Pommersfelden
Straßenverkehr

Ist die B505 eine "Todesstrecke"? Das sagt die Unfallstatistik

Bei vielen Verkehrsteilnehmern steht die B505 in Misskredit. Warum? Wir haben bei Nutzern Experten nachgefragt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Hier sieht man deutlich das hohe Lkw-Aufkommen auf der B505: Ein Foto vom zweiten Ausbauabschnitt bei Pommersfelden aus dem Jahr 2012. Foto: A. Dorsch
Hier sieht man deutlich das hohe Lkw-Aufkommen auf der B505: Ein Foto vom zweiten Ausbauabschnitt bei Pommersfelden aus dem Jahr 2012. Foto: A. Dorsch
+2 Bilder

Immer wieder wird die B505 im Zusammenhang mit Unfällen als "Todesstrecke" tituliert.Vor wenigen Wochen ereignete sich dort ein Unfall mit einem Toten und elf Schwerverletzten. Über seine Seite im sozialen Netzwerk Facebook hat der Fränkische Tag sich bei Verkehrsteilnehmern erkundigt, die hier öfter unterwegs sind.

Der Tenor: Nutzer haben zumindest ein ungutes Gefühl, wenn sie hier fahren. Andere gar versuchen, die B505 möglichst zu vermeiden, und fahren lieber über Land und durch Dörfer. Was ist dran an dieser Strecke?

Todesstrecke B505: Verkehrspolizei widerspricht - Unfallzahlen "genau im Durchschnitt"

Marco Rübig, Leiter Zentrale Verkehrsaufgaben bei der Verkehrspolizeiinspektion Bamberg, hat Zahlen vorliegen. Er sagt: "Die B505 liegt unfallbezogen eigentlich genau im Durchschnitt. Im Vergleich mit anderen Straßen schneidet sie fast besser ab."

Was sagen die Zahlen genau? Wie Rübig zusammenfasst, zeigt der Blick in die Unfallstatistik der vergangenen knapp 15 Jahre, dass es annähernd genauso viele Jahre gibt, in denen keiner hier tödlich verunglückt ist, wie welche, in denen hier ein Mensch stirbt. Angesichts der Tatsache, dass der Verkehr in diesem Zeitraum jedoch deutlich zugenommen hat, geht die Zahl der Unfälle damit eigentlich fast eher zurück, was mit den jüngsten Ausbaumaßnahmen (in zwei Abschnitten bietet der dreispurige Ausbau Überholmöglichkeiten) zusammenhängen dürfte.

Wegen der Baumaßnahmen am Erlanger Kreuz, so Rübig, habe insbesondere in den letzten beiden Jahren der Lkw-Verkehr auf der B 505 noch zugenommen. Einen statistisch betrachtet großen Ausreißer bei den sonst eher gleichbleibenden Werten freilich bildet das Jahr 2013, als gleich vier Menschen auf der B505 ihr Leben verloren haben.

Auch für dieses zu Ende gehende Jahr 2019 kann Rübig bislang keine Auffälligkeiten erkennen. Der eingangs genannte schwere Unfall im Oktober schlägt dabei nicht zu Buche, weil er sich in dem sieben Kilometer langen Abschnitt befindet, der in die Zuständigkeit der Polizeiinspektion Höchstadt fällt.

Unübersichtlichkeit als Gefahrenquelle

Was ist nun das Gefährliche an der B505? Die Unübersichtlichkeit, ist sich Rübig mit Michael Raab, Abteilungsleiter Straßenbau am Staatlichen Bauamt Bamberg, einig. Wie das? Abteilungsleiter Raab erklärt dazu, dass die B 505 eigentlich als Autobahn geplant war, aber dann Anfang der 60er Jahre nur als "einfache Straße" mit jeweils einem Streifen pro Fahrtrichtung gebaut worden ist. "Das hat zur Folge, dass im überwiegenden Teil der Strecke keine Überholsichtweiten vorhanden sind."

Im Klartext heißt das, dass man oft lange hinter Lkw herfahren muss, deren Geschwindigkeit auf der Bundesstraße 60 Stundenkilometer nicht überschreiten darf, für Pkw gelten die 100 km/h.

