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Mehr Hitze oder Abkühlung? Der Sommer 2018 befindet sich am Scheideweg

Der Wetterverlauf seit April hat Bamberg mit einer einzigartigen Zahl von Sommertagen verwöhnt. Doch nun scheint der Trend zur Hitze erst einmal gebrochen.
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Für viele Obst- und Gemüsesorten war 2018 ein außergewöhnliches Wachstumsjahr.  Auch in der Alten Hofhaltung haben die Früchte der beiden Walnussbäume bereits eine beachtliche Größe erreicht.  Rinklef
Für viele Obst- und Gemüsesorten war 2018 ein außergewöhnliches Wachstumsjahr. Auch in der Alten Hofhaltung haben die Früchte der beiden Walnussbäume bereits eine beachtliche Größe erreicht. Rinklef
Es gab Jahre, in denen die von Spätfrösten zerzausten Walnussbäume Anfang Juni gerade zum zweiten Mal ausschlugen. Heuer ist das diametral anders: Noch hat der kalendarische Sommer nicht begonnen - und die Walnüsse hängen bereits prächtig gewachsen am Baum. Das Zeichen in der Natur spiegelt sich auch in der Statistik wider: Der Wetterverlauf hat Bamberg in diesem Frühjahr mit einem Maß an Wärme verwöhnt, nach der man in der Wettergeschichte der Stadt lange suchen muss: 31 Tage über 25 Grad, so genannte meteorologische Sommertage, wurden an der Wetterwarte des Deutschen Wetterdienstes in der Südflur bis Anfang der Woche gemessen. Drei Mal erreichte das Quecksilber gar die 30-Grad-Marke, was immerhin drei so genannten Tropentagen in den ersten Frühlingsmonaten entspricht.

Auch wenn in den vergangenen Tagen immer wieder Unwetterwarnungen ausgegeben wurden - jene Gärten, die vom Hagel verschont blieben, präsentieren sich Mitte Juni in einer Fülle, wie es nicht jedes Jahr der Fall ist. Das zumindest ist die Beobachtung von Andreas Schmitt, dem Leiter des Gemüsebauversuchsbetrieb in Bamberg. Unter den tropischen Bedingungen der letzten Wochen haben Rettich und Co. gewissermaßen den Turbo gezündet und sind in der halben Zeit zur vollen Größe herangereift.

Auch die Besitzer von Obstbäumen können sich heuer mehrheitlich freuen. Denn nach einem feuchten Winter, in dem sich die Sonne vergleichsweise selten blicken ließ, fielen Spätfröste heuer ausnahmsweise aus. Folge: Der Tisch ist mit Kirschen und anderem Frühobst so reich gedeckt, dass die Preise auf den Märkten sogar unter Druck geraten sind.

Auffällig am diesjährigen Wettergeschehen ist die völlig unterschiedliche Verteilung der Feuchtigkeit: So registrierte der Deutsche Wetterdienst mit Hilfe seiner engmaschigen Rastermessung in Orten wie Scheßlitz, Pommersfelden oder Wattendorf Niederschläge von knapp 25 Millimetern pro Quadratmeter in den letzten zehn Tagen, während in Bischberg, Bamberg oder Hallstadt zwischen 45 und 50 Liter auf dem Quadratmeter gefallen sind - weshalb dort auch kaum über Trockenheit geklagt werden kann.

Der Schuldige für diese Zweiklassen-Gesellschaft ist schnell gefunden: Die Luftdruckverteilung zwischen dem zuletzt lange ortsfesten Skandinavienhoch und einem über Südwesteuropa liegenden Gewittertief verhinderte die sonst üblichen Frontdurchgänge von Nordwest nach Südost und ließen
statt dessen schwer berechenbare einzelne Gewitterzellen in die Höhe schießen.

Glaubt man den Prognosen für die nächsten Tagen, so scheint dieser Trend nach zehn ungewöhnlich sonnigen Wochen nun erst einmal gebrochen. Gut möglich, dass sich die Strömungsrichtung langfristig umdreht und der Sommer 2018 nicht mehr zu seiner Frühform zurückfindet. Diplommeteorologe Dominik Jung vom Wetterdienstleister wetter.net ist allerdings nicht so pessimistisch. Für die nächsten Woche kündigt er den Übergang zu einer "angenehmen und freundlichen Sommerwetterlage" ohne extreme Temperaturspitzen und ohne hohe Starkregenwahrscheinlichkeit an. Die Umkehrung zu einer kühlen Sommerperiode sei derzeit ebenso wenig in Sicht wie ein Fortdauern der bisherigen außergewöhnlich heißen Wettersituation. Damit ist Mitte Juni alles offen. Ob der Juni nach dem April und dem Mai tatsächlich der dritte Rekordmonat in Folge wird, wie einige bereits mutmaßen, muss abgewartet werden. Bislang liegt das Temperaturmittel im Juni 2018 in Bamberg bei mediterranen 21 Grad - vier Grad mehr als im Mittel.


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