Bamberg
Großunterkunft

Merkel soll von ihren Plänen für die Großunterkunft in Bamberg abrücken

Es ist ein Appell, der die Probleme beim Namen nennt. Bambergs OB fordert von den Jamaika-Verhandlern eine gerechtere Verteilung der Flüchtlinge.
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Eine Ausweitung der Flüchtlingsunterkunft auf 3400 Personen würde massive soziale Verwerfungen in Bamberg auslösen, sagt Bambergs OB Andreas Starke (SPD).  Ronald Rinklef
Eine Ausweitung der Flüchtlingsunterkunft auf 3400 Personen würde massive soziale Verwerfungen in Bamberg auslösen, sagt Bambergs OB Andreas Starke (SPD). Ronald Rinklef
Deutliche Worte aus Bamberg erhalten dieser Tage die Teilnehmer an den Sondierungsgesprächen der Jamaika-Koalition, unter anderen Bundeskanzlerin Merkel (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) fordert die Verhandlungspartner auf, für eine gerechtere Verteilung in der Flüchtlingsunterbringung zu sorgen.

Grundlage für den Appell sind die Erfahrungen aus Bamberg. Die fallen deutlich anders aus als die Vereinbarung am 8. Oktober 2017 nahelegt, in der sich CDU und CSU vor den Sondierungsgesprächen für die Unterbringung aller Flüchtlinge in so genannten Entscheidungszentren aussprachen. Wörtlich wurde Bamberg damals als Vorbild genannt.

Tatsächlich wirft die konzentrierte Unterbringung von über 1000 Menschen im Bamberger Osten schon heute jede Menge Probleme auf - noch weit vor dem Erreichen der Kapazitätsgrenze von 3400 Menschen. Starke spricht die Kritik des Bayerischen Flüchtlingsrats und kirchennaher Helferkreise an, die die konfliktreiche Unterbringung und den eingeschränkten Zugang zu den Flüchtlingen beklagen.

Auch die wegen der gestiegenen Kriminalität in der Bevölkerung wachsende Verunsicherung müsse zu einem Umdenken der Verantwortlichen des Bundes führen, hofft Starke. Er spricht von einer erheblichen Belastung der Stadt. Würde die Unterkunft auf ihre maximale Kapazitätsgrenze ausgebaut, was nicht auszuschließen sei, "drohen massive soziale Verwerfungen in der Stadt", fürchtet Bambergs Stadtoberhaupt.

Doch lassen sich Bundeskanzlerin Merkel und die anderen Verhandlungsführer tatsächlich noch einmal von ihrem eingeschlagenen Kurs und den Massenunterkünften nach Bamberger Vorbild abbringen? Spielen für sie die Belastungen in Städten wie Bamberg überhaupt eine Rolle?

Andreas Starke hat Hoffnung, dass nicht nur die Union ihre Verpflichtung erkennt, für eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge zu sorgen. Er nimmt auch die Vertreter der FDP und der Grünen in die Pflicht, die sich in Bamberg unisono für eine Obergrenze ausgesprochen hatten. Es sei deshalb völlig unangemessen, mittlere Städte mit der Aussicht zu konfrontieren, mehrere tausend Flüchtlinge aufnehmen zu müssen. Rücksichtsloser könne man mit einer Stadtgesellschaft nicht umgehen, erklärt Starke.

Einen ausführlichen Hintergrundbericht finden Sie hier. Dabei geht es auch um weiterreichende Forderungen aus Bamberg nach einem stufenweisen Rückbau der Aufnahmeeinrichtung.


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