Bamberg
Urteil

Mit Bierflasche zugeschlagen - Bamberger wandert ins Gefängnis

Ein junger Bamberger (22) muss wegen Körperverletzung ins Gefängnis und eine Alkoholtherapie absolvieren.
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Durch das offene Beifahrerfenster schlug Uwe T. so oder ähnlich mit einer Bierflasche zu. Symbolfoto: Ronald Rinklef
Durch das offene Beifahrerfenster schlug Uwe T. so oder ähnlich mit einer Bierflasche zu. Symbolfoto: Ronald Rinklef
Es ist fünf vor zwölf für Uwe T. (Name von der Redaktion geändert). Sollte er noch einmal wegen einer Gewalttat vor Gericht stehen, muss der 22-jährige Bamberger mit der Sicherungsverwahrung rechnen. Das hieße eine Unterbringung auf unbestimmte Zeit. Vielleicht zum letzten Mal blieb ihm diese Sanktion erspart, verhängte die Zweite Strafkammer des Landgerichts gegen ihn eine befristete Strafe: Drei Jahre und drei Monate muss T. in den Strafvollzug und einen Teil dieser Zeit nutzen, um vom Alkohol wegzukommen.

Hat T. getrunken, wird er leicht gewalttätig. Und zwar aus nichtigem Grund. So geschehen zuletzt in der Nacht zum Allerheiligentag 2012 vor einem Lokal im Stadtteil Gereuth. Es war gegen 2 Uhr, als er einem 23-Jährigen mit einer vollen Bierflasche ins Gesicht schlug.

Sein Motiv für die Körperverletzung war für die Prozessbeteiligten kaum nachvollziehbar: T.
hat sich darüber geärgert, dass der andere auf dem Beifahrersitz eines Wagens saß, in dem er ebenfalls mitfahren wollte. Er sprach den 23-Jährigen vor dem Angriff an und forderte ihn auf, den Platz für ihn zu räumen, das gebiete der "Respekt". Als der andere zögerte, traf ihn wie aus heiterem Himmel der Schlag durch das geöffnete Beifahrerfenster.

Der Attackierte hatte Glück im Unglück, weil die Flasche nicht zu Bruch ging und er mit einer stark blutenden Platzwunde an der linken Augenbraue davonkam. Warum er nicht rechts getroffen wurde, was näher liegend gewesen wäre, erklärte der Verletzte als Zeuge so: "Anscheinend habe ich 'rausg'schaut." Seine Angaben wurden durch den Fahrer des Pkw bestätigt, der in der Tatnacht - nachweislich - nüchtern war.

Eine zweite Bierflasche warf T. wenig später auf das Auto. Die Richter nahmen zugunsten des Angeklagten an, dass er nicht den Freund, der an seinem Wagen stand, treffen wollte. So fiel die angeklagte versuchte gefährliche Körperverletzung weg und blieb "nur" eine Sachbeschädigung.

Der Angeklagte wundert sich

In der Verhandlung konnte sich der Angeklagte kaum an jene Nacht und das, was er gesagt und getan haben soll, erinnern. Nach den Berechnungen der Gerichtsmedizin hatte er zur Tatzeit 2,12 Promille. Im Prozess, im nüchternen Zustand, schien er sich selbst über das Geschehen zu wundern. Auch für sein Motiv hatte er keine rechte Erklärung: "Ich fahre nicht so oft bei dem Freund mit, als dass der Beifahrersitz ,mein' Platz wäre."

Bei den Mitgliedern der Strafkammer unter Vorsitzendem Richter Manfred Schmidt hinterließ T. trotz seiner potenziellen Gefährlichkeit und seiner Vorstrafen nicht den schlechtesten Eindruck. Sie glaubten ihm die gezeigte Reue und Einsicht und, dass er diesmal wirklich vom Alkohol weg will. Nachdem er Haftstrafen schon genützt hat, um den Hauptschul-Abschluss und "Quali", ein Anti-Aggressionstraining und eine Sozialtherapie erfolgreich zu absolvieren, trauen sie ihm zu, dass er nun auch eine Entziehung durchsteht.

Dass er sie braucht, scheint der 22-Jährige erkannt zu haben. Nach der letzten Freilassung hatte er nach eigenen Angaben geglaubt, das Problem im Griff zu haben. Die Vorfälle in der Nacht zum Allerheiligentag lehrten ihn eines Besseren.

Die anstehende Strafe und Therapie könnte T.s letzte Chance sein, seinem Leben eine Wende zu geben. Die Richter gestanden sie ihm auch deshalb zu, weil der 22-Jährige denkbar schlechte Startbedingungen hatte: Seine mit drei Kindern wohl überforderte Mutter verließ früh die Familie. Der Vater schlug sich mit den beiden Söhnen durch, zeitweise lebten die in einer Obdachlosenunterkunft. Mit 15 Jahren galt T. als unbeschulbar, machte Erfahrungen mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie, bald auch mit der Justiz.

Dennoch: Nach seiner letzten Entlassung suchte sich der Bamberger zwei Mal hintereinander eine Lehrstelle. Er verlor den Ausbildungsplatz, als er am 2. November 2012 festgenommen wurde und in Untersuchungshaft kam.
Neben der aktuellen Strafe, die noch nicht rechtskräftig ist, droht ihm auch der Widerruf einer zur Bewährung ausgesetzten Reststrafe von 431 Tagen. Die Gefahr ist laut Richter Schmidt "sehr sehr hoch".
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