Bischberg
Ermittlungen

Missbrauchsvorwurf: AWO geht auf Eltern zu

Ein 19-Jähriger sitzt wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch in einer Kita in U-Haft. Der Träger reagiert auf Elternkritik .
Artikel drucken Artikel einbetten
Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern sollen in der Bischberger  Kita "Am Vogelberg" stattgefunden haben, die Ermittlungen gegen einen 19-Jährigen, der in U-Haft sitzt, laufen. Foto: Matthias Hoch
Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern sollen in der Bischberger Kita "Am Vogelberg" stattgefunden haben, die Ermittlungen gegen einen 19-Jährigen, der in U-Haft sitzt, laufen. Foto: Matthias Hoch
Klaus Stieringer ist stinksauer. Erst aus den Medien hat der derzeitige kommissarische Vorsitzende des AWO-Kreisverbands von den Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs erfahren, die einem 19-jährigen Azubi zur Last gelegt werden, der in der Bischberger Kita "Am Vogelberg" beschäftigt war. Seit Montagabend waren über den Fränkischen Tag die im Raum stehenden Vorwürfe bekannt geworden. Der Verdächtige sitzt seit Mitte Februar in U-Haft.

Spätestens dann hätte er über die Anschuldigungen in Kenntnis gesetzt werden müssen, stellt Stieringer fest. Er räumt ebenfalls ein, dass man eine andere Informationspolitik gegenüber den Eltern hätte betreiben müssen. Noch Montagnacht wurde mit AWO-Kreisgeschäftsführer Werner Dippold der nächstmögliche Termin für eine Zusammenkunft mit den Kita-Eltern - Mittwochabend - festgesetzt und über Aushänge und Schilder in und an der Kita darauf hingewiesen.

Stieringer bestätigt, dass die Kita-Leitung richtig gehandelt hatte: Sofort, nachdem Anschuldigungen wegen eines Falles von möglichem sexuellen Missbrauchs im September vergangenen Jahres bekannt geworden waren, sei der 19-Jährige, der in der Einrichtung Anfang September eine Ausbildung begonnen hatte, freigestellt worden. Für die Eltern hatte es in Folge eine Infoveranstaltung gegeben. Der 19-Jährige hatte seine Kündigung erhalten.

Weil dann in der Einrichtung wieder Ruhe eingekehrt und das Thema auch im Elternbeirat keines mehr gewesen sei, habe man keine Veranlassung, etwas zu unternehmen, so Dippold.
Es folgten jedoch weitere Anzeigen wegen sexuellen Missbrauchs. Seit Mitte Februar sitzt der 19-Jährige in U-Haft.

Stieringer räumt auf Nachfrage unserer Zeitung ein, dass man spätestens da auf die Eltern hätte zugehen sollen. Er selbst habe bis Montagabend von nichts gewusst, gehe aber davon aus, dass Kreisvorsitzender Reinhard Schmid wohl in Kenntnis gesetzt war. Anfang des Jahres sei dieser dann erkrankt und er selbst, so Stieringer, leite seit Anfang Februar den Kreisverband kommissarisch gemeinsam mit Gerd Schneider.

"Wenn wir in Kenntnis gesetzt worden wären, hätten wir reagieren können," stellt er fest. Unverständnis habe er allerdings für Bischbergs Bürgermeister Johann Pfister, der ebenfalls der AWO-Kreisvorstandschaft angehört und die Info nicht weitergegeben habe.


Eltern wurden aktiv

So ergriffen schließlich vergangene Woche die Eltern betroffener Kinder die Initiative und baten zu einem Treffen mit Kita-Leitung und Kreisgeschäftsführer. Der kam aber nicht. Er sei auf dem Weg gewesen, aber in einen Stau geraten, argumentiert Dippold.

Nach den Veröffentlichungen am Montag auf inFranken.de und am Dienstag in der Zeitung war der Medienrummel in Bischberg entsprechend groß. Bürgermeister und AWO sahen sich einem großen Medienaufgebot gegenüber. Bischbergs Bürgermeister hatte jedoch, wie er zugesteht, überraschenderweise keine Bürgeranfragen.

Bei den Eltern, deren Kinder die Kita "Am Vogelberg" besuchen, stehen die Handys nicht still, bestätigt der Vater einer Sechsjährigen, der zusammen mit vier weiteren Eltern Anzeige erstattet hat.
Der Großteil der bislang betroffenen Eltern sei erleichtert, dass die Sache nun endlich bekannt sei. Etliche andere Eltern jedoch seien aus allen Wolken gefallen.

Stieringer und Dippold betonten übereinstimmend, dass der 19-Jährige, der über ein Jahr Praktikant in der Kita war, tte, bei Eltern und Kindern sehr beliebt, laut Einschätzung der Kita-Leiterin vorbildlich war.
"Wir beten, dass sich alles relativiert", stellt Stieringer zu den Vorwürfen fest und setzt auf lückenlose Aufklärung. Den Eltern werde die AWO nach Bedarf pädagogische und psychologische Hilfe zur Seite stellen. Wegen noch laufender Ermittlungen wird die Polizei nicht zum Treffen kommen, erfuhr Stieringer bei der Anfrage.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren