Bamberg
Adventskalender

Licht und Schatten auf der Bühne

Am 16. Oktober 1808 findet die erste Aufführung im neuen Bamberger Theatergebäude statt. E.T.A. Hoffmann soll einmal der berühmteste Mann der Bühne werden.
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Der berühmteste Mann am Bamberger Theater: Seit 1956 ist das Schauspielhaus nach E.T.A. Hoffmann benannt.  Foto: Wikimedia Commons
Der berühmteste Mann am Bamberger Theater: Seit 1956 ist das Schauspielhaus nach E.T.A. Hoffmann benannt. Foto: Wikimedia Commons
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von Annina Baur

Gespannte Stille. Nur gelegentlich ist Flüstern oder das Rascheln einer Abendrobe zu hören. Alle warten darauf, dass die Vorstellung beginnt, um farbenprächtige Kostüme und moderne Bühneneinrichtung bestaunen zu können. Platz für 940 Zuschauer bietet das neue Theatergebäude! Die Bamberger Zeitung schreibt über die erste Aufführung am 16. Oktober 1808: "Sonntag hat die Eröffnung des hiesigen Neuen Theaters stattgehabt. Es ist an demselben alles neu, Schauspielhaus, Direktion, Gesellschaft, Dekoration, Garderobe."

Und dann ist es soweit: Der Vorhang hebt sich für "Das Gelübde" des Dramatikers Heinrich Cuno mit Musik von E.T.A. Hoffmann. Dieser ist seit 1. September Musikdirektor und soll einmal der berühmteste Mann des Bamberger Theaters werden. Zunächst ist er aber gar nicht gut gelitten, weiß Stefan Dzierzawa, der seit 26 Jahren als Disponent am E.T.A.-Hoffmann-Theater arbeitet: "Er wurde gemobbt. Als musikalischer Direktor gekommen, half er häufig als Handlanger in der Requisite und im Malsaal aus."

Er wird nicht warm mit den Mitgliedern des Orchesters, zusätzliche Proben und neue Methoden, die er einführt, kommen bei dem eingespielten Team nicht gut an. "Die Musiker machen Hoffmanns Premiere als Dirigent zu einem Fiasko, spielen lustlos und verpassen absichtlich ihre Einsätze", erzählt der Bamberger. Hoffmann wird daraufhin von seiner Aufgabe entbunden, darf jedoch den Titel behalten.


Kampf ums Überleben

Er komponiert Gelegenheitsstücke und gibt Klavier- und Gesangsunterricht, um über die Runden zu kommen. Auch das Theater kämpft ums Überleben: Am 22. September 1809 meldet das Bamberger Intelligenzblatt: "Das hiesige Theater lag durch die Schuld des bisherigen Unternehmers (Heinrich Cuno) so im argen, daß es höchst unnütz gewesen wäre, auch nur ein Wort darüber zu verlieren. Jetzt steht der Eigenthümer des (Theater-) Privilegiums (Julius von Soden) wieder selbst an der Spitze." Doch auch der Schriftsteller Soden gibt 1810 aus finanziellen Gründen auf.

Adalbert Friedrich Marcus rettet das Theater: Der Arzt, der Ende des 18. Jahrhunderts in Bamberg Tanzabende organisiert und eine Laienspielgruppe ins Leben gerufen hatte, gründet eine Aktiengesellschaft und findet 49 Aktionäre. Er verpflichtet Franz von Holbein als Theaterdirektor, der zwischen dem 30. September 1810 und dem 27. Februar 1812 stolze 248 Vorstellungen gibt und das Publikum mit List ins Theater lockt: Sein Freund E.T.A Hoffmann verteilt seine Bekannten im Zuschauerraum, die allen Leuten versichern, wie großartig das Dargebotene sei.

