Bamberg
Natur

Mehr Mücken auf Blutsuche in Bamberg?

Es scheint mehr Mücken zu geben als 2018. Oder ist das nur ein Gefühl? Dazu äußern sich Kellerbetreiber, Bademeister, Gartenamt und Naturschützer.
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Srechmücken-Weibchen saugen mit einem hochspezialisierten Stechrüssel aus feinen Blutgefäßen in der Haut.  Foto: Foto: Patrick Pleul/dpa
Srechmücken-Weibchen saugen mit einem hochspezialisierten Stechrüssel aus feinen Blutgefäßen in der Haut. Foto: Foto: Patrick Pleul/dpa

Auf dem rechten Bein krabbelt eine Ameise, auf dem linken landet ein Falter. Am rechten Arm setzt eine Mücke zum Stechen an, am linken juckt es bereits. Auf dem Rückweg vom See klatschen dem Fahrradfahrer massenweise Flugtiere ins Gesicht, bis die Augen anschwellen. Schnell kommt die Vermutung auf: Das sind viel mehr "Viecher" als im vergangenen Jahr! Aber stimmt das auch? Oder liegt es nur daran, dass es schon so lange her ist, seit die Bamberger bei warmen Temperaturen viel Zeit im Freien verbracht haben?

Tipps von der Bademeisterin

"Also bis jetzt ist alles gut bei uns, alles wie immer", beruhigt Katharina Löhr vom Spezial-Keller die Bamberger, die ihren Feierabend gerne bei einem kühlen Seidla im Schatten verbringen wollen, ohne dabei von Mücken belästigt zu werden. Und beim Baden? "Die Kollegen haben keinen signifikanten Anstieg von Mücken im Hainbad festgestellt", sagt Astrid Rosenberger von den Stadtwerken. Allerdings wissen die Bademeister auch deshalb nicht von einem Anstieg zu berichten, "weil Mücken vor allem in den Abendstunden kommen, wenn die Bäder schließen." Abends am See könnte es also anders aussehen. Rosenberger gibt auch gleich einen Profitipp der Bademeister: "Grundsätzlich rüsten sich die Kollegen mit Sonnenmilch aus. Denn mittlerweile gibt es auch welche mit Insektenschutz." Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, sozusagen. Aber gibt es nun mehr Mücken?

"Das kann man pauschal nicht sagen", sagt Jürgen Gerdes, vom Bamberger Umweltamt. Weil der Mai in diesem Jahr aber recht feucht war, könne es durchaus mehr Mücken, Zecken und Bremsen geben als im Vorjahr. Das bestätigt auch Martin Bücker, Vorsitzender des Bund Naturschutz Bamberg: "Mehr Feuchte bringt verbesserte Vermehrungsbedingungen." Für eine fundierte Aussage über die Anzahl der Mücken sei es aber noch zu früh.

Schließlich findet sich doch noch eine Mücken-Expertin, die das Gefühl auch bestätigen kann: "Ja, es gibt in diesem Sommer deutlich mehr Mücken als in den vergangenen zwei Jahren", bestätigt Melanie Chisté, Insekten-Expertin beim LBV Hilpoltstein. Ganz einfach deshalb, weil die vergangenen Sommer sehr trocken waren und dieses Jahr zumindest der Mai genug Feuchtigkeit bot. Das begünstigt unter anderem die in Deutschland häufigste Stechmücke, die Aedes vexans, die zu den "Überschwemmungsmücken" gehört. Bei diesen Arten legt das Weibchen die Eier in gewässernahen Boden. "Die Mücken schlüpfen nur, wenn der Boden überschwemmt wird", erklärt Christé. Und weil das Mai im Regnitzland oft passierte, haben wir nun tatsächlich mit ungewohnten Stechmücken-Massen zu kämpfen.

Bleibt die Frage: Welche "Viecher" zählen überhaupt als Mücken? Biologe Gerdes vom Gartenamt erklärt: "Mücken und Fliegen gehören zu den Zweiflüglern. Bremsen sind Fliegen, keine Mücken. Die meisten stechenden Zweiflügler sind Mücken - aber nicht alle Mücken stechen. Im Fränkischen ist eine ,Mugg' aber keine Mücke, sondern eine Fliege. Also ganz schön verwirrend."

Warum stechen Mücken und wie kann man sich schützen?

Warum stechen Mücken? Stechmücken beiderlei Geschlechts ernähren sich von zuckerhaltigen Pflanzensäften. Zur Eireifung benötigt das Weibchen allerdings eine proteinreiche Ernährung. Die holt es sich, indem es Blut saugt. Nicht alle Mücken stechen bevorzugt den Menschen - viele saugen lieber an anderen Wirbeltieren, wie Vögeln oder sogar Reptilien und Amphibien. Stechmücken-Männchen saugen niemals Blut.

Was passiert beim Stich? Mit einem hochspezialisierten Stechrüssel, der sich aus verschiedenen lanzettartigen Werkzeugen zusammensetzt, sticht die Mücke in feine Blutgefäße in der Haut - vorzugsweise in der Dämmerung oder nachts. Sie saugt nicht nur Blut, sondern gibt auch Speichel ab. Substanzen im Speichel erweitern die Blutgefäße, hemmen die Blutgerinnung und betäuben. Erst nach dem Stich erkennt das Immunsystem den Speichel und löst eine Gegenreaktion aus: Quaddeln und Jucken. Mit dem Speichel können Krankheitserreger übertragen werden, falls die Mücke infiziert war.

Wie schützt man sich? Lange Kleidung, Mückenschutz (Repellentien) und Moskitonetze sind bewährte Mittel, um sich auch im Sommer in feuchten Wäldern, in der Dämmerung und nachts im Freien aufhalten zu können. Falls Sie im Garten oder in der Wohnung von Mücken geplagt werden, sollten Sie Regentonnen und Wassergefäße abdecken, um die Blutsauger nicht selbst zu züchten. Weil die Larven sich über längere Zeit entwickeln, reicht es, alle Wassergefäße einmal pro Woche zu entleeren.

Was tun gegen Stiche? Oberstes Gebot ist: nicht kratzen! Durch das Kratzen verlängert sich nicht nur der Heilungsprozess, sondern es kann auch zu bakteriellen Infektionen kommen, die sich zu Entzündungen entwickeln können. Durch Einreiben mit alkoholischen Lösungen kann man die Stichwunde desinfizieren. Kühlung und punktuelle Hitze helfen, den Juckreiz zu unterdrücken.

Quelle: www.mueckenatlas.com

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