Hallstadt
Verkehr

Mainbrücke Hallstadt: über Jahre nur mit Ampel

Die Brücke zwischen Hallstadt und Dörfleins ist marode, deswegen ist sie nur einspurig befahrbar. Es wird Jahre dauern, bis ein neues Bauwerk steht.
Artikel drucken Artikel einbetten
Wer die Mainbrücke bei Hallstadt (hier Blick Richtung Dörfleins) überquert, muss sich in den nächsten Jahren mit den Ampeln arrangieren.Foto: Anette Schreiber
Wer die Mainbrücke bei Hallstadt (hier Blick Richtung Dörfleins) überquert, muss sich in den nächsten Jahren mit den Ampeln arrangieren.Foto: Anette Schreiber

"Ewig weiter warten, oder doch fahren und riskieren, dass man auf der einen Spur in der Mitte der Brücke einem anderen Auto oder gar Lkw begegnet?" Ganz schön in Rage bringt Markus Reinfels im Moment das, was rund um die Brücke zwischen Hallstadt und Dörfleins passiert, wenn die Ampel ausfällt. Und das war schon mehrere Male der Fall. Mehrmals am Tag muss der Dörfleinser über die Brücke, wie so viele andere auch.

Warum eigentlich geht's nur via Ampel über die Brücke? Das Brückenbauwerk verfügt nicht mehr über die Tragfähigkeit, die regulären Begegnungsverkehr zulässt. Das war im vergangenen Jahr bei einer routinemäßigen Überprüfung festgestellt worden. Im Mai hat nun das für die Brücke zuständige Staatliche Bauamt die Belastung auf 16 Tonnen pro Fahrzeug begrenzt, die Fahrbahn auf eine Spur verengt und eine Ampel aufgestellt. Die Ausfälle der akkubetriebenen Version haben die Wogen hochschlagen lassen. Auch im Hallstadter Stadtrat war der Unmut zum Greifen, Bürgermeister Thomas Söder (CSU) spürbar "not amused ". Man sei sich zwar einig, dass an dem Bauwerk Verbesserungen dringen notwendig sind, fasste er die Sicht des Gremiums zusammen. Angesichts der Ampelausfälle sprach er aber von Chaos. "Hier muss eine Lösung gefunden werden." In einem Brückenneubau sieht das Gremium viele Möglichkeiten und setzt darauf, dass die beste Lösung gefunden wird. Sehr gut fände es der Stadtrat, wenn Vertreter des Staatlichen Bauamtes ins Gremium kämen, um das Projekt zu erläutern.

Keine Servicenummer

Zum Thema Ampelausfall merkte Matthias Diller (SPD) an, dass sich - im Gegensatz zu anderen Ampeln - auf denen an der Brücke keine Nummer befindet, die im Störfall angerufen werden kann. Das war ein Thema, an dem der Bürgermeister neben dem Brückenvorhaben generell, dranbleiben soll, war allgemeiner Tenor. Aufgegeben wurde Söder zudem, auf eine Verbesserung für Radfahrer zu drängen. Denn die haben derzeit nur eine eigene Trasse, die sie mit Fußgängern nutzen und zwar auf der linken Seite (von Hallstadt betrachtet).

Nach der Sitzung hatte es eine Verkehrsschau gegeben, so Ute Becker, Abteilungsleiterin Brückenbau am Staatlichen Bauamt. Bürgermeister Söder freut sich, dass dabei eine Lösung gefunden werden konnte: Es soll eine fest installierte, also strombetriebene Ampel platziert werden. Allerdings wird sich dies nicht umgehend realisieren lassen, bremst Becker Hoffnungen. Ein Experte aus dem Bauamt erkärt, dass Ampelanlagen meist ein Jahr Vorlauf haben. Für Hallstadt hofft er, dass die Anlage im Herbst realisiert wird. Zeitnah soll eine Servicenummer aufs Ampelprovisorium.