"Die Bundesstraße 505", so erklärt Raab, "ist eine wichtige Verkehrsverbindung zwischen dem Raum Bamberg (A 73) und der Autobahn A 3 (Würzburg)." Gleichzeitig diene sie auch als Ausweichstrecke für die nord-südgerichtete und im Raum Erlangen/Forchheim hochbelastete A 73.

Über 12.000 Fahrzeuge am Tag

Wie die Zahlen des Amtes zeigen, ist die B 505 eine gerade von Lkw viel genutzte Straße. Nach Zahlen aus dem Jahr 2015 waren innerhalb von 24 Stunden zwischen Pommersfelden und Hirschaid 9047 und zwischen Hirschaid und Bamberg 12.374 Fahrzeuge unterwegs. Der Lkw-Anteil betrug dabei 21 beziehungsweise 23 Prozent. Laut Raab "eine überdurchschnittliche Belastung". Deswegen sei der Verkehrsfluss stark beeinträchtigt. Es bilden sich immer wieder lange Pulks hinter den Lastwagen, da wegen starken Gegenverkehrs und unzureichender Sicht nicht überholt werden kann. Die Folge: Die Bereitschaft zu riskanten Überholmanövern steigt und es kommt zu Unfällen.

Genau aus diesem Grund wird die B505 in insgesamt fünf Teilabschnitten dreispurig ausgebaut. Zwei davon - zwischen Pettstadt und Hirschaid mit einer Länge von 2,6 Kilometern- und nördlich von Pommersfelden mit 2,3 Kilometern Länge - sind schon realisiert. Für den nächsten, etwa 2,6 Kilometer langen Abschnitt (nördlich von Zentbechhofen) laufe das Planfeststellungsverfahren. Für den vierten südlich von Hirschaid (circa 1,6 Kilometer) sind die Entwurfsunterlagen schon erstellt.

Und für den fünften und letzten Abschnitt südlich von Bamberg (etwa 2,6 Kilometer) laufen Voruntersuchungen. Das Bauamt verspricht sich von all diesen Maßnahmen, die Sicherheit auf der B505 deutlich zu verbessern. In die ersten zwei Abschnitte wurden insgesamt sieben Millionen Euro investiert, beim dritten geht man von Kosten von etwa zwölf Millionen Euro aus.

Wie den Kommentierenden auf Facebook geht es übrigens auch den beiden Verkehrsexperten von Straßenbauamt und Polizei: Wenn sie hin und wiederprivat auf der B505 unterwegs sind, haben sie immer "ein komisches Gefühl". Weil der Polizeioberkommissar schon oft erleben musste, "dass es viele zu eilig haben und zu ungeduldig sind" - wenn sie ewig hinter Lastwagen herfahren müssen. Auch wenn die Polizeistatistik nicht eindeutig belegt, dass die Unfälle alle im Zusammenhang mit Überholmanövern stehen, so sei der dreispurige Ausbau auf jeden Fall begrüßenswert.

Kommentar: Hier nie unkonzentriert - von Anette Schreiber

Es gibt wohl niemanden, der die B 505 öfter befahren und nicht schon mehrere gefährliche Situation erlebt hat. Und ganz gewiss sind einem die nervtötenden Schlangen in unliebsamer Erinnerung. Wenn man Kilometer um Kilometer hinter Lkw im Kriechgang herzuckeln musste. Bis dann die zwei jeweils einen Kilometer langen Möglichkeiten mit der dritten Spur gekommen sind. Heiß ersehnt, seit es sie gibt. Und zumindest absehbare Ventile für rollendes Staupotenzial.

Die Aussicht auf drei weitere Überholabschnitte gibt Hoffnung. Freilich werden sich diejenigen, die keine Alternative zur B 505 haben, doch noch einige Zeit in Gleichmut und Geduld üben müssen, bis diese Bundesstraße sich in gleichmäßigerem und dem Erlaubten nahekommendem Tempo befahren lässt. Freilich darf man hier nie unkonzentriert unterwegs sein. Eine Gefahr werden immer die ortsunkundigen Draufgänger sein, die aus Zeitdruck oder Überheblichkeit heraus an unübersichtlichen Stellen überholen und dadurch nicht nur sich selbst in Gefahr bringen. Erfreuliches bietet der Blick in die Unfallstatistik, insgesamt sind die Zahlen zurückgegangen. Weiter so!

Kommentare (4)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren