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Bamberger Traditions-Metzgerei Lessner schließt - wie geht es weiter?

Die Bamberger Traditions-Metzgerei Lessner schließt ihre Filialen Ende dieses Monats. Peter Häfner aus Ebelsbach übernimmt die Geschäfte und den größten Teil der Beschäftigten - den Stammkunden verspricht er Beständigkeit.
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Immer gut besucht: Die Filiale mit Thekenverkauf in der Keßlerstraße in der Bamberger Innenstadt.  Foto: Sebastian Schanz
Immer gut besucht: Die Filiale mit Thekenverkauf in der Keßlerstraße in der Bamberger Innenstadt. Foto: Sebastian Schanz

Leberkäs-Liebhaber müssen jetzt ganz stark sein: Die Metzgerei Lessner, seit immerhin 80 Jahren eine Institution in Bamberg, schließt zum 31. März ihre Filialen. "Eingestellt wird die Produktion in Stegaurach und der angegliederte Verkauf ,Direkt ab Metzgerei'", bestätigt Geschäftsführer Dieter Köhler die Gerüchteküche. "Notwendige Investitionen und Neuausrichtung auf dem Markt sind wie so oft durch fehlenden Nachfolger und Fachkräftemangel nicht realisierbar", begründet er den Schritt. "Wir mussten schweren Herzens einen Schlussstrich ziehen", sagt seine Frau Christine, die das Traditionshaus in dritter Generation führte.

Ein Unterfranke übernimmt: Peter Häfner aus Ebelsbach will die vier Lessner-Filialen in der Keßlerstraße, der Memmelsdorfer Straße, im Ertl und im Kaufland in Trosdorf möglichst nahtlos weiterführen, wie er betont. Die Lessner-Filiale im Kaufland an der Brose-Arena ist schon seit Wochen geschlossen, hier steigt Häfner nicht ein. Ob der Standort in Pödeldorf bleibt, hänge von der Personalsituation ab.

"Die Lessner-Verkäuferinnen und auch die Metzger bleiben zum größten Teil erhalten, es gibt vereinzelte Wechsel, aber die meisten bleiben da", sagt der 42-Jährige. "Wir starten schon am 1. April. Kein Aprilscherz."

Häfner betreibt vom unterfränkischen Ebelsbach aus Filialen in Knetzgau, Haßfurt, Hofheim und Königsberg. Die Produktion hat das mittelständische Unternehmen 2009 in Ebelsbach auf der grünen Wiese neu errichtet. Bisher beschäftigt Häfner 30 Mitarbeiter. Nun kommen weitere 30 bis 35 dazu. Der Ebelsbacher Metzger verdoppelt also auf einen Schlag sein Unternehmen.

Beständigkeit versprochen

"Die Kunden sollen sich bei uns weiter wohlfühlen. Wir sind wie Lessner eine Handwerksmetzgerei mit überwiegend eigenen Produkten", sagt Häfner - und verspricht den Bambergern eine Extrawurst: "Zwetschgenbaames ist Kult, das gibt es bei uns in Unterfranken bisher nicht, wird es aber in Bamberg weiter geben." Geschmacklich werde es freilich teilweise auch in eine andere Richtung gehen. Doch der 42-Jährige versichert, dass er sensibel mit den Geschmäckern der Lessner-Kunden umgehen wolle. Bereits seit einiger Zeit können die Bamberger die Häfner-Konserven in Rewe- und Edeka-Supermärkten im Raum kosten. Und auch eine historische Anmerkung ist Häfner wichtig: Er stamme aus einer alten Gaustadter Familie - was man an der Häfnerstraße sehen könne.

Apropos Geschichte: Auf über 80 Jahre davon kann - konnte - die Metzgerei Lessner zurückblicken. Christian Lessner und seine Ehefrau Margarete haben sie 1938 im damaligen "Roten Ochsen" in der Oberen Königstraße gegründet. Im Zweiten Weltkrieg zog man in die Keßlerstraße, vergrößerte sich dort nach und nach. 1952 trat Sohn Herbert im elterlichen Betrieb in die Lehre, ehe Enkelin Christine weitermachte - zusammen mit ihrem Mann Dieter Köhler, der die Geschäftsleitung übernahm. Eine Fortführung in vierter Generation wird es nicht geben.

Nachwuchssorgen sind in der Branche keine Neuigkeit. Die Fleischerinnungen kämpfen landauf, landab mit vielen unbesetzten Ausbildungsstellen. Derweil findet eine Entwicklung hin zu größeren Metzgerfirmen statt, wie das deutsche Fleischerhandwerk berichtet. Während die Zahl der Betriebe bundesweit stetig sinkt, steigt der Umsatz.

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