Eine Mischung aus Klassikern und Stücken, die dem Publikumsgeschmack entsprechen, sowie raffinierte Effekte sind der Schlüssel zum Erfolg, das Theater wird überregional bekannt. Doch nachdem Holbein Bamberg im Februar 1812 verlässt, geht es abwärts, für das Theater und für E.T.A. Hoffmann: Die verzweifelte Liebe zu seiner erst 16-jährigen Schülerin Julia Marc und seine desaströse finanzielle Situation machen ihm zu schaffen, am 30. November 1812 notiert er: "Dem in seine vorige Gemeinheit zurückgesunkenen Theater hab ich mich ganz entschlagen."

Er findet eine Anstellung als Kapellmeister in Dresden und verlässt Bamberg am 23. April 1813 mit seiner Frau für immer. Die Glanzzeit des Theaters ist nach nur vier Jahren Geschichte. Immer wieder muss das Theater aus finanziellen Gründen danach pausieren, bis 1860 wird es an 30 verschiedene Direktoren verpachtet. 1861 kauft der Bamberger Großhändler Friedrich Krackhardt das Anwesen, und die Stadt pachtet das Theater, das am 1. Oktober 1862 neu eröffnet wird. Die erste Aufführung von Schillers Drama "Don Carlos" ist ein Erfolg, das renovierte Haus bis auf den letzten Platz besetzt. "Die Bamberger liebten ihr Theater", sagt Dzierzawa. Zumindest bis 1933.

Der damalige Theaterdirektor Heinrich Pfaff wirbt: "Im Rahmen der großen Aufbauarbeit soll die Bühne dazu beitragen, deutsche Menschen heranzubilden ... Nun ist es an Euch, deutsche Frauen und Männer von Bamberg und Umgebung, mitzuwirken am Aufbau der deutschen Kunst, so wie der Führeres fordert. Bleibe keiner zurück! Es ist deutsche Pflicht." Das sehen die Bamberger anders. Sie meiden das Theater, das dann auch 1937 von den Nationalsozialisten geschlossen wird.

Nach dem Krieg ist die Lust auf Unterhaltung unbändig: "In Turnhallen und Brauereien gab es von 1946 an vor allem Operetten- Aufführungen, bezahlt wurde mit Briketts statt Geld", erzählt Stefan Dzierzawa. Der Wunsch nach einer Renovierung des Theaters am Schillerplatz wird immer größer, und am 15. September 1958 ist es endlich soweit. Das Theater eröffnet wieder!

Bereits während der Renovierung wird es nach E.T.A. Hoffmann benannt. Nach 150 Jahren zeigt sich der Stolz auf den berühmten ehemaligen Musikdirektor, der später vor allem als Schriftsteller bekannt wurde. "In jüngster Zeit wurden alle seine Stücke, auch die sonst wenig beachteten Opern, in Bamberg aufgeführt", weiß der Theaterkenner. Hautnah hat er den Umbau der alten Gemäuer zwischen 2000 und 2003 miterlebt. "Zuvor war das Theater ein wahres Labyrinth, jetzt ist es ein kompaktes Gebäude mit einem modernen Foyer."


Standesgemäßes Haus

Anbauten wurden geschaffen, die historische Fassade saniert und das Innenleben auf den neuen technischen Stand gebracht. Für die Zuschauer wurden mehr Beinfreiheit und bessere Sichtachsen geschaffen, der historische Charme aber blieb erhalten. Nun könne man von einem standesgemäßen Haus für den Mann sprechen, dessen Name nicht nur in Bamberg, sondern weltweit berühmt geworden ist - E.T.A. Hoffmann.

Unser Adventskalender
Türen in die Bamberger Geschichte öffnen wir dieses Jahr mit unserem Adventskalender im FT. Die einzelnen Folgen entstammen dem Buch "Was Bamberg prägte", das im Verlag Bast Medien in Kooperation mit dem Fränkischen Tag erschienen ist. Es hat 192 Seiten, kostet 14,90 Euro (ISBN: 978-3-946581-21-5) und ist erhältlich in der Geschäftsstelle des FT, in Buchhandlungen und online unter www.bast-medien.de. red

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