Bamberg
Reportage

Mehr als "Essen auf Rädern": Unterwegs mit den Maltesern

Der Malteser Hilfsdienst hat einen neuen Menüservice aufgebaut. Dabei widmen sich Mitarbeiter den Menschen mit besonderer Fürsorge und Aufmerksamkeit. Wir haben eine Tagestour in Bamberg-Ost begleitet, um uns selbst ein Bild davon zu machen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Emilie Habermeyer (rechts) freut sich auf die Malteserin Beate Pfadenhauer, die ihr drei Mal in der Woche das zuvor ausgewählte heiße Menü bringt. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Emilie Habermeyer (rechts) freut sich auf die Malteserin Beate Pfadenhauer, die ihr drei Mal in der Woche das zuvor ausgewählte heiße Menü bringt. Foto: Marion Krüger-Hundrup
+2 Bilder
Was für eine Wohnung! Zum Gotterbarmen! Putz bröckelt von den Wänden. Die Türrahmen ein einziger Spreißel. Spärliches, völlig abgewohntes Mobiliar. Und die Fußböden! Und mitten drin Katharina T., die weißhaarige 79-Jährige mit gekrümmtem Rücken. Mit einem strahlenden Lächeln hat sie Beate Pfadenhauer die Tür geöffnet: "Ich lass Sie nicht wieder fort, ich mag gute Leut'", führt Katharina T. die Mitarbeiterin des Malteser Hilfsdienstes (MHD) in die Küche. Beate Pfadenhauer ist der einzige Mensch, den die alte Frau am Tag zu sehen bekommt. Ihr gesetzlicher Betreuer hat dafür gesorgt, dass Katharina T. wenigstens eine warme Mahlzeit erhält - dank des "Malteser Menüservice", der nach kurzer Anlaufphase inzwischen 120 Bamberger Senioren und Pflegebedürftige versorgt.

Ein "Sorgenkind"

Katharina T. ist Beate Pfadenhauers Sorgenkind Nummer eins. Die Malteserin nimmt sich die Zeit für eine geradezu liebevolle Plauderei, räumt den Tisch frei, um die Thermobox mit integrierter Warmhalteplatte absetzen zu können. "Ich habe Ihnen heute Spaghetti Neptun in Tomaten-Lauchsoße mit Alaska-Seelachsfiletstückchen mitgebracht", lockt Beate Pfadenhauer an die von ihr geöffnete recyclebare Aluminiumschale. Aromatischer Duft durchströmt den Raum. "Guten Appetit", wünscht die Malteserin und berührt Katharina T. sanft am Arm. "Morgen bleibe ich ein bisschen länger", verspricht sie der Seniorin, die es sich schon schmecken lässt.

Im Laufschritt geht es zum Auto. "Wenn ich mich irgendwo länger aufhalte, muss ich eben rennen", lacht Beate Pfadenhauer. Während sie ihre Hände desinfiziert - wie nach jedem Kundenbesuch - erzählt sie fast beiläufig, dass sie für Katharina T. in ihrer Freizeit auch Einkäufe erledigt. Aber sie bemühe sich, "nicht alles so dicht an mich herankommen zu lassen". Obwohl sie genau wisse, was das Schöne an ihrer Aufgabe sei: "Die Nähe zu den Menschen zählt", betont Beate Pfadenhauer. Sie schaut auf ihren Tourenplan: 21 Personen in Bamberg-Ost warten auf sie. Unter jedem Namen des Kunden sind Besonderheiten vermerkt: "Bitte zwei Mal klingeln", "Nachbarin hat den Schlüssel", "Menüschale öffnen" oder "Herr M. hört schlecht". Auch Telefonnummern von Angehörigen oder Betreuern sind für den Notfall vermerkt. Ist das jetzt vielleicht ein solcher? Beate Pfadenhauer hat mit dem Menü "Seelachs Poseidon" in der Hand vergeblich bei Frau E. geklingelt. Sie öffnet nicht, obwohl die Fenster gekippt sind. Die Malteserin überlegt kurz: "Da muss ich nachher noch einmal hin", weiß sie und steuert die nächste Seniorin an.


