Hallstadt
Gemüse des Monats

Mehr mmmh, als man denkt: Spinat

Die grünen, zarten Blätter, die leicht zwischen den Zähnen knirschen, gelten als ein Hass-Gemüse bei Kindern. Oder doch nicht?
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Diese grüne Überraschung war gelungen. Vom Obst-Gemüse-Mixgetränk blieb fast nichts übrig. Sabine Christofzik
Diese grüne Überraschung war gelungen. Vom Obst-Gemüse-Mixgetränk blieb fast nichts übrig. Sabine Christofzik
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Der beste Propagandist für Spinat ist fast in Vergessenheit geraten. Welches Kind kennt heutzutage noch Popeye, den freundlichen Seemann mit dem harten Schlag? Immer wenn es brenzlig wurde und er jemanden verhauen musste, um dem Guten zum Sieg zu verhelfen, hat der Comic-Held erstmal eine Dose Spinat geleert. Auf ex.

Ob die Ganztagsschüler an der Hallstadter Hans-Schüller-Schule am Mittwoch der vergangenen Woche mit Superkräften ausgestattet ihren Nachmittag verbracht haben?

Das ist nicht überliefert. Verbürgt dagegen ist, dass das eigens für unsere Monats-Gemüse-Serie in der Mensa arrangierte Spinat-Special keine langen Gesichter hervorgerufen hat. Im Gegenteil!
"Komplett abgeräumt haben sie", freut sich ein Mitglied des vierköpfigen Küchenteams, als der mittägliche Rummel vorbei ist und deutet auf den Platz, wo die Platten mit Spinat-Lachsröllchen-Happen gestanden haben. Vom Obst-Spinat-Smoothie sind ganze zwei Gläser übrig geblieben.


Ausgerechnet am Pizza-Tag!

Ist Spinat nun ein Hass-Gemüse, oder nicht? Das findet man am besten dort heraus, wo viele Kinder gemeinsam essen. Rektor Heinz Jung hatte lediglich um etwas Vorlaufzeit gebeten. Denn so eine Änderung im Speiseplan muss abgesprochen und vorbereitet werden.

Auch die Schüler hat der "Chef" der Bildungseinrichtung selbst informiert und ist durch alle Klassen gegangen. Schließlich stellen sich die Kinder durch ihre Auswahl zwischen zwei täglichen Hauptgerichten schon eine Woche vorher darauf ein, was sie essen werden.

"Au weh, das gibt Ärger, habe ich mir gedacht", berichtet er lachend. "Ausgerechnet der Pizza-Tag sollte dafür ausfallen. Aber es war schon mal eine gute Gelegenheit, Meinungen zum Thema Spinat zu sammeln. Überraschend, dass in den Jahrgangsstufen 5 bis 7 etwa die Hälfte der Kinder gesagt hat, dass sie gern Spinat essen. Bei den Älteren sah das ein bisschen anders aus."

Noch mal herumfragen, das würde jetzt keine wesentlich anderen Erkenntnisse bringen. Also lieber zuhören und zuschauen.


Bis zu 350 Portionen

120 Schüler verköstigt das Köchinnenteam an vier Tagen in der Woche. Freitags gehen die Ganztagsschüler zeitiger heim. Gekocht wird aber auch am Freitag für die fünf Kindertagesstätten, die ihre Mahlzeiten von der Schul-Mensa beziehen.

"Je nachdem, wie viele Essen von dort bestellt werden, verlassen bis zu 350 Portionen am Tag unsere Küche", sagt Heinz Jung. Gemüse als wichtiger Teil der gesunden Ernährung ist fast immer dabei. Jeden Tag gibt es für die Mensa-Esser eine Auswahl von ein bis zwei angemachten Salaten sowie Salatkomponenten zum Selbstzusammenstellen.


"Wir kochen frisch"

"So frisch wie möglich kochen, mit so vielen regionalen Zutaten wie möglich, das ist das Ziel, das wir uns setzen", erklärt Mensabeauftragte Elfriede Gunnermann, Fachlehrerin für Ernährung und Gestaltung. "Wir richten uns nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Die Schüler geben uns viele Rückmeldungen und wir holen immer wieder auch Informationen ein, was denn auf dem Speiseplan stehen soll. Natürlich können es nicht immer Burger, Currywurst, Pommes und Pizza sein, wie es viele Kinder gern hätten. Aber ab und zu gibt es das doch mal.

Die Einsicht, dass man auch isst, um gesund zu bleiben, soll schon im Unterricht reifen. Wir wollen mit dem Mensa-Essen das Thema Gemüse näher an die Schüler herantragen. Das sind nicht alle so gewöhnt."

Rektor Jung lässt sich an der Essens-Ausgabe einen Teller mit Spinat-Lasagne reichen. "Es kommt immer auf die Darreichungsform von Gemüse an".


Jeden Tag eine Veggie-Option

An dieser dürften auch Grünzeug-Skeptiker nichts auszusetzen haben. Neben dem knusprig überbackenen Ofengericht (die vegetarische Option an diesem Tag) gibt es Bandnudeln mit Blattspinat, einer cremigen Soße und Räucherlachsgarnitur.

