Bamberg
Interview

Mehr Soziales wagen

Stephan Kettner, der OB-Kandidat der Bamberger Linken, fordert unter anderem mehr bezahlbare Wohnungen und ein wirkliches Umdenken angesichts des Klimawandels.
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Auch Stephan Kettner musste sich vor dem eigentlichen Interview einem kleinen Bamberg-Quiz stellen, die Fragen stellte jeweils Redaktionsleiter Michael Memmel. Foto: Ronald Rinklef
Auch Stephan Kettner musste sich vor dem eigentlichen Interview einem kleinen Bamberg-Quiz stellen, die Fragen stellte jeweils Redaktionsleiter Michael Memmel. Foto: Ronald Rinklef

Er hat sich für Flüchtlinge, Behinderte und Jugendliche engagiert, war Entwicklungshelfer in Ecuador und betreut nun hauptberuflich Regionalgruppen der globalisierungskritischen Organisation Attac. Untätigkeit kann man Stephan Kettner, dem OB-Kandidaten der Bamberger Linken Liste (BaLi) sicher nicht vorwerfen, Entspannung findet der Bassist der Band "Delikatessen" in der Musik.

Im FT-Interview beschreibt der 49-jährige Sozialpädagoge, warum Bamberg für ihn auch linke Politik braucht, weshalb er kein Grüner geworden ist und warum die derzeitige Sozialklausel die Bamberger Wohnprobleme nicht löst. Das sagt der Bewerber um den Spitzenposten über... ...seine Kandidatur: Im Oktober hatte sich die BaLi noch gegen einen eigenen OB-Kandidaten entschieden. Nach langer Diskussion habe man es sich aber anders überlegt, weil laut Kettner im übrigen Bewerberfeld wirklich linke Politik fehlte. Für ihn war mitentscheidend, dass auf dem derzeitigen Solawi-Gelände das neue Zentrum der Handwerkskammer entstehen soll - und die Betroffenen einfach übergangen worden seien. "Hier werden drei Hektar biozertifizierte Fläche einfach so mal so zugepflastert, ohne transparent zu machen, was es noch für Alternativen gibt." Und auch die Grünen im Stadtrat hätten das mit abgesegnet. ...linke Politik: Der BaLi-Kandidat will die kommunale Daseinsfürsorge, Bildung, Gesundheit, Verkehr, Wasserversorgung "nicht den Profitinteressen eines Marktes überlassen". Soziale Themen müssten für ihn eine noch viel größere Rolle in der Stadt spielen, weniger Privilegierte an allen Bereichen des täglichen Lebens teilhaben können. "Aber wir bekommen nicht einmal die 7500 Euro Haushaltsmittel für die Erstellung eines Sozialtickets bewilligt."

Der Bundespartei "Die Linke" gehört Kettner nicht an. Denn "ich habe keine Lust, mich für die Bundespolitik einer Partei rechtfertigen zu müssen - und für Machtspiele um Posten bin ich auch nicht so der Typ".

Mit den Grünen sieht der in Münnerstadt geborene 49-Jährige Schnittmengen, aber bei bestimmten Themen wie dem sozialen Wohnungsbau oder in der Ablehnung des Ankerzentrums "sind wir als BaLi noch ein bisschen klarer für benachteiligte Menschen unterwegs".

Wenn zum Beispiel Investoren für Teile der Lagarde gesucht werden, spielt für Kettner eine gute Sozialklausel die entscheidende Rolle. "Wir wollen das steuern und nicht einfach alles privatisieren. Es gibt andere Möglichkeiten, wie wir bauen und Wohnraum selbst gestalten können." ...bezahlbares Wohnen: Kettner hält es für überhaupt nicht ausreichend, was die Stadt Bamberg in Sachen sozialer Wohnungsbau macht. "Eine Sozialklausel von 20 Prozent der Wohnungen ist eigentlich ein Witz für den Bedarf, den wir haben. Aber wenn wir 30 Prozent fordern, dann sind die anderen gleich weg." Und wenn nach zehn oder 20 Jahren die Sozialklausel wegfalle, würde auch für diese Wohnungen der freie Markt gelten. ...Kultur: Der BaLi-Vertreter sieht in Bamberg einen ganz klaren Schwerpunkt auf der Hochkultur mit Symphonikern und dem E.-T.-A.-Hoffmann-Theater. "Aber es gibt noch so viel mehr im Bereich Theater oder Musik, ein Potenzial an Menschen, die was bewerkstelligen - das muss ich doch unterstützen." Das Kesselhaus sei ein guter Anfang, bis hingegen auch ein Kulturquartier Lagarde genutzt werden könne, vergehen laut Kettner "bestimmt noch zehn Jahre". ...den Klimawandel: Kettner erkennt für Bamberg schon jetzt "wahnsinnige Herausforderungen durch den Klimawandel", wie sterbende Bäume im Hain und Grundwasserprobleme, die ein wirkliches Umdenken erforderten. Wer zum Beispiel wirklich ein plastikfreies Bamberg wolle, dürfe nicht nur Kaffeebecher ersetzen: "Wir müssen genau schauen, was in unserem Alltag alles aus Plastik ist und was auch alternativ zu haben wäre."

Eine mehr oder weniger autofreie Innenstadt ist für den BaLi-Bewerber keine Utopie, denn "die Blechlawinen durch die Sandstraße oder durch die jetzige Fußgängerzone wünscht sich ja heute auch keiner mehr zurück".

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