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Bamberg
Landratswahl

Landrat verweist auf gute Zahlen

Amtsinhaber Johann Kalb (CSU) stellte sich den Fragen von Redaktionsleiter Michael Memmel. Der Landrat sieht vielfältige Aufgaben, von der Sicherung der ärztlichen Versorgung über den ÖPNV bis zum Strukturwandel in der Autoindustrie.
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Der große Wurf gelang dem Landrat nicht nur beim Begriffe-Würfeln, sondern auch beim Pfeilewerfenn auf die Landkreiskarte. Im Interview mit Redaktionsleiter Michael Memmel zog Johann Kalb eine positive Bilanz seiner bisherigen Amtszeit.  Fotos: Matthias Hoch
Der große Wurf gelang dem Landrat nicht nur beim Begriffe-Würfeln, sondern auch beim Pfeilewerfenn auf die Landkreiskarte. Im Interview mit Redaktionsleiter Michael Memmel zog Johann Kalb eine positive Bilanz seiner bisherigen Amtszeit. Fotos: Matthias Hoch
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Auf sehr vertrautes Terrain begab sich Landrat Johann Kalb (CSU) für das Interview mit dem Fränkischen Tag. Im Levi-Strauss-Museum in Buttenheim, wo Kalb 24 Jahre Bürgermeister war, beschrieb der Amtsinhaber seinen Politikstil ("Ich rede mit den Leuten und versuche, Lösungen mit ihnen zu finden"), verriet Biografisches ("Als Gymnasiast war ich neun Jahre im Bamberger Internat") und Privates ("Ich besitze inzwischen 40 bis 50 Paar Jeans").

Seinen Anspruch auf das Amt des Landrats unterstrich Johann Kalb mit positiven Zahlen, von der auf zwei Prozent gesunkenen Arbeitslosigkeit bis zum auf 148 000 Bewohner gewachsenen Landkreis. "Wir haben insgesamt gute Arbeit geleistet und einen Landkreis, in dem es den Leuten sehr gut geht. Das haben wir nicht zuletzt auch den 50 000 Ehrenamtlichen zu verdanken." Kalb wolle Landrat bleiben, um einige langfristige Projekte fortsetzen zu können. Und auch eine erneute Kandidatur im Jahr 2026 schließt Johann Kalb keinesfalls aus. Das sagt der Landrat über... ...Klimaschutz: Ein großes Thema, zu dem Kalb auch schon Jugendliche ins Landratsamt eingeladen habe. Aber den Klimanotstand möchte er im Landkreis nicht ausrufen, denn "mit dem Wort Notstand haben viele ein Problem".

Der Landkreis engagiere sich schon seit vielen Jahren umweltpolitisch, habe eine Klimaallianz und eine Energieagentur, er sei zu einer der fünf Energiekommunen des Jahrzehnts in Deutschland gewählt worden. Schon heute sei der Landkreis zu 80 Prozent energieautark, und auch der plastikfreie Landkreis werde kommen.

Was den Steigerwald angeht, mag Kalb weniger über einen Nationalpark reden als über ein mögliches Welterbe Zisterzienserklöster (hierbei soll es um die Prägung der Kulturlandschaft durch die Zisterzienser in Europa gehen). Denn "auch im Welterbe wird natürlich Naturschutz betrieben". ...Gesundheitspolitik: Kalb würdigt das Engagement der gemeinnützigen Krankenhausgesellschaft (GKG), die in den vergangenen sechs Jahren 200 Millionen Euro ins Gesundheitswesen investiert habe. "Wir sind auf dem neuesten Stand, wir sind akademische Lehrkrankenhäuser." Die GKG wachse nicht zuletzt im Pflegebereich: Hier seien es nun 1300 Beschäftigte, 300 mehr als noch vor sechs Jahren. Die Struktur der ärztlichen Versorgung auf dem Land befinde sich im Wandel, als "Konstrukt der Zukunft" bezeichnet Kalb die Medizinischen Versorgungszentren (MVZ). "Aber wo der Arzt vor Ort vorhanden ist und weitermachen will, ist das natürlich die erste Wahl." ...die Automobilkrise: Dass die Region in gewissem Maß an der Automobilindustrie hänge und dass sich die Mobilität wandle, habe man gewusst. "Dass es aber so radikal schnell geht, eher nicht." Der Transformationsprozess müsse auch über die Landkreisgrenzen hinweg gesehen werden. Als wichtige neue Aufgabe sieht Kalb die Wasserstoff-Thematik, wo Bamberg zur Modellregion werden soll.

Im Fall Michelin sei es zwar Aufgabe der Tarifparteien gewesen, zu verhandeln. "Aber wir konnten ja nicht die Hände in den Schoß legen, wenn es um 885 Einzelschicksale geht." Es sei ein großes Zeichen der Solidarität gewesen, dass 130 Unternehmer zum Arbeitgebergipfel gekommen sind, weitere sollen folgen.

Den Strukturwandel wolle man zudem über eine Entwicklungsgesellschaft "Regionalinitiative Automobilindustrie" (Rita) steuern. ... den ÖPNV: Hier räumt der Landrat weiteren Handlungsbedarf ein ("ein Zweckverband wäre vielleicht eine Lösung"), verweist aber auch auf das intermodale Mobilitätskonzept und andere Entwicklungen. Das Busnetz solle deutlich ausgeweitet und die Taktung verbessert werden. Bürgerbusse sollen gefördert werden, damit man auch innerhalb der Ortschaften besser aufs Linienbündel gelangt.

Was den ROB ("Den brauchen wir") angeht, könne der Landkreis nicht bis 2031 auf die Bahn warten. Da diese aber ihre Grundstücke brauche, müsse man nach Zwischenlösungen suchen. ... Bier: Der Landrat bekennt sich zu den zahlreichen Brauereien im Landkreis. "Wir sind das Land der Brauer. Ich wäre ja bescheuert, wenn ich bei so einer einzigartigen Vielfalt sagen würde: Macht damit, was ihr wollt." Die Brauereiendichte belebe den Arbeitsmarkt und den Tourismus, stehe für Tradition, Lebenskultur und Genuss. Was das Bierkulturzentrum angeht, seien einige Gemeinden interessiert. "Aber dafür brauchen wir einen Betreiber, der das in die Hand nimmt."

Das Gerücht, wonach er als potenzielles Geschenk immer ein paar Fläschchen Bier im Dienstwagen mit sich führt, konnte der Landrat bestätigen: "Das ist eine Werbemaßnahme. Wenn ich einen sympathisch finde und der mich, dann wird er belohnt."

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