Bamberg
Abfallentsorgung

Landkreis Bamberg: Gelbe Säcke sollen stabiler werden - Gelbe Tonne vom Tisch

Nein zur Gelben Wertstofftonne: Die Initiative der SPD und der Grünen ist im Umweltausschuss gescheitert. Statt dessen sollen die Plastiksäcke künftig merklich reißfester werden.
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Foto: Pleul/dpa
Foto: Pleul/dpa

Fingerspitzengefühl ist gefragt bei den Gelben Säcken im Landkreis Bamberg. Die Kante eines Tetrapacks, ungünstig positioniert, dazu eine grobe Handbewegung: Schon reißt der Sack - und der Geduldsfaden gleich mit.

Die Qualität der Gelben Säcke soll künftig deutlich besser werden. So will es die Mehrheit im Umweltausschuss des Kreistages, die sich mit 8:3 Stimmen durchgesetzt hat. Die Gelbe Tonne ist damit für die nächsten Jahre vom Tisch.

"Wir wollen das Optimale für den Bürger, aber ich glaube nicht, dass das die Tonne ist", erklärte Landrat Johann Kalb (CSU). Die Bevölkerung habe den Gelben Sack dankbar angenommen, Beschwerden seien im Landratsamt nicht angekommen. Die Vorteile des bestehenden Systems sollten erhalten bleiben: Gelbe Säcke stoßen nicht an Kapazitätsgrenzen, sie sind leicht zu transportieren und brauchen nur so viel Platz, wie Wertstoffe anfallen.

Birgit Ramming-Scholz, Geschäftsbereichsleiterin für die Kreiseinrichtungen, referierte zuvor ausführlich über alle Vor- und Nachteile der in Frage kommenden Varianten. Zunächst über eine Wertstofftonne, die anders als die Gelbe Tonne (für Verkaufsverpackungen aus Kunststoffen) auch die Abholung sogenannter "stoffgleicher Nichtverpackungen" regelt, also etwa Haushaltsgegenstände aus Plastik oder Metall. Bei der Einführung dieser Art von Tonne entstünden dem Landkreis geschätzt 500 000 Euro Mehrkosten pro Jahr. Einstimmig lehnte der Ausschuss ab.

Die zweite Frage drehte sich um die Frage: Gelber Sack oder Gelbe Tonne? Beide Varianten sind für den Landkreis kostenneutral, weil ausschließlich das Duale System dafür verantwortlich ist.

Max-Dieter Schneider (SPD), Ralph Behr (Grüne) und Tobias Sieling (ÖDP) beharrten darauf, die Gelbe Tonne einzuführen - und stimmten gegen festere Gelbe Säcke. "Für mich ist ein verstärkter Gelber Sack keine Verbesserung. Der reißt genauso auf, der führt genauso zu Verschmutzungen", kritisierte Schneider. Auch das Argument, dass die Trennsorgfalt der Bürger beim durchsichtigen Sack größer sei, zog beim Ebracher Bürgermeister nicht. "Wer ordentlich sortiert, der tut das beim Sack und bei der Tonne." Schon jetzt lande in den Säcken viel, was nicht hinein gehöre - was man sehen könne, wenn der Wind die Säcke umherweht.

Rückenwind bekam die SPD von den Grünen: Die ökologische Bilanz der Säcke spreche gegen sie. "Die kommen aus Fernost und werden hierher transportiert. Wir erzeugen Plastik, um darin Plastik zu entsorgen", sagte Behr. Der Energieeinsatz und das Klimaerwärmungspotenzial sei bei den Säcken deutlich höher. So sah es auch Sieling. Tonnen seien begrenzt groß. "Aber es darf auch ruhig deutlich werden, dass die Abfallmenge begrenzt sein darf."

Dagegen argumentierte Bruno Kellner (FW/ÜWG): Ich habe viele Gespräche mit Firmenbetreibern geführt. Kunststoffverpackungen sind oft sehr sperrig" - hier sei der Sack im Vorteil. Aber: "Die Qualität der Säcke muss schon eine bessere werden, damit nicht der Joghurtbecher schon dazu führt, dass der Sack auseinanderreißt." Der Landkreis würde sein System verschlechtern, würde er die Tonne einführen - auch weil sich die Wertstoffhöfe bei der Sortierung bewährt hätten, sagte Sabina Sitzmann-Simon (CSU). Sigrid Reinfelder (BBL) stimmte "aus Gründen der Nachhaltigkeit” auch zu.

Wie geht es nun weiter? Die Tonne ist vorerst vom Tisch, reißfestere Säcke werden angeschafft. "In drei Jahren wird das Thema wieder diskutiert", sagte Kalb mit Blick auf die Vertragslaufzeiten. Wichtig sei, dass die Abfallentsorgung in den Händen des Landkreises bleibe und nicht privatisiert werde.

(In einer ersten Version des Artikels wurde nicht klar, dass nur die Wertstofftonne Mehrkosten für den Kreis verursacht, die Gelbe Tonne und der Gelbe Sack beide aber kostenneutral sind.)

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