Bamberg
Prozess

Mit falschen Fünfzigern bezahlt

Jugendlicher bringt bei der Sandkerwa Blüten in Umlauf und fliegt auf. Das Jugendschöffengericht verurteilt den 20-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe. Die Hintermänner bleiben im Dunkeln.
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Der neue 50-Euro-Schein soll Geldfälschern das Handwerk erschweren. Doch noch bringen Kriminelle vor allem Blüten alter Fünfziger in Umlauf. Die im Sommer in Bamberg gefundenen Blüten stammen laut Polizei aus einer italienischen Fälscherwerkstatt. Foto: A. Dedert, dpa
Der neue 50-Euro-Schein soll Geldfälschern das Handwerk erschweren. Doch noch bringen Kriminelle vor allem Blüten alter Fünfziger in Umlauf. Die im Sommer in Bamberg gefundenen Blüten stammen laut Polizei aus einer italienischen Fälscherwerkstatt. Foto: A. Dedert, dpa

Ein Heranwachsender hatte während der letzten Sandkerwa Falschgeld unter die Leute gebracht und wurde nun am Amtsgericht zu zehn Monaten Jugendstrafe verurteilt. Mit dem Mittel der Vor-Bewährung muss er allerdings nicht sofort ins Gefängnis, sondern hat ein halbes Jahr Zeit, sein Leben in den Griff zu bekommen. Für den abgelehnten Asylbewerber, der auch drei Jahre nach seiner Einreise so gut wie kein Deutsch spricht, kein ganz leichtes Unterfangen.

Auf der Sandkerwa geht es um etwa zwei Uhr früh immer noch hektisch zu. Unzählige Geldscheine wechseln den Besitzer. Da tauchen in einer Bar in der Langen Straße falsche Fünfziger auf. Dem Barkeeper fallen die sehr gut gemachten Blüten aber nur auf, weil sein Chef ihn tags zuvor gewarnt hatte, es sei Falschgeld im Umlauf. Beim Abliefern seiner Einnahmen in der Bank war der Gastronom auf zwei falsche Fünfziger aufmerksam gemacht worden. Nun also hat man jemandem auf frischer Tat ertappt. Ein spezieller Prüfstift bringt Sicherheit. Ein 20-jähriger Iraker aus dem Landkreis Bamberg hat mit einem dritten Schein zwei Getränke bezahlt. Später wird noch ein viertes Exemplar gefunden. Von einem Gast, der wenige Minuten später in Richtung Ausgang unterwegs ist. Das Papiergeld ist zusammengeknüllt und weggeworfen worden. "Wir sind überzeugt, dass Sie sich dessen entledigt haben," so Richter Waschner. Alles andere sei höchst unwahrscheinlich.

Woher er denn das Falschgeld habe, wollte Staatsanwalt Johannes Bartsch wissen. Der Angeklagte tischte dann erst einmal die Geschichte vom großen Unbekannten auf, dem er am Bahnhof Bamberg sein Smartphone für 250 Euro verkauft habe. Ein Gerät, das er angeblich in einem Elektronik-Geschäft in der Innenstadt gekauft habe. Verdächtig war nur, dass der Vater des Angeklagten im Dezember letzten Jahres versucht hatte, ein ähnliches Smartphone zu kaufen und dafür eine rückdatierte Rechnung zu bekommen. Einen Beleg für seine Behauptung blieb der Angeklagte, bereits zweifach wegen Ladendiebstahls vor Gericht, indes schuldig. Von einer "Nebelkerze" sprach der Vorsitzende Richter Martin Waschner. "Sie haben mehrfach Ihre Geschichte abgeändert."

Im Darknet bestellt

Ein Kriminalbeamter erklärte, das in Bamberg aufgefundene Falschgeld sei von mindestens mittlerer Qualität und aller Wahrscheinlichkeit nach in Italien hergestellt. Darauf wiesen bestimmte Druckmerkmale hin. Es gäbe aber auch "Lieferanten" aus Bulgarien oder Österreich. Während der Sandkerwa seien noch an anderer Stelle wie einer Discothek oder einem Drogeriemarkt 17 Blüten aufgetaucht. Ein Hintermann bestelle die Fälschungen im Darknet und gebe sie an "Läufer" weiter. Die verdienten sich einige Euro, indem sie in Geschäften und Restaurants Kleinigkeiten kauften, um dann das echte Wechselgeld zu behalten. "Aus 50 Euro Falschgeld macht man dadurch 45 Euro legales Bargeld," so Staatsanwalt Bartsch.

Im Laufe der ausführlichen Beweisaufnahme geriet ein italienischer Pizzabäcker aus dem Landkreis Bamberg ins Blickfeld, der im gleichen Zeitraum mit einem 100 Euro-Schein in einem Discounter hatte bezahlen wollen. Er war der Begleiter des Angeklagten während der Sandkerwa. Während Rechtsanwalt Dieter Widmann (Bamberg) das Jugendschöffengericht auf "die Gefahr einer Fehlverurteilung" hinwies, weil sein Mandant nicht gewusst habe, dass es sich um Falschgeld handelte, hatten Richter Waschner und seine beiden ehrenamtlichen Kollegen keinen Zweifel an der Schuld des Angeklagten.

In den nächsten sechs Monaten hat der Angeklagte nun eine Gnadenfrist. Bis dahin muss er einen festen Wohnsitz, eine geregelte Arbeit oder den Beginn einer Ausbildung nachweisen. "Nicht nur rumsitzen und chillen," ermahnte Richter Waschner. Deshalb verhängte das Jugendschöffengericht auch 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit, damit der arbeitslose Heranwachsende einen strukturierten Tagesablauf kennenlerne. "Wenn Sie sich nicht darum kümmern, gehen Sie in einem halben Jahr in die JVA Ebrach." Seine fast sechsmonatige Untersuchungshaft wird dem jungen Mann dann allerdings nicht angerechnet. Den Gerichtssaal verließ der 20-Jährige als freier Mann. Ob das allerdings so bleibt, ist fraglich, führte doch jetzt ein DNA-Treffer wegen eines Diebstahls im November 2016 in Nürnberg auf seine Spur.

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