Bamberg
Hochzeitsgeschichten

Mit "Highway to Hell" in den Ehehimmel

Die Spannung steigt von Tag zu Tag. Endlich ist's dann so weit: Zwei Romantiker stehen vor dem Traualtar, um sich das Ja-Wort zu geben. Welche Extras sich Paare zuvor schon bei der Eheschließung im Rathaus einfallen lassen, daran erinnert sich ein Bamberger Standesbeamter im Wonnemonat.
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Ganz in Weiß mit einem Blumenstrauß standen Sven Heinz Dietz und Tanja Büttner vor Jürgen Dicker. Ihre Hochzeit verlief ohne Pleiten, Pech und Pannen, die manches Paar schon zur Verzweiflung brachten. Glückwunsch! Foto: Ronald Rinklef
Ganz in Weiß mit einem Blumenstrauß standen Sven Heinz Dietz und Tanja Büttner vor Jürgen Dicker. Ihre Hochzeit verlief ohne Pleiten, Pech und Pannen, die manches Paar schon zur Verzweiflung brachten. Glückwunsch! Foto: Ronald Rinklef
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Manche zieht's in die Tiefe: Auf dem Meeresgrund gaben sich Abenteurer schon im kühlen Naß mit Taucherbrille und Sauerstoffflasche das Ja-Wort (per Handzeichen). Andere heiraten auf Berggipfeln oder feiern im Fesselballon auf "Wolke Sieben" eine himmlische Zeremonie. Schrill proklamieren mehr und mehr Paare "Ja, ich will", obgleich eine Trauung genügend Aufregung verspricht, wenn man auf dem Boden bleibt. Das belegen Erfahrungen des Bamberger Standesbeamten Jürgen Dicker, der Verlobten seit drei Jahren die entscheidende Frage stellt. Wobei er selbst den Bund des Lebens drei Jahrzehnte nach dem Ringtausch noch für die optimale Verbindung zweier Menschen hält.


Tanzend in die Ehe
"Jede Trauung ist ein Erlebnis. Aber es gibt Zeremonien, die einem für immer unvergesslich bleiben", meint Dicker. Gerade beim romantischen Gelöbnis zeigen sich viele eben kreativ.
So tanzte ein Schulleiter vor den Standesbeamten, um mit besonderem Schwung in die Ehe zu gehen: "Beim Foxtrott hatte er seine Frau kennen und lieben gelernt. Demnach wagte der Bamberger im Foxtrott auch den entscheidenden Schritt und glitt übers Parkett des Trausaals."



Einen Heiratsantrag nach Noten ließ sich ein Musiker einfallen. "Zur Hochzeit brachte der Bräutigam die eigene Band mit, die die Komposition mit Akkustik-Gitarre, Cajón und Sängerin unplugged performte, um den sonstigen Rathaus-Betrieb nicht zu stören." Natürlich berieselt viele bei der Eheschließung auch Musik aus der Konserve - von Klassik bis hin zu Metal, je nach Vorliebe. Für Freunde des schwarzen Humors, die selbst noch nach einem geeigneten Trauungstitel suchen, empfiehlt sich übrigens die Variante zweier Hardrockfans, an die sich
Dicker erinnert: "Mit ,Highway to Hell' starteten sie in die gemeinsame Zukunft."


Rollenwechsel für die Mimin
Von ihrer Doppelgängerin musikalisch begleiten, ließ sich eine Schauspielerin des E.T.A.-Hoffmann-Theaters, die den Rollenwechsel von der Freundin zur Ehefrau wagte. "Ich selbst brachte Eva Steines auf die Idee, nachdem ich ihre Ähnlichkeit mit meiner Gitarreschülerin bei der Eheanmeldung bemerkte." Prompt wurde Nadine Hager samt ihres Freundes für die Trauung im Rokoko-Saal gebucht und zeigte, was sie zuvor bei dem musizierenden Standesbeamten gelernt hatte.

Viele Paare lassen sich nach dem Rathausbesuch im eigenen Wagen (und dazugehörigem Autokorso) Richtung Hochzeitparty fahren (einen Hauch von Luxus garantieren Burgen, Schlösser oder ein Rittergut). Mit 2 oder gar 4 PS rollen Romantiker zuweilen aber auch via Kutsche durch Bambergs historische Straßen und Gassen. Und dann gab's noch frisch Vermählte, die Freunde nach der Trauung in einer Rikscha von dannen zogen. "Eigentlich wollte das Paar auf Hawaii heiraten, was nicht klappte. So kam die ganze Gesellschaft in Bermudashorts mit Blumenkränzen, die man auch mir umhängte", berichtet der Standesbeamte. Weiter ging's anschließend ebenso exotisch mit menschlichem Muskelantrieb. Welch Schweiß treibender Freundschaftsbeweis!


Weiße Tauben entflohen
Ein beliebter Brauch ist bei Hochzeiten auch, weiße Tauben in den Himmel steigen zu lassen. Wobei die Vögel normalerweise gleich in den heimischen Schlag zurückkehren. Anders die gefiederten Kollegen, auf die eine Bamberger Familie setzte. Befreit aus ihren Käfigen zwitscherten sie nach der Trauung ab, "weil sie sich offenbar mit den Karstadt-Tauben verbrüderten und waren fortan nicht mehr gesehen", wie man Dicker später berichtete.

Mustergültig dagegen das Verhalten eines Vierbeiners, dem bei einer anderen Inszenierung eine noch tragendere Rolle zukam: "Mit einem Kissen gesattelt, brachte der Hund Braut und Bräutigam die Ringe" statt (mit einer Hochzeitsgesellschaft auf den Fersen) das Weite zu suchen.


Mit Gleitcreme
Dabei sind Pleiten, Pech und Pannen nie auszuschließen, egel wie generalstabsmäßig man seine Vermählung plant. "Zwei Mittzwanziger meldeten sich neunmal zur Hochzeit an und sagten neunmal wieder aus verschiedensten Gründen ab. Sie nahmen's mit ,Prüfe, wer sich ewig bindet, wohl allzu genau' und ließen's irgendwann ganz bleiben", so Dicker. Dann wieder schwoll der Ringfinger einer Braut beim symbolischen Ringtausch so an, dass man Gleitcreme aus dem nächsten Shop besorgen musste. "Seither gehört Gleitcreme zum Erste-Hilfe-Set der Standesbeamten."


Unter strenger Bewachung
Extrem auch die Trauung eines Paares unter Verschluss und Polizeischutz, nachdem es von einer eifersüchtigen Ex-Geliebten terrorisiert wurde (von Dicker nicht selbst erlebt). "Und der Kampf eines Vaters, der die Heirat seiner Tochter via Attest (angebliche Eheunfähigkeit) zu verhindern suchte. "Wieder wurde der Trausaal verriegelt und die Ehe unter strengster Bewachung geschlossen."

Erfahrungen aus nur drei Jahren, die zeigen, dass man nicht in die Luft oder ins Wasser gehen muss, um eine aufregende Vermählung zu erleben. Ja, "Heiraten ist eine wunderbare Sache, solange es nicht zur Gewohnheit wird", wie es William Somerset Maugham als Erzähler und Dramatiker auf den Punkt brachte.

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