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Bamberg
Interview

Mehr Einheimische als Touristen kommen ins neue Zentrum

Die Leiterin des Zentrums Welterbe Bamberg, Patricia Alberth, zieht eine positive erste Zwischenbilanz nach einem halben Jahr Besucherzentrum an den Unteren Mühlen. Auch viele Bamberger vertieften dort ihr Wissen über die Stadt.
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Patricia Alberth im Bamberger Welterbe-Besucherzentrum. Die Hörstation "Heinrich und Kunigunde" im Hintergrund zählt zu den beliebtesten Teilen der Ausstellung. Foto: Stefan Fößel
Patricia Alberth im Bamberger Welterbe-Besucherzentrum. Die Hörstation "Heinrich und Kunigunde" im Hintergrund zählt zu den beliebtesten Teilen der Ausstellung. Foto: Stefan Fößel

Auch an einem nebligen Novembermittag laufen Gäste durch die Ausstellung des neuen Welterbe-Besucherzentrums. Ein Stockwerk drüber hat Patricia Alberth ihr Büro mit Blick aufs Brückenrathaus. Im Interview berichtet sie von mehr als 30 000 Besuchern im ersten Halbjahr - und erklärt, warum sie auch junge Leute für das kulturelle Erbe begeistern möchte.

Wie fällt Ihre erste Zwischenbilanz für das neue Besucherzentrum aus?

Alberth: Durchweg positiv, das neue Haus wird sehr gut angenommen. Während der ersten sechs Monate konnten wir durchschnittlich stolze 4900 Besucher pro Monat verzeichnen. Mit den verkürzten Winteröffnungszeiten liegen wir immer noch bei der Hälfte. Jede Woche finden zudem mehrere Führungen statt.

Viele Bambergerinnen und Bamberger sind neugierig, was wir hier auf die Beine gestellt haben. Oft trifft man Großeltern, die ihren Enkeln anhand der Ausstellung etwas über die Vergangenheit erzählen oder Bamberger, die ihren Gästen dort die Stadt erklären. Auch die Unesco hatten wir mit einem internationalen Workshop schon im Haus. Touristen kommen weniger als erwartet ins Haus. Das liegt aber auch daran, dass wir kaum Werbung machen. Dafür haben wir gar keinen Etat.

Wer also glaubte, es handle sich nur um ein weiteres Touristenangebot, lag völlig falsch?

Das Besucherzentrum ist ein Angebot für alle, die sich für Bamberg interessieren. Die Ausstellung wurde bewusst einladend gestaltet. Gleichzeitig haben wir tiefergehende Informationen eingearbeitet, so dass man meist länger verweilt als gedacht - gerade als Bamberger. Der Welterbetitel der Unesco ist kein Tourismussiegel. Es geht um viel mehr als um ein "Who is who" der Weltkultur. Die Welterbekonvention ist ein Instrument für Völkerverständigung und internationale Zusammenarbeit.

Natürlich nutzt der Tourismus das Welterbe für seine Zwecke. Aber im Zentrum Welterbe sitzen keine Touristiker. Wir dienen vielmehr als Schnittstelle und stimmen die Umsetzung der Unesco-Welterbekonvention vor Ort ab. Im Fokus aller Aktivitäten steht der Erhalt des außergewöhnlichen universellen Wertes des Welterbes "Altstadt von Bamberg", der auf dem Grundriss und der Architektur des mittelalterlichen und barocken Bambergs basiert.

Wir nehmen Stellung bei Entwicklungen, die den Welterbestatus gefährden können, setzen uns für den urbanen Gartenbau in Bamberg ein und initiieren Partnerschaften, um das Welterbe möglichst vielen Menschen zu vermitteln. Hier arbeiten wir auch mit Schulen zusammen, bieten Führungen für Kinder und Jugendliche an und kommunizieren Welterbethemen in den sozialen Medien.

Warum ist das nötig?

Wenn es uns heute nicht gelingt, junge Menschen für ihr kulturelles Erbe zu begeistern, haben wir übermorgen niemanden, der für das Thema brennt und der sich einsetzt, dass historische Strukturen, historische Bausubstanz erhalten wird.

Was spiegeln Ihnen die Besucher?

Viele sind überrascht, wie zeitgemäß das Welterbe in der Ausstellung daher kommt. Wenn Kinder mit ihren Schulklassen kommen und im Anschluss auch ihre Eltern hierher bringen, haben wir etwas richtig gemacht. Davon zeugen auch die zahlreichen Delegationen aus dem In- und Ausland, die sich das Besucherzentrum bereits angesehen haben.

Was sind die Publikumsrenner?

Das Stadtmodell, auf das unterschiedliche Zeitschichten und Animationen zu Bambergs Geschichte projiziert werden, spricht sehr viele an. Die Hörstationen machen neugierig, vor allem der Dialog von Heinrich und Kunigunde. Bei Kindern sind die Spielstationen besonders beliebt, der Pflanz-O-Mat oder der Barock-O-Mat. Das verteilt sich also ganz gut.

Investoren können einer Stadt wichtige Impulse geben, sie können aber auch das Erbe vernachlässigen. Wie geht man damit um?

In meiner letzten Position bei der Unesco ist in Großbritannien ein Investor auf mich zugekommen und hat gefragt: "Wie viele Arbeitsplätze muss ich schaffen, damit ich direkt am Welterbe ein Hochhaus bauen kann?" So ein Kuhhandel funktioniert im Welterbe nicht! Wir haben uns mit einem internationalen Vertrag zum Erhalt unseres Erbes verpflichtet und auch das schafft Arbeitsplätze. Auch eine Welterbestadt kann sich weiterentwickeln. Das zeigen gerade die Unteren Mühlen mit dem Nebeneinander von historischer Bausubstanz und moderner Architektur. Hier ist ein reizvoller Spannungsbogen entstanden.

Was wünschen Sie sich für die nächsten sechs Monate?

Ich wünsche mir weiter regen Zulauf und die Nutzung unserer Angebote. Besonders freue ich mich auf die Schulklassen, die wir in den nächsten Monaten begrüßen dürfen. Unter Touristen ist das Besucherzentrum noch ein Geheimtipp, aber in den kommenden Auflagen von Reiseführern und Broschüren wird die Ausstellung aufgeführt sein.

Bei der Ausschilderung müssen wir noch nachlegen. Die Untere Mühlbrücke ist zwar vom Alten Rathaus aus gut sichtbar, doch der Weg dorthin ist für Ortsunkundige mitunter schwer zu finden. Zu guter Letzt hoffe ich auf die nötige finanzielle Unterstützung, um die Ausstellung auch mittelfristig unterhalten zu können.