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Ebrach
Forstwirtschaft

Mit Hightech gegen den Holz-Klau im Wald

Die steigenden Preise für den begehrten Roh- und Brennstoff Holz haben zu einem Wettrüsten im Wald geführt. Weil professionelle Diebe inzwischen mit Lkw und Kran anrücken, setzen die Forstbetriebe auf elektronische Wächter.
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Unsichtbarer Wächter: Der GPS-Sender wird in einer Kerbe im Stamm versteckt. Fotos: dpa
Unsichtbarer Wächter: Der GPS-Sender wird in einer Kerbe im Stamm versteckt. Fotos: dpa
Langholz und Langfinger? Der Gedanke scheint auf den ersten Blick absurd, dass Diebe die Mühe auf sich nehmen, ganze Baumstämme aus dem Wald zu schleppen und zu Geld zu machen. Die steigenden Holzpreise machen aber selbst diese Plackerei zu einem verlockenden Geschäft.

"Der Holzdiebstahl hat in den letzten Jahren tendenziell deutlich zugenommen", sagt Hans Jakobs, der Vorsitzende des Bundes Deutscher Forstleute. Und damit meint er weniger den für den häuslichen "Eigenbedarf" gefüllten Kofferraum, sondern die professionellen Holzdiebe, die ganze Fuhren aufladen und einen Schaden von einigen tausend Euro anrichten. Diesem Frevel rücken immer mehr Forstbetriebe mit moderner Technik zu Leibe.

Rund 1000 Holzdiebstähle

Das bayerische Landeskriminalamt in München verzeichnet jedes Jahr rund 1000 Holzdiebstähle; der Schaden geht in die Millionen.
Bundesweit gibt es keine Statistik, und auch die Zahlen aus München sind wohl nur die Spitze des Eisbergs, da die meisten kleinere Diebstähle gar nicht erst angezeigt werden.

"Es ist schon die große Ausnahme, wenn es gelingt, einem Holzdieb auf die Spur zu kommen", sagt Ullrich Mergner, der Leiter des Staatsforstbetriebes in Ebrach (Steigerwald). Deshalb setzen viele seiner Kollegen auf moderne Technik, um Langfingern im Wald auf dieselben zu schauen. Erst am Mittwoch gelang es dem hessischen Forstamt Schotten, einem Holzdieb mittels Elektronik auf die Spur zu kommen: Die Forstleute setzten einen "Forst-Tracker" ein, ein Gerät, das auch bei den Bayerischen Staatsforsten über die wertvolle Ernte im Wald wacht.

Das Geheimnis im Wald

Der Forst-Tracker ist ein GPS-Sender, kaum größer als eine Streichholzschachtel. Er wird im Baumstamm versteckt. Das Gerät befindet sich im Rubezustand; erst, wenn der Stamm sich bewegt, erwacht es zum Leben und sendet ein Signal.

Rudolf Zwicknagl, der Leiter des Staatsforstbetriebs Heigenbrücken, nutzt GPS im Spessart: "Man sieht am Bildschirm, wo das Holz hinfährt, also über die Signale, die diese Geräte aussenden. Wenn die Fuhre ins Werk geht, ist alles in Ordnung. Im anderen Fall wird reagiert."

Wie viele dieser Sender im Einsatz sind und wo, behalten die Bayerischen Staatsforsten für sich. Mergner setzt im Steigerwald bislang weniger auf die moderne Technik als auf "gute Nachbarschaft" im Wald. "Die Leute, die bei uns im Wald Holz machen, passen schon aufeinander auf. In jeder Hinsicht. Da tun sich Diebe schwer."

Wie überhaupt der Holzdiebstahl nicht nur wegen der sperrigen Beute ein heikles Unterfangen ist. "Man kann ja nicht mit den Stämmen von Sägewerk zu Sägewerk fahren und das Holz anbieten. Die Säger achten auch sehr akribisch auf die Herkunft der Stämme", sagt der Forstmann im Steigerwald.

Abschreckungseffekt

Im aktuellen Fall in Hessen ging es um Stammholz im Wert von knapp 900 Euro, das geklaut und über einen Zwischenhändler verkauft werden sollte. Der Forst-Tracker hat dies verhindert. Diese GPS-Geräte (Global Positioning System) nutzen Satelliten-Signale; auch Wanderern und Autofahrern hilft diese Technik bei der metergenauen Positionsbestimmung.

Im Fall des Holzklaus schlägt der Forst-Tracker Alarm, wenn ein Holzstapel auf Abwegen unterwegs ist. Mit 300 Euro pro Gerät ist der "Spaß" nicht eben billig, aber doch mehr als eine technische Spielerei. Sicher lassen sich mehr Diebe auf diese Art vom Holzklau abschrecken, als tatsächlich erwischt werden.

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