Bamberg
Meinung

Leserbrief: Von wegen Datenautobahn

Christoph Leitmann äußert sich zur Datenautobahn in Bamberg.
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Symbolfoto: Julian Stratenschulte dpa
Symbolfoto: Julian Stratenschulte dpa
Die erste Frage die sich mir hier stellt: Handelt es sich beim Internet der Stadtwerke wirklich um eine Datenautobahn oder ist dieser Begriff etwas übertrieben? Nun: Beginnen wir mit der maximalen Downloadgeschwindigkeit, diese beträgt 100 MBit/s, vergleichbar mit der Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h auf Bundesstraßen.

Weiter geht es mit der Gegenrichtung. Hier gibt es bei Tempo 50 mickrige 4 MBit/s Upload (Telekom 10). Alle 24 Stunden gibt es eine Zwangspause, welche es bei Telekom mit IP-Telefonie und Kabel Deutschland längst nicht mehr gibt. Aufgrund des regelmäßigen Ampelstopps und der langsamen Gegenrichtung reden wir hier lieber von einer Datenlandstraße.

Aber Vorsicht: Schnell kommt man bei Bambit von der Landstraße ab und landet auf dem Feldweg, denn bei gebuchtem Tempo 100 und Vollgas hat man die 200 erlaubten GB pro Monat bereits nach 4,5 Stunden erreicht und macht den Abflug.
Der Aufschlag ist hart, der Upload beträgt nur noch 0,1 MBit/s - das reicht gerade so für ein Internettelefonat.

Datenintensive Cloud-Dienste - in aller Munde - sind nun gar nicht mehr zu gebrauchen. Dreist ist es auch aufgrund des Überschreitens von einem eventuellen Missbrauch auszugehen. Bei der Telekom gab es einen großen Aufschrei als diese eine Drosselung durchführen wollte, das Ende vom Lied ist, dass die Telekom ungedrosselte Tarife anbieten wird. Bei Bambit? - Fehlanzeige.

Versteht mich nicht falsch, die Glasfaser ins Haus ist die Zukunft, nur die Stadtwerke nutzen das Potential überhaupt nicht aus. Bei Glasfaser gibt es keinerlei Grund warum der Upload langsamer sein sollte als der Download, bei Google Fiber gibt es 1000 MBit/s in beide Richtungen. Selbst bei den Glasfaseranschlüssen der Telekom gibt es in Richtung Internet immerhin die Hälfte der Geschwindigkeit.

Auch muss man sich fragen warum diese so fokussiert in der Innenstadt verlegt wird. In weiten Teilen des Stadgebiets gibt es bereits 100 MBit/s Internet von Kabel Deutschland. Die 2 MBit Mehrupload, die Bambit bietet rechtfertigt zurzeit keinesfalls die Glasfaserverlegung, zumal Kabel Deutschland 8 Euro pro Monat günstiger ist.

In den Bamberger Landkreisgemeinden sieht es internetmäßig viel schlechter aus. Diese haben nicht den Luxus zwischen Kabelanbieter und Telefonanbieter (Telekom und Co.) zu wählen. Zudem haben sie oft eine "lange Leitung", sodass diese sich mit wenigen MBit/s zufriedengeben müssen, was sowohl für Unternehmen als auch Berufstätigen (Telearbeit) einen erheblichen Nachteil darstellt.

2011 verlegten die Stadtwerke im 260 Einwohnerort Meedensdorf die Glasfaser bis ins Haus. Weitere ländliche Ausbauten der Stadtwerke sind mir nicht bekannt. Warum hat man hier aufgehört? Fazit: Gute Idee, aber bis zur Datenautobahn ist es noch ein weiter weg.

Christoph Leitmann, Memmelsdorf


Der Leserbrief bezieht sich auf den Artikel: Bamberg: Datenautobahn bleibt eine Großbaustelle
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