Auf beherrschender Höhe thront die Giechburg über dem östlichen Landkreis Bamberg. Zu fürstbischöflichen Zeiten war die Bergveste nach den Kriegs-Residenzen in Forchheim und Kronach wohl die am stärksten ausgebaute Burg im Bamberger Land. Derzeit aber wird sie "unter Wert gehandelt", wie Landrat Günther Denzler und Kreisheimatpfleger Wolfgang Rössler bei einer Expertenrunde im Gebsattel-Saal der Anlage feststellen mussten. Das soll jetzt anders werden.

Ihr Nutzen sowohl in touristischer wie in historischer Bedeutung "könnte größer sein", befand auch der Burgenforscher Joachim Zeune, in Deutschland die Kapazität auf diesem Gebiet schlechthin. Denn der einstige Sitz der Herren von Giech brauche selbst internationale Vergleiche nicht zu scheuen - Schloss Tirol beispielsweise oder die Burg Chillon in Savoyen seien ähnliche Anlagen. Aus eigener Erfahrung fügte Zeune Burg Hohenfreyberg im Allgäu hinzu, die ebenfalls unter seiner Regie runderneuert wurde.

Charakteristisch für diese Anlagen aus dem 12. Jahrhundert seien die Bergfriede, "mächtige Kolosse", die im 13. Jahrhundert auch als Wohntürme "modern" waren. Weil dieses zentrale Element ebenso wie die mächtigen Schildmauern noch steht, will Zeune die brach liegenden Kapazitäten der Giechburg mit einem "Inwertsetzungskonzept" wieder zum Vorschein bringen. An einen auch nur teilweisen Wiederaufbau ist - zumindest vorläufig - nicht gedacht.

Bereits im vergangenen Oktober erhielt Zeune den Auftrag zu Voruntersuchungen an diesem "Hochkaräter der Burgenszene". Bis zum Sommer will er damit fertig sein, jetzt gaben er und der Leiter seines Filialbüros Franken, Thomas Starke, einen ersten Zwischenbericht. Ausgehend von einer Schadensdiagnose wolle man zu einem Sanierungsplan kommen, der dann Zug um Zug umgesetzt werden könne. Voraussichtlich werde es eine ganze Handvoll verschiedener Lösungsansätze geben, über die man dann reden müsse.

"Im Moment haben wir zwar tolle Ideen, aber noch kein Geld", bremste Landrat Günther Denzler allzu großen Optimismus. Als Beispiel nannte er den ehemaligen Palas der Burg, der nach dem Ende der geistlichen Fürstentümer im frühen 19. Jahrhundert um sein Dach gebracht worden war. In den Mauerresten könne zum Beispiel eine Bühne entstehen, ohne dass damit ein neues Dach vonnöten wäre. "Wir wollen die Silhouette der Burg nicht verändern", meinte Denzler, aber das Bauwerk dennoch "voran bringen". Seien die Ansprüche zu hoch, werde sich die Politik nicht darüber hinweg setzen können. Deshalb brauche man ein solides Gutachten als Grundlage eines Sanierungskonzeptes.

Denzler betonte den hohen Wert der Giechburg als "Wahrzeichen der Region", das für den Landkreis von großer Bedeutung sei. Er erinnerte an die lange Zeit der Besiedelung und die erste urkundliche Erwähnung im 12. Jahrhundert als Grafensitz. Ihre Glanzzeit habe die Giechburg um 1600 gehabt, als Fürstbischof Johann von Gebsattel sie zu einer starken Festung ausbauen ließ, die auch im 30-jährigen Krieg nicht eingenommen werden konnte.
Mit der Säkularisation kam die Burg an das Königreich Bayern, das, so Denzler weiter, kein Interesse an "Widerstandsnestern" gehabt habe. Die Giechburg wurde durch die neue Obrigkeit im Sinne des Wortes "ruiniert" und von Bauherren der Umgebung als Steinbruch genutzt. Nach dem Verkauf an Privat wechselten die Besitzer, bis sich der Landkreis Bamberg 1971 der Sache annahm und die Reste kaufte. 1974 und 1975 wurde dann meist mit eigenen personellen Ressourcen der Bestand gesichert.

"Wir können die damals eingefügten Kalksteine nicht heraus reißen und auch den modernen Zement nicht mehr abschlagen", ergänzte Thomas Starke. Eine Möglichkeit liege aber darin, die verschiedenen Bauphasen sichtbar zu machen und "zu sagen, was was ist". Den Gedanken eines solchen "Geschichtsbuches der Burg" unterstütze auch Annette Faber vom Landesamt für Denkmalpflege. Sie wolle auch die Konservierungsarbeiten der 1970-er Jahre nicht verurteilen, auch wenn damals "keine ausgewiesenen Burgenforscher" am Werk gewesen seien. Die "historischen Landmarken im Burgenland nördliches Franken und Südthüringen" könnten sicherlich den Standort stärken.

Ein Gedanke, den auch Joachim Zeune und Kreisheimatpfleger Rössler unterstützten. Zeune sah "den Mittelalter-Tourismus im Kommen", Wolfgang Rössler in der Giechburg ein "Leuchtturmprojekt" als Spitze einer ganzen Burgenlandschaft. Im benachbarten Landkreis Hassberge sei dies mustergültig umgesetzt worden.
Die Kosten für die Voruntersuchungen bezifferten Landrat Denzler und Joachim Zeune - er hat bekanntlich auch die Grabungen am Bamberger Domberg in den Jahren 1986 bis 1993 geleitet - auf 32 000 Euro. Die Oberfrankenstiftung beteiligt sich daran mit 15 000 Euro, das Landesamt für Denkmalpflege gibt ebenfalls einen Zuschuss, so dass für den Landkreis noch ein Kostenanteil von 6000 Euro verbliebt. Die Sanierung selbst soll dann "in möglichst vielen Bauphasen" ablaufen.