Bamberg
Toy-Party

Lust auf das etwas andere Spielzeug

Nicht nur Plastikschüsseln und Kochmixer lassen sich in gemütlichen Wohnzimmerrunden gut verkaufen, sondern auch Dinge, die das Liebesleben befeuern.
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Was man für Fesselspielchen braucht - bei der Toy-Party werden die verschiedenen Modelle präsentiert und gleich ausprobiert.Maria Löffler
Was man für Fesselspielchen braucht - bei der Toy-Party werden die verschiedenen Modelle präsentiert und gleich ausprobiert.Maria Löffler
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Tupper war gestern - Toy-Party ist heute. Ein Trend, der auch im Bamberger Landkreis viele Anhänger gefunden hat. Für alle, die es noch nicht ausprobiert haben: Hier lassen sich Frauen und Männer aller Altersklassen in geselliger Runde den Gebrauch von Sexspielzeugen erklären. Auch ich war in Bamberg dabei und habe mir die Produktpalette mal angesehen.
Die 37-jährige Gastgeberin empfängt uns herzlich und die hippe Altbauwohnung ist schon ganz auf Party getrimmt. Auf dem Tisch finde ich Rotkäppchensekt, Herzchenbonbons und verstreutes Dildokonfetti. Selbst die Fruchtgummis haben Penisform. "Das Thema hat sie aber konsequent durchgezogen", denke ich mir und muss schmunzeln.

Nach und nach treffen auch die weiblichen Gäste ein. Küsschen hier, Küsschen da, die Stimmung ist gelöst - viele scheinen sich untereinander zu kennen. Erst später erfahre ich, dass einige von ihnen dem gleichen Stammtisch angehören. Hier tauschen sie sich auch schon mal untereinander aus, was die neuesten Sextoys und ihre Anwendung betrifft, verraten sie mir. Dann stellt sich erst einmal unsere Beraterin, Dunja W., mit ein paar lockeren Sprüchen vor. Das "Spielzeug" hat sie noch versteckt, was natürlich Neugier weckt.

Als sie dann als erstes die unterschiedlichen Dildos hervorholt, fällt mir auf, wie sehr sich gerade das Styling in den letzten Jahren verändert hat. Nix mehr mit "naturgetreu" oder "fleischfarben". Die neue Generation kommt in knalligen Trendfarben daher. Vor allem aber sind sie nicht mehr erschreckend groß und angsteinflößend, sondern einfach den Bedürfnissen der Frauen angepasst. "Die Form soll am G-Punkt ankommen", sagt sie.

Dann reicht Dunja die Teile herum "Wenn ihr wissen wollt, wie intensiv es wirklich ist, probiert ihn an der Nasenspitze aus," kommt noch ein abschließender Tipp. Klar wollen das alle erleben und es dauert eine gefühlte halbe Stunde, bis sich die Runde wieder einigermaßen beruhigt.

Was mich total amüsiert, sind die Namen, die diese Teile tragen: Großer Rabbit, Amors Volltreffer, Virgo oder Cirro beispielsweise. Aus den Unterhaltungen der Runde schließe ich, dass der Vibrator auch als "Paarspielzeug" in vielen Schlafzimmern Einzug gehalten hat. Und noch ein Tipp der Expertin: "Wo es geht, immer Akkus verwenden. Nicht, dass die Batterien kurz vor dem Höhepunkt schlapp machen."

Nach der dritten oder vierten Runde Rotkäppchensekt haben wir es zum Thema "Gleitcreme" geschafft. Auch die dürfen wir auf unserem Handrücken verteilen - und erfahren erstaunliche Neuigkeiten: "Gleitcreme eignet sich auch für kneifende Schuhe oder Schrunden am Ellbogen", erklärt Dunja mit völlig ernstem Gesichtsausdruck.


Mojito statt Schlenkerla

Zwei oder drei Frauen prusten lauthals los, die anderen sehen es tatsächlich eher von der praktischen Seite. Ich finde den Tipp gar nicht so schlecht und werde das vielleicht mal versuchen. "Vor der Pause möchte ich Euch noch unser Massageöl vorstellen. Margarita oder Mojito liegen derzeit total im Trend." Wir wollen natürlich alle probieren, aber viele verziehen das Gesicht - die meisten der gstandna Franknmadla hätten sich eher was in Richtung Schlenkerla, Hefeweizen oder Rotwein gewünscht.

Kurz vor der Pause wird Dunjas Ton verschwörerisch: "Ich stelle euch jetzt ein kleines Fläschchen in die Toilette. Da reicht ein kleiner Tropfen - ihr wisst schon wohin. Wartet einfach auf die Wirkung."

Die Auflösung kam in Form eines stimulierenden Öls, das wir alle ausprobierten. Die Wirkung war allerdings ziemlich unterschiedlich. Von Hitze bis Kribbeln, oder gar keine Wirkung war alles dabei. Auch bei mir zeigte das Öl keine Wirkung, aber vielleicht hatte ich einfach zu sparsam dosiert?

Während der Pause drehte sich auch der Smalltalk um Thema Nummer eins. Erfahrungen werden ausgetauscht, die Produkte mit denen anderer Anbieter verglichen. Ich bin neugierig geworden und frage nach: "Wer von Euch war denn schon einmal Gast auf einer Toy-Party?" Das waren zwar nur zwei oder drei der zehn Gäste, aber zumindest für diesen Nachmittag konnte Dunja drei Folgepartys buchen. Immerhin erhalten die Gastgeberinnen ein Geschenk und werden am Umsatz beteiligt.

Nach der Pause nehmen wir uns der "süßen Qualen" an, die vor allem etwas mit dem Thema Fesseln zu tun haben. Dass Handschellen mit Saugnäpfen sich ideal für die Motorhaube eignen, darüber habe zumindest ich mir noch keine Gedanken gemacht. Die Sexindustrie aber scheinbar schon.

Sofort entstehen Bilder im Kopf - und nicht nur in meinem. "Da hörst du echt die Glocken läuten." Das Gelächter ist so laut, dass ich die Rednerin nicht identifizieren kann. Einige grübeln laut darüber nach, in welch dunklen Ecken man das Szenario mal ausprobieren könnte.


Freiwillige vor

Und dann sucht Dunja nach einem "Opfer", dem sie die Handschellen anlegte. An Freiwilligen mangelte es an diesem Nachmittag auf keinen Fall. Auch nicht, als wir die unterschiedlichen "Aufleger" gegenseitig als Massagegeräte missbrauchten. Schüchterne Zurückhaltung suchte ich bei dieser Runde vergebens. Trotz der großen Altersspanne waren alle offen und sprachen ohne Scheu über ihre Erfahrungen.


Der Stempel "danach"

Ganz nebenbei erfuhr ich von einer Stempelheft-Challenge und hakte neugierig nach. "Wir stempeln bei jeden Geschlechtsverkehr und unsere Freunde ebenfalls. Dann ermitteln wir jeden Monat das Siegerpärchen, gehen zusammen schick essen oder so", erzählt mir eine Teilnehmerin. Ein Tipp, der an diesem Nachmittag zahlreiche Anhänger gefunden hat.

Dunja wartet geduldig, um mit uns gemeinsam in die "moderne Welt der Liebeskugeln" einzusteigen. Während des Durchreichens gibt sie Tragetipps: "Ungeübte sollten sie nicht länger als eine 30 bis 60 Minuten pro Tag einführen. Und es macht auch keinen Sinn, sich während dieser Zeit ins Bett zu legen. Treibt Sport, bewegt euch. Nur dann spürt man die Wirkung. Und den Muskelkater", lacht sie schelmisch.
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