Ebrach
Anerkennung

Landrat wechselt die Perspektive

Am Ende seiner 18-jährigen Amtszeit macht Günther Denzler noch eine ganz neue Erfahrung: Der Markt Ebrach zeichnet den Landkreischef aus und verleiht ihm die Bürgermedaille.
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Landrat Günther Denzler (rechts) bei der Ehrung durch Bürgermeister Max-Dieter Schneider. Foto: Hanslok
Landrat Günther Denzler (rechts) bei der Ehrung durch Bürgermeister Max-Dieter Schneider. Foto: Hanslok
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Rollentausch. Am Ende seiner dritten und letzten Amtszeit gab es für Landrat Günther Denzler noch einmal einen gravierenden Wechsel: Er, der in den letzten 18 Jahren ungezählte Laudationes gehalten und sicherlich tausende Ehrenzeichen und -urkunden verliehen hat, durfte die Seite wechseln und wurde selbst zum Geehrten. Er erhielt nicht irgendeine Auszeichnung, sondern erstmals die einer Kommune, die ihm doch sehr am Herzen liegt: Denzler wurde mit der Bürgermedaille des Marktes Ebrach bedacht.

Jenes Marktes im Übrigen, dessen Wappentier auch im Wappen des Landkreises verewigt ist, wie Denzler später betonte. Ein gut gelaunter und emotional bewegter Landrat genoss diese Feierstunde mit allen lokalen Würdenträgern ganz offensichtlich.

Der zum Festsaal umfunktionierte Sitzungssaal vermochte die vielen Ebracher fast nicht zu fassen, die ihren Landrat hochleben und feiern wollten.
Neben den Leitern aller Institutionen und Einrichtungen machten Marktgemeinderat, die beiden Bürgermeister und natürlich die bisherigen Bürgermedaillen-Träger dem zu Ehrenden ihre Aufwartung. Die Begrüßung durfte Zweiter Bürgermeister Jürgen Ulrich übernehmen. Die Laudatio hielt Erster Bürgermeister Max-Dieter Schneider. Die Feierstunde umrahmte die von Manfred Barth dirigierte Jugendbläsergruppe der Steiger waldmusikanten Ebrach-Großgressingen.

Schneiders Laudatio für den Landrat war geprägt von großer Wertschätzung, Dankbarkeit aber auch Verbundenheit zu Denzler, der demnach in Ebrach wohl ein immer gern gesehener Gast bleiben dürfte.

Das Ende von Denzlers Amtszeit jedenfalls war für Ebrach der Anlass, ihm für sein Engagement für die Marktgemeinde Dank zu sagen: Viele Anliegen konnten auf kurzem Weg geregelt werden, "da Sie häufig vor Ort waren und wir viele Dinge direkt besprechen konnten", so Schneider.


Engagement für den Steigerwald

Zu Denzlers vielen Verdiensten um den Markt Ebrach zählte Schneider unter anderem die Stärkung des Schulstandortes durch Investitionen in Erweiterung und Generalsanierung der Realschule, den Einsatz für den Ebracher Musiksommer auf "diesem hohen Niveau". Zudem habe Denzler den jahrelangen Streit um die Renovierung der historischen Chororgeln beendet - dank seines Einsatzes bei der Oberfrankenstiftung.

Als Stiftungsrat behandle Denzler Ebracher Belange hier stets sehr wohlwollend. Besonders am Herzen läge Denzler jedoch die Entwicklung seiner Heimat, des Steigerwaldes. Hier habe er in den letzten Jahren viele Projekte angestoßen, deren Vollendung "leider nicht mehr in seine Zeit als Landrat" falle.

Schneider würdigte Denzler als einen der Ersten, "der die ökologische Bedeutung des Steigerwaldes unter den deutschen Buchenwäldern erkannt" und diesen Vorteil zielgerichtet einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht habe. Erst durch Denzlers Engagement sei der Steigerwald bundesweit bekannt geworden und dem Ziel der Anerkennung als Weltnaturerbe ein gutes Stück näher gekommen.

Denzler wollte zwar in Ebrach ein "Haus der Buchen" realisieren, was an einer Entscheidung des bayerischen Kabinetts scheiterte. Dafür sei es seinem persönlichen Einsatz und seinen guten Kontakten zu verdanken, dass Ministerpräsident Seehofer Ebrach 2012 einen Besuch abstattete und dabei den Baumwipfelpfad versprochen hat, so Schneider weiter.

Überdies plane der Verein "Naturerbe Buchenwälder", dessen Vorsitzender Denzler ist, in Ebrach eine Dauerausstellung zu ungenutzten Buchenwäldern zu schaffen. Zur Eröffnung des Baumwipfelpfades und der Ausstellung "Naturerbe Buchenwälder" lud Schneider den neuen Bürgermedaillenträger ein - in dessen Funktion als Bezirkstagspräsident.

Denzler erfülle die Auszeichnung mit der Bürgermedaille mit "sehr große Freude", die er gar nicht so recht in Worte zu fassen vermöge. Zwar habe er die Bundesverdienstmedaille am Bande und den Bayerischen Verdienstorden, dies nun aber sei die erste kommunale Auszeichnung. Das sei etwas ganz anderes, weil sie auf Fakten beruhen, "die sehr nahe am Menschen sind."

Nahe an Ebrach war der gebürtige Steigerwälder schon als Schüler: "Mit Ebrach habe ich Ehrfurcht und viel Arbeit verbunden." Denn der Lehrer gab den Schülern hier immer umfassende Aufgaben. Er habe dabei auch gelernt, "wie wichtig Ebrach für unser Gebiet ist." Es habe eine tolle Geschichte und hochwertige Natur, und sei die Gemeinde, die musikalisch am meisten zu bieten habe. Denzler gestand, angesichts der unterschiedlichen Mentalitäten der Menschen im Landkreis fühle er sich der der Steigerwälder am meisten verbunden. Die Medaille wird nun einen Ehrenplatz bekommen, erklärte Denzler auf Nachfrage und er werde sie in Ebrach bei den entsprechenden Anlässen gerne tragen. Denn auch nach der Landratszeit wird er wohl oft und gerne nach Ebrach kommen. Wie jüngst zur Waldbegehung, auf die ihn Hund Harley begleiten durfte.

Der "Seitenwechsel" anlässlich der Ehrung war Denzler freilich nicht schwer gefallen. Zum Thema Ehrung merkt er abschließend an: "Als ich anfangs Feuerwehrleute ehrte, waren die nach 40 Jahren Dienstzeit wesentlich älter als ich, jetzt bin ich älter als die Geehrten."
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