Die 1970 gebaute Brücke gehört mit ihren 168 Metern Länge zu den Großbrücken in der Region, ist eine wichtige Verbindung in den Westen und auf der Autobahnumleitungsstrecke, so Ute Becker. Die erforderlichen Arbeiten zur Instandsetzung wären so teuer gekommen und damit langfristig nicht wirtschaftlich, so dass sich die Behörde für einen Neubau entschieden hat. Doch bis dieser umgesetzt ist, wird es dauern, etwa sieben Jahre. Jetzt werden erst einmal die Grundlagen für eine neue Brücke zusammengetragen, was sie also alles haben soll. An jeder Seite einen Radweg dürfte dabei als gesetzt gelten. Im Spätherbst wird wohl ein Planungsbüro gesucht. Das Vorhaben muss dann europaweit ausgeschrieben werden. Nach derzeitiger Faktenlage wird eine Behelfsbrücke (links neben der bestehenden) errichtet. Auf der dann wieder Begegnungsverkehr möglich ist, macht Becker den Verkehrsteilnehmern Hoffnung. Geprüft wird eventuell aber auch, so wie in der Stadtratsitzung von Joachim Karl (CSU) angeregt, eventuell gleich die neue Brücke an dieser Stelle zu errichten. Eine Vollsperrung der Brücke wird laut Becker in jedem Fall vermieden.

Ist der weitere Betrieb nicht gefährlich? Becker verneint dies. Durch die Reduzierung auf eine Fahrspur und die Tonnagebegrenzung werde das Bauwerk sozusagen nun nur geringeren Belastungen und Abnutzungen ausgesetzt. Statiker hätten alles geprüft. Auch bis zu der einseitigen Sperrung habe keine Gefahr bestanden, erklärt sie weiter.

Verformungen

Generell ist es so, dass (zu) hohes Gewicht für Verformungen im Stahl sorgt, je öfter "desto weniger verträgt dies das Material." Für den ÖPNV und für Schulbusse wurden Ausnahmegenehmigungen erteilt. Für Hallstadt ganz wichtig, denn die Brücke bindet das 1500 Einwohner starke Dörfleins an Hallstadt an. "Viele fahren hier mehrmals täglich und auch für Pendler aus dem Westen ist die Brücke wichtig", so der Bürgermeister.

Was auch immer umgesetzt wird, mit der jetzigen Brücke und der Ampel muss man schätzungsweise noch fünf Jahre leben. Auf eine Verbesserung dürfen dabei zumindest die Radler hoffen: Der derzeit vier Meter breite Fahrstreifen wird verschoben, so dass es Richtung Dörfleins demnächst neben dem eineinhalb Meter breiten Gehweg eine Radspur gibt.Das soll die Sicherheit erhöhen.Von Dörfleins her teilen sich weiter Radler und Fußgänger den 2,50 Meter breiten Weg.

Diese Details kennt Reinfels nicht, er hofft in Sachen Brücke,, dass "möglichst schnell Verbesserungen stattfinden".

KOMMENTAR

Brücken bauen !

Wenn man nachfragt, beginnt man zu verstehen. Im Fall der Hallstadter Brücke wäre es womöglich hilfreich gewesen, wenn Fachleute aus dem Staatlichen Bauamt dem Hallstadter Stadtrat die spezifische Problematik des Brückenbauwerks erklärt hätten. Das hätte es erleichtert, Dinge zu verstehen und auch weiter in die Bevölkerung zu tragen.

Schließlich gibt es durchaus Positives zu vermelden, und dahätte sich das Amt ja auch einmal loben lassen können. Freilich ist es für einen Austausch nicht zu spät. Letztlich wird man es im Zusammenhang mit der Brücke noch Jahre mit einander zu tun haben.

So wäre es nur von Vorteil, wenn auch in Sachen Kommunikation Brücken gebaut würden. Je früher, desto besser und tragfähiger.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren