Bamberg

Missbrauch: kirchliche Gerichte geplant

Die Deutsche Bischofskonferenz hat Erzbischof Ludwig Schick mit der Leitung einer Arbeitsgruppe "Kirchenrecht" betraut.
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Gottesdienst anlässlich der Bischofskonferenz in Lingen: links Kardinal Reinhard Marx, rechts Erzbischof Ludwig Schick. Foto: Richard Heskamp
Gottesdienst anlässlich der Bischofskonferenz in Lingen: links Kardinal Reinhard Marx, rechts Erzbischof Ludwig Schick. Foto: Richard Heskamp

Es war der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Reinhard Marx, der zur Eröffnung der Vollversammlung im emsländischen Lingen klar sagte: "Wir können nicht warten, was die Weltkirche tut, wir müssen die Dinge hier tun." Also die weitere Aufarbeitung des Missbrauchskandals mit allen Konsequenzen selbst in die Hand nehmen. Marx versprach, dass auch die bisherigen Tabuthemen Macht in der Kirche, Zölibat als priesterliche Lebensform und kirchliche Sexualmoral auf den Prüfstand kommen. Und auch das Kirchenrecht, das im Prinzip für die Weltebene gültig ist.

So beauftragte die DBK den Bamberger Erzbischof Ludwig Schick mit der Leitung einer neuen Arbeitsgruppe "Kirchenrecht". In einem Gespräch mit unserer Zeitung am Rande der Vollversammlung machte der langjährige Professor für Kirchenrecht an der Uni Fulda deutlich, dass kirchliche Gerichte für sexuellen Missbrauch errichtet werden sollen, eventuell eines in jeder der sieben deutschen Kirchenprovinzen. Diese überdiözesanen Strafgerichte sollen nach der zivilen Rechtsprechung angerufen werden, auch eine zweite Instanz sei nötig. "Es geht zuerst um Präzisierung und um mehr Klarheit, um Verbindlichkeit und auch Schnelligkeit in der kirchenrechtlichen Behandlung von Missbrauchsfällen", sagte Schick. Alle Delikte und Verbrechen seien zuerst Sache der zivilen Gerichtsbarkeit, "mit der wir uneingeschränkt zusammenarbeiten wollen".

Staatliche Gerichte zuständig

Wichtig sei, so der Erzbischof, dass alle Beschuldigungen von Missbrauch durch Kleriker und kirchliches Personal den zuständigen zivilen Behörden angezeigt werden. "Missbrauch ist ein Delikt, für das die Staatsanwaltschaften und staatlichen Gerichte zuständig sind, weil sie von einem Staatsbürger begangen werden. Vor dem staatlichen Recht sind alle Staatsbürger gleich." Erst nach den staatlichen Gerichten könne gegebenenfalls ein kirchliches Gericht tätig werden und auch die Folgen für den kirchlichen Personenstand und das Anstellungsverhältnis in der Kirche festlegen.

Was nach einem zivilen Verfahren in einem kirchlichen Strafprozess und dann in einem Disziplinarverfahren getan werden müsse, solle kirchenrechtlich besser geklärt werden.

Bisher sehe das Kirchenrecht in entsprechenden Fällen als höchste Strafe die Entlassung aus dem Klerikerstand vor, erklärte Schick. Es müssten nun Auflagen angedacht werden, die vor einer weiteren Straffälligkeit absichern. Zudem müsse es auch zu kirchlichen Strafprozessen in Fällen kommen, die in der staatlichen Justiz als verjährt gelten.

"Laisierung"

Der Erzbischof warnte davor, den im Zusammenhang mit der Entlassung aus dem Klerikerstand oft benutzten Begriff "Laisierung" zu gebrauchen. "Den Begriff Laisierung gibt es in der offiziellen Kirchensprache nicht." Was gemeint sei, werde mit Verlust des Klerikerstandes ausgedrückt. "Eine Rückkehr in den Laienstand gibt es bei einem einmal gültig geweihten Priester und Diakon nicht", betonte Schick. Der Kleriker verliere alle Rechte und Pflichten des Weihestandes, wobei die Weihe bleibe, und er erhalte auch nicht alle Rechte der nicht geweihten Gläubigen zurück, sondern erfahre etwa Einschränkungen im Pastoralen Dienst, bei Lehrtätigkeit in theologische Fakultäten. Das Wort Laisierung oder Rückversetzung in den Laienstand solle tunlichst vermieden werden: "auch weil unsere Christen ohne Weihe das zu Recht als Abwertung verstehen", sagte der Erzbischof.

Konsens mit Rom

Er machte auch klar, dass das Kirchenrecht zwar weltweit gültig sei, es jedoch in bestimmten Ländern und Bischofskonferenzen Möglichkeiten gebe, einen Rahmen auszuschöpfen, um es auf entsprechende Situationen anzupassen und Gesetzeslücken zu füllen: "Mit Rom sind bezüglich regionaler Adaptierungen Absprachen zu treffen, was möglich sein wird. Ich will den Konsens mit Rom." Kirchenrechtler Schick geht davon aus, dass die erst noch endgültig zu bildende Arbeitsgruppe in etwa einem Jahr Ergebnisse vorlegen kann. In diese Arbeitsgruppe sollen auch Laien berufen werden.

Für sein eigenes Erzbistum Bamberg will Schick eine eigene Präventionsordnung erlassen. Für wichtiger hält er jedoch die bisher schon laufenden Präventionskurse, die für alle Haupt- und Ehrenamtlichen verpflichtend seien. Was die Missbrauchsfälle in der Erzdiözese anbelangt, sind nach Schicks Worten inzwischen "alle aufgearbeitet".

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