"Ein Segen, dass es Sie gibt"


Emilie Habermeyer wartet schon: "Ein Segen, dass es Sie gibt!", begrüßt die 89-Jährige den ersehnten Besuch. Die alte Dame ist nach einem bösen Sturz auf vereistem Gehweg im vergangenen Jahr auf Krücken angewiesen. Das Kochen im Stehen fällt ihr schwer. So lässt sie sich an zumindest drei Tagen in der Woche das Essen bringen. Und obwohl ihre drei Söhne und Schwiegertöchter sie häufig besuchen und die Caritas-Sozialstation für die Pflege eingespannt ist, freut sich Emilie Habermeyer über die Abwechslung durch Beate Pfadenhauer. Ein kleiner Plausch, und schon geht es weiter zum nächsten.

Sehnsüchtig erwartet

Frau D. ist Diabetikerin und hat die "Bunte Gemüseplatte an Kalbfleischbällchen" gewählt. "Alles schmeckt immer sehr gut", lobt sie. Frau W. ist Rollstuhlfahrerin, hat ihren Wohnungsschlüssel der Malteserin überlassen, die sich trotzdem mit einem Klingeln ankündigt. Trotz seiner schweren Sehbehinderung steht Herr S. am Fenster und hält Ausschau nach dem Malteserfahrzeug, das er erkennt. Für den 76-jährigen ist die tägliche Essenslieferung ein Haltepunkt. Auch mit ihm geht Beate Pfadenhauer fürsorglich um, positioniert die Menüschale mit dem heißen "Seelachs Poseidon" und den Nachtisch: Schokoladenpudding mit Sahne. Und sie hilft dem fast blinden Mann, den wöchentlichen Speiseplan zusammen zu stellen. Geduldig liest sie ihm die verschiedenen Gerichte vor. Fünf stehen täglich zur Auswahl: Normalkost, leichte Vollkost, für Diabetiker geeignete Kost mit BE-Angaben, vegetarische Gerichte und Schlemmer-Menüs für den größeren Appetit.

In der Malteser-Küche am Münchner Ring 5 werden die Gerichte im Konvektomat, einem Heißluftofen, fertig gegart. Eine Menü-Manufaktur, die seit vielen Jahren mit dem "Preis der Besten in Gold" von der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) ausgezeichnet wird, liefert das Essen: "ohne Geschmacksverstärker, ohne Konservierungsstoffe, ohne genetisch veränderte Inhaltsstoffe und ohne künstliche Farbstoffe", erklärt Ingrid Arleth. Die Leiterin des Malteser-Menüservice hat ein wachsames Auge darauf, dass die vier Tourenfahrer "sich in der Verantwortung sehen". Also nicht bloß das Essen an der Haustür abliefern, sondern genau hinschauen, in welcher Verfassung die Kunden sind. So manches Mal hat etwa Beate Pfadenhauer Sozialstationen auf den Plan gerufen oder den ehrenamtlichen Besuchsdienst der Malteser alarmiert, der Vereinsamten ein wenig Zuwendung schenkt.


Mit Feiertagsgruß


Ein anderes Mehr der katholischen Hilfsorganisation Malteser ist auch, dass an Festtagen wie Ostern, Pfingsten, Weihnachten nicht nur das Essen geliefert wird, sondern auch ein schriftlicher Feiertagsgruß mit meditativen Texten. "Den lese ich vielen vor", sagt Beate Pfadenhauer. Denn für sie, die mit Herzblut bei der Sache ist, steht fest: "Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn. Dieser Satz ist meins." Ihre Motivation, ihre Richtschnur. Damit das "Essen auf Rädern" so richtig in Bewegung kommt.

So fährt die Malteserin tatsächlich noch einmal zu Frau E., die sie beim ersten Mal ungewöhnlicherweise nicht angetroffen hat. Jetzt ist die alte Dame zu Hause: "Sie war beim Einkaufen und hat bloß die Zeit vergessen", seufzt Beate Pfadenhauer erleichtert auf. Entwarnung also: "Da bin ich aber beruhigt!"
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren