Debring

Landratskandidat Bernd Fricke (Grüne) will Lösungen durch Diskussionen finden

Bernd Fricke, Landratskandidat der Grünen, stellt im Interview seine Ideen vor - und lässt dabei kein gutes Haar an Johann Kalb.
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Die Orientierung auf der Karte fällt Bernd Fricke deutlich leichter als das Dart-Werfen.  Foto: Matthias Hoch
Die Orientierung auf der Karte fällt Bernd Fricke deutlich leichter als das Dart-Werfen. Foto: Matthias Hoch
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Bei den Anti-Atomkraft-Demos in den 80er-Jahren standen sich Bernd Fricke (Grüne) als Demonstrant und Thilo Wagner (FW) als Polizist noch gegenüber. Nun arbeiten sie als Zweiter und Erster Bürgermeister gemeinsam im Rathaus von Stegaurach. Die Geschichte beschreibt zum einen, warum Fricke anfing, sich politisch zu engagieren und nun Landrat werden will. Zum anderen zeigt sie ein Leitmotiv seiner Politik: "Ich will Leute zusammenbringen, die diskutieren, auch wenn sie unterschiedlicher Meinung sind. Ihnen die Ängste nehmen, die Kräfte bündeln und gemeinsam etwas erreichen", sagt der Psychologe im Interview mit FT-Redaktionsleiter Michael Memmel im Gasthof Müller in Debring.

Das Studium führte den 61-jährigen gebürtigen Münchner vor 40 Jahren in den Bamberger Landkreis. Wurde der engagierte Grüne damals noch mit Skepsis beäugt, hat sich seitdem viel verändert: Die Themen Klima und Umwelt sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Und weil seine Partei sich bereits seit über 30 Jahren damit beschäftigt, gelte sie als kompetent und erlebe nun einen Höhenflug, schätzt der Vater von drei Töchtern und Opa von fünf Enkeln. Vor allem für die folgenden Generationen will Fricke Politik machen, "denn das Zeitfenster, wo wir noch etwas bewegen können, ist ziemlich eng".

Zwar habe der Langstreckenläufer (57 Marathons) und Langzeit-Kommunalpolitiker (seit 30 Jahren) auch schon ans Aufhören gedacht - "und wenn wir einen guten Anführer im Landkreis hätten, würde ich auch aufhören". Doch von der Politik des amtierenden Landrats Johann Kalb (CSU) hält Fricke nicht viel.

Das sagt der Grüne Landratskandidat...

...über Johann Kalb: "Mein Eindruck ist, dass er sein Amt rein repräsentativ versteht". Kalb ließe sich auf vielen Festen blicken, habe aber keine Visionen und sei nicht bereit, hart an den großen Themen zu arbeiten.

...zum ÖPNV: Dass es fast ebensoviele Autos wie Einwohner im Landkreis gibt, "ist ein Beleg für einen ganz schlechten ÖPNV". Seit 20 Jahren sei klar, dass etwas getan werden müsse. "Aber mehr als ein paar Mitfahrbänke ist nicht passiert".

Fricke will unter anderem kurzfristig ein 365-Euro-Jahresticket und langfristig kostenlose Nutzung erreichen. Außerdem mehr Linien mit besserer Taktung. Dreh- und Angelpunkt sei ein Regionalen Omnibusbahnhof (ROB) in Bamberg. Damit bis nach dem Bahnausbau - also bis mindestens 2031 - zu warten, sei nicht hinnehmbar. Hier fordert Fricke eine "Task-Force der politischen Schwergewichte aus der Region", die sich um Gespräche mit der Deutschen Bahn bemüht.

Schließlich sei der Ausbau des Nahverkehrs auch im Hinblick auf den Klimawandel äußerst dringend. Denn anders als bei der Energie, wo viele Fortschritte gemacht worden seien, steige der -Ausstoß bei der Mobilität weiter an. Für die Finanzierung seiner Ideen hofft er auf Förderung vom Bund, "anders lassen sich die Klimaziele gar nicht erreichen". Außerdem seien im Jahr 2019 etwa 500 000 Euro für den ÖPNV ausgegeben worden - und neun Millionen Euro für Straßen. Hier ließen sich Mittel verschieben.

...zur Mobilitätswende: Den Grünen den Arbeitsplatz-Abbau bei den Automobilzulieferern zuzuschieben, findet Fricke nicht fair. "Wenn es morgen keine Grünen mehr gibt, wird es den Verbrenner in zehn Jahren trotzdem nicht mehr geben." Man könne die Mobilitätswende mehr als Chance denn als Krise betrachten. "Es werden Arbeitsplätze wegfallen, aber neue entstehen." Der Psychologe will den Bürgern die Ängste nehmen.

...zum Steigerwald: "Ein Nationalpark wäre ein riesiger Gewinn: Die Natur freut sich, die Gastronomie freut sich, die Region wird aufgewertet", findet Fricke. Doch auch hier habe sich der amtierende Landrat zu wenig eingebracht: "Er sagt zwar, er sei dafür, aber hat 0,0 dafür gemacht."

...zum Bauen und Versiegeln: "Warum weist Frensdorf so viele Baugebiete aus?" - Die Frage wurde beim Grünen-Stammtisch gestellt. "Die Ideologie ,Wachstum, Wachstum, Wachstum' gibt es seit 50 Jahren in vielen Gemeinden", sagt Fricke. Doch Wachstum sei endlich, der Flächenfraß bedrohe immer mehr Arten und es entstünden hohe Folgekosten.

Gleichzeitig gebe es durch den demografischen Wandel weniger Menschen auf dem Land. Zwar könne das Landratsamt den 36 Gemeinden nicht vorschreiben, wie sie sich entwickeln sollen, "aber man könnte Beispiele vorgeben und gemeinsam Modelle für eine positive, nachhaltige Entwicklung erarbeiten".

Dafür wünscht er sich eine Wiederbelebung der Stelle des Kreisbaumeisters. Er könne nicht verstehen, dass diese zwei Mal ausgeschrieben, aber kein geeigneter Kandidat gefunden worden sei. "Es kann sein, dass sie zu niedrig dotiert ist. Dann müsste man darüber nachdenken, sie besser zu bezahlen." Aber geeignete Personen gebe es genügend, Fricke selbst kenne mehrere. Und die Stelle sei nötig, etwa auch für den sozialen Wohnungsbau. "Da ist in den letzten 15 Jahren nichts passiert. Das verstehe ich nicht, denn es wird mittlerweile gut gefördert."

Viele Gemeinden wie Stegaurach hätten zwar genügend Häuser, aber zu wenige günstige Wohnungen. Hier müsse mehr passieren.

Zu den Video-Interviews mit allen sechs Landratskandidaten

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