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Obernsees
Kampfgeist

Michaela Grassinger trainiert für Paralympics

Michaela Grassinger aus Obernsees leidet nach einer Knieverletzung unter einem steifen Bein. Dennoch hat sie den Mut nicht aufgegeben und sich zu einer der besten deutschen Radfahrerinnen im Behindertensport entwickelt.
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Die 43-Jährige fährt auf jedem Gelände, fühlt sich aber in den Bergen am wohlsten. Foto: privat
Die 43-Jährige fährt auf jedem Gelände, fühlt sich aber in den Bergen am wohlsten. Foto: privat
Während im Jahr 1989 in Deutschland die Wende und die Einigung gefeiert wurden, war Michaela Grassinger eher weniger zum Jubeln zumute. Denn in diesem Jahr versteifte ihr rechtes Bein. "Ich bin in der Schule als junger Teenager von der Treppe geschubst worden. Dabei kam es zu einer Innenmeniskusverletzung", erinnert sich die heutige 43-Jährige. Danach wurde sie operiert und hierbei scheint einiges schief gelaufen zu sein. Es folgten 19 weitere Operationen, ehe ihr Bein letztendlich versteift werden musste.

Auch nach der Versteifung ihres Knies wollte Michaela Grassinger weiterhin Sport betreiben. Doch welchen? "Ich versuchte es mit Radfahren. Nach drei Kilometern jedoch habe ich das Rad wieder in die Ecke gestellt. Da ich nur mit dem einem Bein treten konnte, dachte ich, mir zerreißt es den linken Oberschenkel", berichtete sie. Auch hatte sie große Schwierigkeiten, beim Fahren das Gleichgewicht zu halten.
Doch trotz aller Schwierigkeiten hat sie die Faszination Rad nie ganz losgelassen. Schnell erkannte sie, dass Radfahren ein Sport ist, der relativ einfach und ohne große Hindernisse ausgeübt werden kann. "Du setzt dich einfach aufs Rad und fährst los. Skifahren beispielsweise ist viel umständlicher. Du musst erst in die Berge fahren."

Bis zu 140 Kilometer pro Tag

Seit Mitte der 90er-Jahre fährt sie nun konstant Rad - Rennrad oder Mountainbike - und trainiert regelmäßig nach einem strikten Trainingsplan. Dieser sieht vier Tage Training vor, danach ein Tag Ruhepause. Pro Tag legt sie dabei zwischen 80 und 140 Kilometer zurück. Ihr erstes Rennen absolvierte sie 1995. "Ich war damals zufällig im Zillertal, habe von dem Bergrennen erfahren und habe am Ende sogar in meiner Altersklasse den ersten Platz geholt, und dies, obwohl ich gegen Nichtbehinderte gefahren bin", schildert sie. Dadurch sei sie auf den Geschmack gekommen und nimmt seit 1999 regelmäßig in ganz Europa an Radrennen teil. Allerdings meistens nur noch an Rennen, die speziell für Menschen mit Behinderung ausgerichtet werden. Denn bei normalen Radrennen hätte sie gegen Sportler, die mit beiden Beinen in die Pedale treten, kaum eine Chance.

Ganz gleich, ob sie mit dem Rennrad fährt oder mit ihrem Mountainbike in abwegigem Gelände, am liebsten ist sie in den Bergen unterwegs. Schließlich ist sie in der Fränkischen Schweiz zu Hause und hat dort vor der Haustüre die besten Trainingsmöglichkeiten.

Inzwischen hat die leidenschaftliche Radfahrerin viele Siege eingefahren. Ihr bisher größter war Erfolg war die gewonnene Weltmeisterschaft im Mountainbiken im Jahre 2009. "Es war ein unbeschreiblich tolles Erlebnis damals. Ich hatte zunächst gar nicht registriert, dass ich Weltmeisterin geworden bin. Erst als ich auf dem Treppchen stand und die Nationalhymne gespielt wurde, begriff ich und war schlichtweg überwältigt."

Sie will 2016 nach Rio

Natürlich möchte sie auch heuer noch einmal den Weltmeistertitel angreifen. Aber ihr eigentliches Fernziel sind die Sommer-Paralympics 2016 in Rio de Janeiro. Denn bei den letzten Olympischen Spielen war es ihr nicht gelungen, sich zu qualifizieren. Diesmal jedoch wolle sie es schaffen. Dafür trainiert sie hart und nimmt regelmäßig an Wettrennen teil.

"Allerdings", so betont sie, "ohne den Verein Fides, der auf mich bei einem meiner regelmäßigen Aufenthalten im Klinikum am Michaelsberg aufmerksam wurde, und der mich seitdem finanziell unterstützt, wäre es mir nicht möglich, quer durch Europa zu reisen und an den zahlreichen Rennen teilzunehmen." Denn anders als im "normalen" Radsport gibt es bei den Radrennen mit Handicap keine Preisgelder. Und wenn, dann lägen sie unter 100 Euro, was kaum für die Reisespesen reichen würde. Zudem bekam Michaela Grassinger kürzlich von Fides ein neues Bahnrad finanziert, mit dem wird sie wohl auch bald neue Hallensiege einfahren.