann Georg II. Fuchs von Dornheim den Beinamen "Hexenbrenner" erwarb.

"Es ist schön, dass die Ergebnisse unseres Projektes nicht nur schulintern zu nutzen sind, sondern allen Interessenten zu Gute kommen - Touristen ebenso wie Einheimischen", meint Melanie Kallmann. Schließlich kann sich jeder der Geocaching-Community anschließen, Neuland entdecken, sein Wissen erweitern und dabei viel Spaß im Freien haben. Der Weg ist das Ziel. So handelt es sich beim versteckten "Schatz" dann auch nur um einen wasserdichten Behälter, in dem sich ein Logbuch und diverse Tauschgegenstände befinden. In dieses Logbuch trägt sich der Finder ein, um seine erfolgreiche Suche zu dokumentieren. Alles Weitere erfahren Teilnehmer über die Internet-Plattform nach einer Anmeldung.
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