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Mobilität

Landkreis Bamberg: Mitfahrbänke - Trampen ohne Risiko?

Im Landkreis sind viele Mitfahrbänke aufgestellt worden. Sie sollen vor allem älteren Menschen in kleineren Orten die Anbindung an die Zentren erleichtern. Es stellt sich aber auch die Frage nach dem tatsächlichen Bedarf und der Sicherheit.
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In Waizendorf steht eine der Stegauracher Mitfahrbänke, weil der Gemeindeteil im  Gegensatz zu etwa Mühlendorf nicht mit dem Stadtbus an den Kernort angebunden ist.Hans Kurz
In Waizendorf steht eine der Stegauracher Mitfahrbänke, weil der Gemeindeteil im Gegensatz zu etwa Mühlendorf nicht mit dem Stadtbus an den Kernort angebunden ist.Hans Kurz

Ein regnerischer Tag Ende Mai. In Hirschaid will keiner mitgenommen werden. Die Mitfahrbank in Hirschaid ist verwaist, ihr Gegenstück in Röbersdorf auch. Liegt es daran, dass die Bänke erst seit etwa zwei Wochen dort stehen und kaum einer was damit anzufangen weiß? Oder ist es schlicht das Wetter?

Am nächsten Tag ein Anruf in Heiligenstadt. Dort haben sie als erste schon Anfang Mai die vom Landkreis gesponserten bunten Bänke aufgestellt. Bürgermeister Helmut Krämer (Einheit) vermutet, dass die Bank schon mal genutzt wurde. Das Indiz: Das Klappschild, mit dem man signalisieren kann, wohin man mitgenommen werden will - nach Unterleinleiter, Aufseß oder Königsfeld - wurde schon ein paarmal geändert. Krämer fragt auch noch im Bürgerbüro nach. Von dort kann man die Bank sehen. Er erhält die bündige Antwort: "Bei dem Wetter setzt sich da keiner hin." Es ist immer noch regnerisch.

Anfang Juni endlich sonnig-warme Tage. In Stegaurach, wo ebenfalls seit Mai eine Mitfahrbank in der Ortsmitte steht, bleibt diese ebenfalls leer. An den Mitfahrpunkten in Waizendorf und Höfen sieht es nicht anders aus. Ist es etwa schon zu heiß? Oder werden die Bänke einfach nicht angenommen, nicht gebraucht?

Schleppender Auftakt

Ende vergangener Woche dann ein Anruf in Königsfeld. Dort wurde bereits im letzten Herbst die erste Mitfahrbank im Landkreis aufgestellt. Königsfeld war eine von 20 Gemeinden, die bei einer Ausschreibung des Vereins Oberfranken offensiv den Zuschlag für ein Paar Mitfahrbänke samt Schilderhaltern erhalten haben. Scheßlitz und Aufseß waren die Richtungen, in die es ging.

"Der Anfang war sehr schleppend", sagt Bürgermeisterin Gisela Hofmann (BB). Einmal seien junge Leute dort gesessen, mal ein Mann aus einer Nachbargemeinde und fünf bis sechs Mal Wanderer. "Eigentlich nicht die Leute, für die wir das gemacht haben." Nun habe sie aber den Eindruck, es werde besser, die Bänke bekannter, das Interesse im Ort größer. Es brauche vielleicht nur etwas Geduld. "Ganz viele würden jemand mitnehmen", stellt Hofmann fest. Die Bereitschaft sei groß.

Die Gemeinde bekommt nun auch noch Landkreisbänke. Die in Königsfeld steht schon, die Ziel- bzw. Startorte Laibarös und Voitmannsdorf allerdings wegen Baustellen noch unbestückt.

Ersatz für ÖPNV?

Aufgestellt werden die bunten Holzbänke derzeit in 13 Landkreisgemeinden. Der Kreis übernimmt je ein Bankpaar auf seine Kosten und hält dafür zunächst 24.000 Euro bereit, einige der Gemeinden haben auf eigene Rechnung zusätzliche Bänke bestellt. Welches Ziel wird damit verfolgt? "Die Mitfahrbänke ergänzen den Mobilitäts-Mix für unsere Bürgerinnen und Bürger", wird Landrat Johann Kalb (CSU) dazu in einer Pressemitteilung zitiert.

Immer wieder sind jedoch Vorwürfe zu hören, die in die Richtung "Das soll doch nur verschleiern, dass die keinen vernünftigen ÖPNV hinkriegen" zielen. "Die jetzt aufgestellten Mitfahrbänke sind keine Konkurrenz zum öffentlichen Personennahverkehr", heißt es dagegen vom Landratsamt. Sie bedienten vielmehr "sehr individuelle Beförderungsbedürfnisse der Bürger, die durch den ÖPNV wirtschaftlich nicht abzudecken sind". Und sie sollen "helfen, die Verkehrserschließung von bisher nicht oder schlecht erschlossenen Ortsteilen zum Hauptort (oder nahe gelegenen anderen Orten) herzustellen".

Und wie steht es eigentlich um die Sicherheit? Bei Unfällen ist der Versicherungsschutz für Fahrer und Mitfahrer durch die gesetzliche Haftpflicht voll gewährleistet. Das bestätigen auch die Versicherer.

Kritiker zielen aber vor allem auf die Gefahren des Mitfahrens bei fremden Menschen, wie sie vom Trampen her bekannt sind. So einfach wie es etwa der Markt Hirschaid als "Trampen ohne Risiko" angekündigt hat, ist es wohl nicht. Der Vergleich mit dem Trampen ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Die Mitfahrbänke sind im Prinzip nichts anderes als der Ersatz fürs Stehen und Daumen raus am Straßenrand.

Hinweise zum Trampen

Und dazu heißt es etwa von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes: "Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, wie zum Beispiel nie alleine trampen, nur bei Paaren oder Frauen mitfahren, Kennzeichen und Fahrtziel gleich nach Fahrtantritt über Handy einer Kontaktperson mitteilen, können die Gefahren des Trampens nicht ausgeschlossen, sondern höchstens verringert werden." Die Polizei rät daher, "bei der geringsten Unsicherheit ist es immer besser, auf eine Mitfahrt zu verzichten, selbst wenn man es eilig hat oder schon längere Zeit wartet". Oder wie Gisela Hofmann es formuliert, wenn sie solche Bedenken von heimischen Stammtischen zu hören bekommt: "Ihr müsst bei fremden Leuten nicht einsteigen, wenn euch die Nase nicht gefällt."

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