Lauf
Einsätze

Laufer Feuerwehr greift künftig durch

Das unerhörte Verhalten zweier Autofahrer hat Kommandanten Thomas Neuberger keine Ruhe gelassen.
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Fürs Bild von der Laufer Wehr nachgestellt: Die Absperrung wie vor über zwei Wochen. Foto: FFW Lauf
Fürs Bild von der Laufer Wehr nachgestellt: Die Absperrung wie vor über zwei Wochen. Foto: FFW Lauf
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Jetzt reicht's. Beim nächsten Mal wird es ordentlich kosten. Thomas Neuberger, Kommandant der FFW Lauf, wird durchgreifen, was Missachtung von Absperrungen und anderen Regelungen bei Rettungs- und sonstigen Einsätzen betrifft. Die Bevölkerung gibt ihm nach der entsprechenden Veröffentlichung recht.

Die Ereignisse überstürzen sich in den letzten Wochen: Immer mehr Einsatzkräfte werden bei ihrer Arbeit missachtet, behindert, beleidigt, bedroht. Zuletzt am Montag, als ein junger Feuerwehrmann in Coburg bei einer Übungsfahrt tödlich verunglückte. Und Gaffer einfach nicht weichen wollten. Im Nachhinein sieht Neuberger seinen Gang an die Öffentlichkeit nicht zuletzt auch dadurch bestätigt.


Vor gut zwei Wochen

Auslöser war der Einsatz vor gut zwei Wochen im Zapfendorfer Gemeindeteil Lauf: Ein Rollerfahrer war frontal in ein Auto gekracht. Einsatzkräfte aller Art bemühten sich nach Kräften. Wegen des schweren Unfalls war die Kreuzung bei der Laufer Kirche total gesperrt. Das hinderte allerdings eine ältere Dame am Steuer eines Mercedes nicht daran, dennoch in eben diesen Bereich hinein zu fahren. In ihr vermutete der Feuerwehrkommandant eine Ortsunkundige. "Denn die ganze Kreuzung war eindeutig erkennbar gesperrt."

Dem Mercedes schlich allerdings dann gleich auch noch ein ihm bekannter Ortskundiger in einem SUV hinterher. Neuberger glaubte nicht recht zu sehen und sprach die Dame an, was sie sich eigentlich dabei denke, an einer Straßensperre der Feuerwehr vorbei zu fahren. Und dann? "Reden Sie nicht in diesem Ton mit mir!", wurde er aus dem Wageninneren heraus zurechtgewiesen.

Das war dem 34-Jährigen noch nicht passiert, der seit seinem 18. Lebensjahr bei der Wehr Dienst tut. "Da war ich schon einigermaßen erstaunt." Und dann kam der ihm bekannte Rentner mit einem Kind auf dem Beifahrersitz. "Warum fährst Du jetzt auch noch hinterher", habe er den durchaus erbost gefragt. Die Antwort aus dem SUV: "'Neuberger, spiel Dich mal nicht so auf.'" Das war dann ja wohl der Gipfel. "Ich war enttäuscht von ihm als Bekanntem." Freilich hat Neuberger das auch artikuliert, und das war etwas lauter.

Am Ende haben die beiden Fahrer dann doch endlich gewendet und den gesperrten Bereich wieder verlassen.
Die Polizei, die nicht unweit mit der Unfallaufnahme beschäftigt war, bekam das am Rande mit. Hätte Thomas Neuberger alles weiterverfolgt, "das hätte richtig gekostet", kommentierte ein Beamter das Geschehene. Obendrein auch noch etliche Punkte.


An die Öffentlichkeit

Neuberger reagierte dennoch und wählte den Weg übers Mitteilungsblatt. Zapfendorfer wissen deswegen, dass die Wehr Derartiges nicht mehr toleriert. Das wurde, so hat Neuberger daraufhin mitbekommen, intensiv diskutiert, sein Schritt an die Öffentlichkeit begrüßt.

Auch Zweiter Bürgermeister Schonath findet diesen Schritt richtig. Erstaunt zeigt er sich freilich über so ein Verhalten "bei uns auf dem Land, wo man sich doch kennt". Das hätte es noch vor Jahren nicht gegeben, sagt der langjährige Feuerwehrmann. Bei Unfällen gehe es nur um eines, zu helfen und wenn die Profis kommen, denen Platz für ihre Arbeit zu machen, "nicht gaffen oder gar alles möglichst mit dem Handy festhalten".

In Sachen Handy herrscht bei der Laufer Wehr übrigens eine strenge Praxis: Gefilmt wird nur mit der im Feuerwehrauto deponierten Kamera, "damit wir daraus für nächste Einsätze lernen." Gefilmt wird auch nur, wenn keine Verletzten zu sehen sind. Ansonsten greifen die Aktiven höchstens im "Notfall " zum Handy.

Welche Fotos auf der Facebookseite der Laufer Wehr oder deren Internetseite erscheinen, entscheidet gleichfalls der Kommandant - schon wegen der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen. Und wie geht es in dem Fall vom 21. Juli weiter? "Natürlich will jeder den Namen des einheimischen Fahrers wissen", so Neuberger. Den gibt er aber nicht preis. "Ich will, dass er sich erkennt, ich will aber auch, dass er die Chance hat, noch einmal drüber nachzudenken." Und vielleicht auch dem Enkel zu erklären, dass sein Verhalten falsch war.


Verhalten ändern

"Ich erwarte keine Entschuldigung aber, dass er es in Zukunft nicht mehr macht." In Zukunft gibt's auch kein Pardon mehr.

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