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Politik-Karriere

Melanie Huml: Zwischen Spielplatz und Ministerium

Im Oktober vergangenen Jahres wurde Melanie Huml bayerische Gesundheitsministerin. Wir wollten wissen, wie der Alltag einer Ministerin ausschaut, und haben sie einen Tag lang begleitet.
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Ein derzeit eher seltener Anblick: Melanie Huml und ihr Mann Markus spielen mit Sohn Emanuel im Garten.  Fotos: RiegerPress
Ein derzeit eher seltener Anblick: Melanie Huml und ihr Mann Markus spielen mit Sohn Emanuel im Garten. Fotos: RiegerPress
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Der zweijährige Emanuel ist glücklich: Die Sonne scheint, er kann im Garten spielen und sowohl sein Vater als auch seine Mutter haben ausgiebig Zeit für ihn. Ausgelassen wird im Hause Huml gespielt; dabei geht es lustig zu und anschließend wird Kuchen geschlemmt. Doch Tage wie dieser sind derzeit eher selten im Leben der Gesundheitsministerin. Viel zu ausgebucht ist dafür ihr Terminkalender. Oftmals verlässt Melanie Huml früh das Haus und kehrt weit nach Mitternacht zurück. Wenn überhaupt: Denn hin und wieder bleibt sie gleich in München, wenn am nächsten Tag dort Termine anstehen.

"Dennoch", so betont Melanie Huml (CSU), "versuche ich, mir immer einen Wochentag für meine Familie freizuhalten". Ansonsten weiß sie ihren Sohn in guter Obhut. Ihr Mann sowie ihre Eltern und Schwiegereltern kümmern sich abwechselnd um den Zweijährigen, sodass sich Melanie Huml voll und ganz auf ihre Arbeit als Ministerin konzentrieren kann.

Büro mit vier Rädern

Apropos Arbeit. Wie schaut eigentlich ein Arbeitstag einer Ministerin aus? Eigentlich ist Melanie Huml viel lieber ein "Nachtmensch". Dennoch ist sie bereits um 6 Uhr morgens auf den Beinen. Ihr Sohn ist ebenfalls schon wach und freut sich auf ein gemeinsames Frühstück. Trotz aller Gemütlichkeit: Eine knappe Stunde später herrscht Aufbruchsstimmung. Der Chauffeur der Ministerin wartet schon, die letzten Akten werden in den kleinen, schwarzen Rollkoffer gepackt. Ein Küsschen für ihre beiden Männer - und ab geht es Richtung München. Um 10 Uhr steht eine dreistündige Kabinettssitzung auf dem Programm.

Während der BMW über die Autobahn rauscht, hat Melanie Huml im Heck des Wagens ihr "rollendes Büro" eröffnet. Die ganze Fahrt lang wälzt sie Akten, telefoniert oder macht sich Notizen. Erst als der Wagen vor der Staatskanzlei in München einfährt, werden die Unterlagen zugeklappt und im Koffer verstaut. Ein kurzer Blick in den Spiegel und ab geht es in den vierten Stock zur Kabinettssitzung.

Wir müssen leider draußen bleiben. Rund drei Stunden später öffnet sich die Türe wieder und eine gut gelaunte Gesundheitsministerin kommt zum Vorschein. Noch ein letztes Gespräch mit einigen Kabinettsmitgliedern, ehe es zwei Zimmer weiter geht. Dort steht gemeinsam mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer ein kurzer Pressetermin auf dem Programm.

Inzwischen geht es bereits auf 14 Uhr zu, an Mittagspause ist dennoch nicht zu denken. Mit dem Wagen geht es anschließend ins Gesundheitsministerium. Obwohl längst Ministerin, hat Melanie Huml hier noch immer ihr "altes Büro" aus Zeiten als Staatssekretärin. "Es macht jetzt auch keinen Sinn, die Zimmer zu tauschen, da das Gesundheitsministerium im Juli ausgelagert und in einem neuen Gebäude untergebracht wird", erläutert sie.
Inzwischen hat sie am Schreibtisch Platz genommen, die Sonne scheint hell durch die Glasfassade, die Türe steht offen und es herrscht ein reges Kommen und Gehen ihrer Mitarbeiter. Termine werden abgeklärt, Unterschriften müssen geleistet und jede Menge Unterlagen gesichtet und bearbeitet werden. War sie als Staatssekretärin "nur" Stellvertreterin eines Ministers, ist sie mittlerweile verantwortlich für rund 250 Mitarbeiter.

"Am Anfang hat es viel Zeit und Energie gekostet, ein neues Ministerium aufzubauen. Jetzt denke ich aber, es läuft alles ganz gut", so Huml. Die Mitarbeiter seien eingespielt und die Aufgaben definiert. Aber auch die Ministerin fühlt sich im Bereich Gesundheit und Pflege gut aufgehoben, nicht zuletzt wegen ihrer Approbation zur Ärztin. Dadurch kenne sie beide Seiten und wisse von den Sorgen und Problemen. Zudem sei das Gesundheitsministerium, obwohl zu den kleineren gehörend, kein unwichtiges. Es betreffe schließlich mehr oder weniger jeden.

Doch viel Zeit zum Plauschen bleibt nicht. Der nächste Termin wartet. Melanie Huml muss ein paar Türen weiter und im Konferenzraum der Presse den neuen Patientenbericht vorstellen. Die Pressekonferenz mit Interviews und Fotos dauert etwas mehr als eine Stunde. Die Zeit wird knapp. Denn schon wartet die nächste Journalistin zum Interview.

Ein Blick auf die Uhr verrät, nachdem alle Fragen beantwortet sind und die Redakteurin einer Tageszeitung das Ministerium wieder verlassen hat, dass es bereits auf Abend zugeht. Erst jetzt ist kurz Zeit für eine Tasse heiße Schokolade und ein paar Kekse. "Man muss schon aufpassen, dass man sich nicht allzu ungesund ernährt oder gar das Essen vergisst", erzählt sie. Doch manchmal bleibe schon Zeit für einen Besuch der Kantine oder für einen Salat zwischendurch.

Elf Stunden und noch ein Termin

Inzwischen ist es kurz vor 18 Uhr geworden und die Ministerin hat elf Stunden Arbeit hinter sich. Doch noch ist der Feierabend nicht in Sicht. Ein letzter Termin steht auf dem Programm. Auch ist der Rollkoffer wieder prall gefüllt worden mit neuen Akten. Noch ein paar Gespräche mit ihren Mitarbeitern und weiter geht es zu einem abendlichen Empfang des Beamtenbundes.

Gegen 20.30 Uhr und unzählige Gespräche später fährt der BMW wieder Richtung Heimat. Obwohl es mittlerweile stockdunkel ist, das Innere des Fahrzeuges ist hell erleuchtet. Die Ministerin hat sich wieder in ihr "Büro" zurückgezogen und ist völlig in Arbeit abgetaucht.

Kurz vor Mitternacht erreicht die Ministerin Bamberg und ein langer Arbeitstag neigt sich dem Ende zu. Doch viel Zeit zum Ausruhen bleibt nicht. Bereits in wenigen Stunden wartet der nächste Arbeitstag - und der wird sicherlich nicht weniger arbeitsintensiv.

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