Geisfeld
Faschingszug

Mit dem Strohbär an der Kette

Die Geisfelder geben sich bei der Vorbereitung ihres Umzugs besondere Mühe.
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"Made in Geisfeld": Der Strohbär, der als Winter-Monster schließlich symbolisch verbrannt wird. Jürgen Schmid
"Made in Geisfeld": Der Strohbär, der als Winter-Monster schließlich symbolisch verbrannt wird. Jürgen Schmid
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Der Geisfelder Faschingszug gilt als Legende - und als echte Show auf Rädern und Füßen. Damit richtige Geschichten erzählt werden können, ist im Vorfeld akribische Vorbereitung angesagt. Und die kostet mehr Zeit als der ganze Event.

Leute suchen, Themen finden, Fahrzeuge organisieren, Wagen bauen: Damit sich der Geisfelder Faschingszug als altbewährter Mix aus lokaler Historie, aktuellem Dorfklatsch und globalen News präsentieren kann, sind vorher ordentlich Sonderschichten angesagt. Am Wochenende vor dem Faschingsdienstag startet traditionell das große Bau-Finale: Unter Aufsicht und Zugriff der veranstaltenden Kulturellen Dorfgemeinschaft verkünsteln sich in diversen Höfen diverse Gruppierungen - bis zum Hinpinseln der letzten Sprüche und bis zum Kurz-Event auf der Straße ist ein epischer Bastel-Marathon fällig.


Der Bär steppt draußen

Auch beim handgebundenen Strohbär muss das Material erstmal an den Mann gebracht werden: Das Lieblings-Projekt des Geisfelder Faschingszuges fordert vom Schausteller schon im Vorfeld maximal Geduld. Während des Verpackungs-Vorgang in sorgsam geschnittenes Stroh ist eine Dreiviertelstunde Stillhalten angeordnet - und danach wildes Gebaren im pieksendem Unbequem-Outfit.

Vom Treiber an der Kette quer durchs Dorf gezerrt, gibt's die Erlösung erst ganz am Schluss: Das Winter-Monster wird vor den Traditionshexen fies gejagt, vom Publikum gepiesackt und schließlich symbolisch im Feuer verbrannt. Apropos Hexen: Auch deren Masken sind fast alle "Made in Geisfeld". Mit viel Liebe zum Detail entworfen und geschnitzt zieht sich dieser ganz besonders kreative Arbeitseinsatz mittlerweile über Jahrzehnte - Reparaturarbeiten und Neu-Auflagen inbegriffen.


Wagenladungen und Fußtruppen

Sieben Wagen, sieben Gruppen: Der bewegliche Straßen-Show-Act liefert schließlich abwechselnd Aufreger der Region, Themen der Saison und fröhliche Klassiker. Zum Glyphosat-Drama, zur Wolfs-Rückkehr und zum Wander-Bauernhof gibt´s am Dienstag-Nachmittag ganz spezielle Geisfeld-Interna: So wird das neue Ausschank-Timing der Geisfelder Wirte beklagt, die Fachverkäufer-Suche des Metzgers kommentiert, der bevorstehende Brauereienlauf besungen und schließlich per Frontlader ein neuer KDG-Kassier gesucht.

Auch aus dem Nachbardorf gibt‘s wie jedes Jahr Kreativ-Unterstützung: Als freundlichen Akt der Nachbarschaftshilfe präsentieren sich die Roßdorfer Bobfahrer opulent kostümiert und olympisch-offensiv. Externe Unterstützung gibt's dieses Jahr auch von der anderen Seite: Die Feuerwehr-Frauen aus Melkendorf gönnen ihrem Feuerwehr-Fahrzeug zur Abwechslung einen schicken Privat-Ausflug übern Berg und ergänzen damit den heimischen Fußvolk-Beitrag rund um die Alt-Geisfelder Feuerwehr.


Analog abtanzen

Digitalisiert? Zumindest nicht die ganze Musik. Unbeeindruckt von benachbarten Bauchweh-Bässen, tieffliegendem Süßkram und kreischenden Besen-Trägerinnen ackert die Geisfelder Blaskapelle immer ganz vorne mit und liefert Marschiertaugliches & Stimmungsförderliches ohne größere Pausen. Dass im 900-Seelen-Dorf unter Mitwirkung der hiesigen Gastronomie so vielfältig entertaint wird, macht auch vielen auswärtigen Besuchern Spaß: Der Faschingszug-Tourismus läuft - und die Geisfelder haben nebenbei eine prima Zeit mit sich selbst.
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