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Luitpoldeck: Ampel hat rätselhafte Aussetzer

Seit Wochen narrt die Lichtzeichenanlage an der viel befahrenen Kreuzung am Luitpoldeck Verkehrsteilnehmer und Techniker. Sie fällt zumeist am späten Nachmittag eine Zeit lang aus. Geschäftsleute klagen, dass erste Kunden die Ecke meiden.
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Oft mehrmals am Tag gehen am Luitpoldeck die Ampellichter aus. Und niemand weiß, warum. Foto: Matthias Hoch
Oft mehrmals am Tag gehen am Luitpoldeck die Ampellichter aus. Und niemand weiß, warum. Foto: Matthias Hoch
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Fast schon geschäftsschädigend sei es inzwischen, sagt Johanna Leicht, dass die Ampeln am Luitpoldeck immer wieder ausfallen: "Letzthin war eine Kundin da und hat geklagt, ,bei Euch kommt man ja kaum über die Straße'".

Seit schätzungsweise vier bis sechs Wochen beobachtet die Geschäftsfrau und Inhaberin von Betten-Leicht Aussetzer der Lichtzeichenanlage - "manchmal um 15 Uhr, häufig zwischen 17 und 18 Uhr".

Dann stauen sich die Fahrzeuge an der viel befahrenen Kreuzung von Luitpoldstraße und Königstraße und müssen Fußgänger sehen, wie sie zwischen den Autoschlangen von einer Fahrbahnseite auf die andere kommen.

Nicht mehr lustig

Anfangs hätten sie und ihre Familie sich ja noch darüber amüsiert, dass die Ampeln in gewisser Regelmäßigkeit ausfallen, so Leicht. Aber seit erste Kunden das Fachgeschäft am Luitpoldeck meiden, findet die Bambergerin die Ampelpannen nicht mehr lustig.

Auch den Verantwortlichen ist nicht zum Lachen zu Mute. "Wir stochern noch im Nebel", muss Claus Reinhardt einräumen, der Pressesprecher im städtischen Baureferat. Man wisse um die Störung und habe auch schon verschiedene Bauteile ausgewechselt, die Ursache aber noch nicht entdeckt.

Die Lichtzeichenanlage streikt mehrmals am Tag und unterschiedlich lang. Mal fällt sie für ein paar Minuten aus, mal eine halbe Stunde.

Zwischen dem 14. und 21. Mai wurden beispielsweise zehn Ausfälle verzeichnet. Meistens passieren sie zwischen 14 und 19 Uhr und innerhalb dieser Zeitspanne treten sie gehäuft zwischen 17 und 18 Uhr auf. Also während des beginnenden Feierabendverkehrs. Die zuständigen Stellen stehen vor einem Rätsel.

Zuständig: Das ist zunächst der städtische Entsorgungs- und Baubetrieb (EBB) als Baulastträger für die Ampelanlagen im Stadtgebiet. Weil der EBB einen Wartungsvertrag mit der Stadtwerke GmbH abgeschlossen hat, sind deren Monteure bei Störungen in erster Linie gefordert.

Sie waren laut Reinhardt schon mehrmals vor Ort und hätten mittlerweile auch Experten von Siemens hinzugezogen, dem Unternehmen, das die Technik geliefert hat.

Trotzdem sei man bei der Fehlersuche noch nicht wirklich voran gekommen. Relativ sicher sind sich die Fachleute wohl, dass der Fehler nicht in der Software, also der Programmierung zu suchen ist.

Im Schnitt 30.000 Fahrzeuge

30.000 Fahrzeuge passieren durchschnittlich an einem Wochentag das Luitpoldeck. Es gehört damit zu den meist befahrenen Kreuzungen im Stadtgebiet. Ohne funktionierende Ampel bricht dort regelmäßig das Chaos aus, auch wenn die Beschilderung den Vorrang für die Königstraße klar regelt.

Von den Staus und ihren Folgen kann auch Joachim Merbach ein Lied singen.Der Bamberger arbeitet in Nürnberg und fährt täglich mit dem Auto vom Stadtteil Südwest zum Bahnhof und zurück.

Der Feierabend beginnt für ihn in jüngerer Vergangenheit immer wieder mit Stress im Stau der Luitpoldstraße - weil die Ampeln mal wieder nicht gehen.

Der Bamberger rätselt schon geraume Zeit, was es damit auf sich hat: "Wenn die Stadt in der Rushhour mit Absicht die Ampeln ausschalten würde, hätte ich absolut kein Verständnis dafür."

Die Ampel am Luitpoldeck sollte normalerweise immer laufen, sagt Reinhardt, rund um die Uhr. Sie steht in der Prioritätenliste der Bamberger Lichtzeichenanlagen ziemlich weit oben und gilt als fast so unentbehrlich für einen möglichst störungsfreien Verkehrsfluss wie die an Berliner oder Münchener Ring.

Verschärft wird die Situation an dem innerstädtischen Verkehrsknotenpunkt noch durch den Umstand, dass Stadtbusse und die Feuerwehr dort Vorrangschaltungen aktivieren können.

Sie können die Ampel in ihrer Fahrtrichtung auf grün schalten und schieben dann die anderen Autos quasi vor sich her durch die Kreuzung, um freie Fahrt zu haben. So erklärt Reinhardt das Prinzip. Wenn die Ampeln außer Betrieb sind, funktioniert das freilich auch nicht.

Statt zu fließen, steht der Verkehr dann weitgehend. Inge Müller vom gleichnamigen Feinkostgeschäft in der Nähe des Luitpoldecks hört es seit Wochen immer wieder von Kunden wie Mitarbeiterinnen, dass draußen gerade mal wieder nichts vorwärts geht.

Dank des firmeneigenen Parkplatzes, der von der Dr.-von-Schmitt-Straße aus erreichbar ist, leidet das Geschäft nach ihren Angaben nicht direkt unter den Folge-Erscheinungen der Ampelpannen. Aber, stellt sie fest, "angenehm ist es nicht".

Ihre Nachbarin Johanna Leicht hofft inständig, dass die Störung schnell behoben wird. Damit Kunden, ob motorisiert oder nicht, keinen Bogen mehr um das Luitpoldeck und die Geschäfte dort machen.

Die Bambergerin bringt die Ampelpannen im Übrigen in Verbindung mit einem Unfall, der sich schon am 15. Februar in der Kreuzung ereignet hat. Damals schleuderte ein Bamberger mit seinem Mercedes unter anderem gegen einen Ampelmast und einen Schaltkasten. In den Tagen danach meint Johanna Leicht erstmals einen Ausfall der Lichtzeichenanlage bemerkt zu haben.


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