Bamberg
Löwenbrücke

Löwenbrücke: Warum die Stadt nach elf Jahren das Kriegsbeil begraben hat

Weitgehend unbemerkt ist ein millionenschwerer Streit um die Löwenbrücke zu Ende gegangen. Das Ergebnis überstrahlt die unliebsame Vorgeschichte.
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Erstmals leuchtet die Brücke in diesem Winter wie bereits 2006 geplant. Die Wege- und Akzentbeleuchtung an den Geländern kostete 136 000 Euro.  Fotos: Michael Wehner
Erstmals leuchtet die Brücke in diesem Winter wie bereits 2006 geplant. Die Wege- und Akzentbeleuchtung an den Geländern kostete 136 000 Euro. Fotos: Michael Wehner
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Es war im September 2018, als die Stadträte im Rathaus Maxplatz kurz vor dem Ende einer Sitzung noch einmal zusammenzuckten. Längst verschüttet geglaubte Erinnerungen an Preissteigerungen und spezifisch Bamberger Baumethoden wurden wach. Der Tagesordnungspunkt "Löwenbrücke" im nicht öffentlichen Teil einer Bausenatssitzung - das verhieß nichts Gutes.

Man muss wissen: Die nördliche von drei neu gebauten Brücken über den Main-Donau-Kanal ist so etwas wie ein kommunalpolitischer Dinosaurier, der ewige Wiedergänger eines Bamberger Brückenbaujahrzehnts. Und das liegt weniger an den Komplikationen im Zusammenhang mit der Bauweise unter einem 107 Meter langen Bierzeltdach und an der Preissteigerung von zwölf auf mittlerweile 18 Millionen Euro.

Die Löwenbrücke hat nach ihrer Eröffnung im Jahr 2009 noch einmal nachgelegt und ein Doppelleben als Gerichtsbrücke entwickelt. Kein Gewerk, über den sich die Stadt als Auftraggeberin und die Bietergemeinschaft "Arge Löwenbrücke" nicht vom Baustart weg in den Haaren gelegen hätten. Es ging um Ausführungsqualitäten, Ausführungszeiten und widersprüchliche Ansichten zu den Kosten der Bauleistungen, die in der Folge Rechtsanwälte und Gerichte beschäftigten. Doch wer geglaubt hatte, dass die Streitigkeiten im Oktober 2012 beigelegt worden seien, als vor dem Landgericht Bamberg ein Vergleich geschlossen worden war, der sieht sich heute getäuscht. Auch über die vereinbarte sechsstellige Restzahlung der Stadt an die Arge konnten sich die beiden Lager nicht einigen, so dass von 2014 an geschlagene vier Jahre weiter gestritten wurde - nun hinter verschlossenen Türen.

Mit welchem Ergebnis das Kräftemessen ausging? Für Anwohner und aufmerksame Passanten mehrten sich im letzten Herbst die Hinweise, dass mit der Löwenbrücke, so wie man sie kannte, etwas nicht stimmen konnte. Eine neuartige Wege- und Akzentbeleuchtung zog die Aufmerksamkeit oberhalb des Flusslaufs auf sich. Die Lichtbänder am Brückengeländer, noch im Vorjahr notdürftig mit Kabelbindern festgezurrt, strahlen seitdem in bisher nicht gekannter Pracht. LED-Technik zeichnet die Kontur der Brücke in den Nachthimmel - ein bemerkenswerter Anblick.

Finale Einigung

Was ist der Grund für das ungewohnte Lichtspiel? Spiegelt sich darin etwa ein Ende im Streit um die Löwenbrücke? Tatsächlich: "Die Stadt und die Arge haben sich final geeinigt. Der Bausenat hat dem Vergleich zugestimmt", sagt Claus Reinhardt vom Baureferat. Restarbeiten hätten nach dem von beiden Seiten akzeptierten Einbehalt der Stadt in Eigenregie ausgeführt werden können. "Die Akte Löwenbrücke ist damit geschlossen."

Ob das tatsächlich so ist, wird die Zukunft weisen. Im zuständigen Gremium im Rathaus war das Aufatmen dennoch spürbar: "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Uns ist ein Licht aufgegangen", sagt Peter Neller von der CSU-Fraktion mit ironischem Unterton. Neller, als Richter beim Amtsgericht, selbst häufig mit Baustreitigkeiten befasst, spricht von der Löwenbrücke als einer ungeheuer komplexen Materie und von einem schwierigen Dreiecksverhältnis zwischen Stadt, Planern und Bauunternehmen. Vor einem Jahr hatte er noch geschimpft über die Pannenkonstruktion eines Geländer-Lichtes, das "einen Haufen Geld" gekostet habe, obwohl es vier Jahre nicht leuchtete. Heute klingt sein Statement weitaus versöhnlicher. Die Löwenbrücke stehe ordentlich da, sie habe eine schöne Beleuchtung: "Hoffentlich hält die so lange wie die Winkler-Leuchten in der Fußgängerzone." SPD-Stadtrat Heinz Kuntke, auch er Jurist, kann sich nicht an ein Verfahren erinnern, das so lange gedauert hätte wie dieser Streit. Den nun geschlossenen Vergleich kann er nur unterstützen: "Was hätte es gebracht, ewig zu prozessieren? Das hätte nur alles blockiert." Auch Kuntke ist heute zufrieden. "Mir hat die Brücke schon immer gefallen."

Glosse des Autors:

Eine Brücke in die Zukunft

Es gab Momente, da haben wir ihn fast ein wenig vermisst: den Brückenbau nach Bamberger Art. Die Hängepartien zwischen Kosten- und Zeitschätzungen, das genüssliche Absägen von Rampenmauern, die Lücken zwischen den Brücken und was sonst noch so dazugehört zum großen kleinen kommunalen Ärger. Was sind elf Jahre Bauzeit in einer tausendjährigen Stadt? Und denkt man in einer Zeit, in der man für 17,6 Millionen Euro kaum noch eine Drei-Zimmer-Wohnung in Bamberg bekommt, nicht auch über die Kostenfrage etwas großzügiger? Es kann also nur gut sein, wenn die Stadt nach einer kreativen Pause den Brückenbau wieder ankurbelt. 2018 wurde am Kanal das Kriegsbeil begraben, 2019 zieht der Zirkus nach Bug weiter, wo man gespannt das Werden einer neuen Verbindung über die Regnitz wird verfolgen können. Es könnte ein nahtloser Übergang werden - eine Brücke in die Zukunft. Nicht dass Rechtsanwälte, Richter und Gutachter fürchten müssen, künftig Däumchen zu drehen.



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