Bei schönem Wetter können die Schüler ihr Mittagessen in einem kleinen Innenhof unter freiem Himmel verzehren. Bei zwei Mädchen am Tisch ist noch Platz für zwei Lehrkräfte und einen Presse-Gast. Die Heranwachsenden sitzen vor sparsam gefüllten Glasschälchen: Gurkenscheiben, Tomatenschnitze, Salatblätter. Auch in Ordnung. Besser als gar nichts essen.

Am Nebentisch wird mit Genuss gespeist. "Es denken ja welche, dass das voll eklig schmeckt. Spinat. Aber das ist nicht so", ist von dort zu vernehmen. "Haben Sie's gehört?", schmunzelt Elfriede Gunnermann.

Die fünf Buben sind so mit dem Essen und ihren Tischgesprächen beschäftigt, dass diese Bemerkung garantiert nicht "auf Schau" für den Erwachsenen-Tisch gedacht war.


Viel Lob für den grünen Trank

Vor allem der Obst-Spinat-Smoothie wird gelobt. "Den könnte es ruhig öfter geben". Isajah macht Nägel mit Köpfen. "Ich gehe mir jetzt das Rezept holen", kündigt er an und marschiert Richtung Essensausgabe.

Die jungen Herren haben ihre Mahlzeit beendet. Einer trägt vier leere Gläser auf seinem Tablett weg. "Freund, du springst doch heute Nachmittag vor Energie", sagt Heinz Jung augenzwinkernd.


Starke Esser dabei

"Bei uns kann sich jeder Nachschlag holen. Wenn er will, auch mehrmals. Wir haben im Mittelschul-Verbund Oberes Maintal - mit Oberhaid und Bischberg - die rotierende zehnte Klasse. Das heißt, alle drei Jahre wird sie bei uns unterrichtet. Da sind dann richtig starke Esser dabei. Satt gekriegt haben wir sie bisher alle."

Und auch für neue Ess-Erlebnisse gesorgt. "Ein Mädchen, das eine Scheibe rote Beete auf seinem Teller hatte, sie mit der Gabel hin und her schob und anpiekste, fragte mich mal, ob das Blutwurst sei. So richtig geglaubt hat sie's wohl aber erst ihren Mitschülern, die ebenfalls versicherten, dass es sich nicht um Fleisch handelte. ,Schmeckt ja gar nicht mal so schlecht', lautete dann das Urteil."


Rezept für den Obst-Gemüse-Smoothie

Hier ist das Rezept für den Obst-Gemüse-Smoothie, der die Hallstadter Schüler so überrascht hat. Die Menge reicht für vier kleine Gläser.

150 Gramm Blattspinat, eine Banane, einen Apfel, 150 ml Orangensaft, den Saft einer halben Zitrone und etwas Honig im Mixer pürieren. Eventuell mit einem Schuss Mineralwasser aufgießen.


Gartenexperte Jupp Schröder über das Frühjahrsgemüse Spinat:


Steckbrief Wegen seiner Anspruchslosigkeit ist der Spinat das erste Gemüse, das im neuen Gartenjahr geerntet werden kann. Auch die unkomplizierte Kultur macht den Spinat interessant für den Hobbygärtner. Es gibt viele verschiedene Sorten.

Inhaltsstoffe Spinat ist reich an den Vitaminen der B-Gruppe sowie Vitamin C ist, hat außerdem einen hohen Beta-Carotin-Gehalt (Vorstufe von Vitamin A). Das grüne Blattgemüse versorgt den Körper zudem mit den Mineralstoffen Kalium, Kalzium, Magnesium und Eisen. Spinat sollte allerdings nicht im Übermaß genossen werden, da er viel Oxalsäure enthält, die Kalzium bindet.

Anbau im Garten Der Aussaattermin für die Frühsommerernte ist noch bis Ende des Monats möglich. Die Kulturzeit bis zur Ernte beträgt sechs bis acht Wochen. Die ideale Keimtemperatur liegt bei etwa 10 bis 15 Grad. Wenn der Boden zu warm kann eine Keimhemmung auftreten. Deshalb ist ein Sommeranbau nicht ratsam. Erst im Herbst bei kühleren Temperaturen keimt und wächst der Spinat wieder zügig. Von Mitte September bis Mitte Oktober gesäter Spinat kann im April geerntet werden.

Die Ernte beginnt etwa fünf Wochen nach der Aussaat. Es lassen sich sowohl vereinzelte Blätter ernten als auch selektiv die ganzen bestentwickelten Pflanzen samt einem kurzen Wurzelanteil. So können sich schwächere Pflanzen laufend weiterentwickeln. Die Erntezeit wird dadurch um etwa drei Wochen verlängert. Spinatpflanzen sollten nicht bei feuchtem oder heißem Wetter geerntet werden, da sie dann schnell welken.

Sommer-Alternative Der Neuseeländer Spinat ist in den Sommermonaten ein guter Ersatz. Er stellt aber höhere Ansprüche an den Boden und liebt die Wärme. Häufiger als die direkte Aussaat erfolgt der Anbau mit vorkultivierten Jungpflanzen. Diese werden im April, am besten je zwei Samenkörner, in Töpfe ausgesät. Die Auspflanzung erfolgt dann nach den Eisheiligen.

Der Neuseeländer Spinat hat einen großen Platzbedarf von etwa 50 mal 80 Zentimeter. Die langen Triebe wachsen auf dem Boden dahin. Es werden hier nur die Blätter und die jungen fleischigen Triebspitzen geerntet.

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