Bamberg
Denkmalschutz

Lässt der Investor das Haus in der Sandstraße verfallen?

Das Technische Hilfswerk sichert mit großem Materialaufwand das akut einsturzgefährdete Gebäude in der Sandstraße. Der Investor weist Vorwürfe zurück, dass er das Haus verfallen lässt.
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Das Technische Hilfswerk sichert zunächst das Gebäude in der Sandstraße in Bamberg von innen. Außen soll ein Stützkorsett aufgebaut werden. Foto: Ronald Rinklef
Das Technische Hilfswerk sichert zunächst das Gebäude in der Sandstraße in Bamberg von innen. Außen soll ein Stützkorsett aufgebaut werden. Foto: Ronald Rinklef
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Kurt Hofmann steht im schmalen Hof seines verpachteten Anwesens. Der Hof gehört seit etlichen Jahren zur Kneipe "Stilbruch". Der Blick des 77-Jährigen geht hoch zu der Überdachung im hinteren Teil des schmalen Hinterhofs, dort waren vor einigen Monaten bei einem Sturm Brocken von der Mauer des Nachbargebäudes runter gefallen. Der Hof sei sofort mit Balken und einem Dach gesichert worden. Ansonsten sei nicht viel passiert: "Ich wundere mich, dass nicht schon vor Jahren was gemacht wurde", meint Hofmann über das leere Gebäude nebenan, das sich seit Jahren im Verfall befindet. Und inzwischen so akut einsturzgefährdet ist, dass es notgesichert werden muss. Das mitten im Weltkulturerbe.

Keine Böden mehr

Vor dem Haus nebenan in der Oberen Sandstraße, um das es geht, steht im strömenden Regen Nancy Seliger. Die Sprecherin des Technischen Hilfswerks (THW) beschreibt, womit sie und ihre rund 30 Kollegen des Ortsverbands Bamberg, Haßfurt und Schweinfurt derzeit beschäftigt sind. "Weil unter anderem nicht mehr viele Böden da sind, sichern wir das Gebäude erst einmal von innen so, dass unsere Helfer darin sicher arbeiten können. " Ein Baufachberater des THW ist zur Sicherheit vor Ort, Sensoren am Gebäude warnen die Einsatzkräfte, sollte das Gebäude zu wackeln beginnen.

Es werden am Mittwoch auch die ersten Bohrungen gesetzt, damit das Gerüst aufgestellt werden kann. Die Holzbalken schneiden die Einsatzkräfte in der Kurve gegenüber der Weinstube Pizzini unter einem blauen Pavillon zu. Die Sandstraße ist gesperrt. Fußgänger können sich gerade noch so vorbei wagen.

Das Gerüst wird später zirka zwei Meter bis 2,50 Meter in die Straße rein ragen. Die Sicherung soll gewährleisten, dass Personen und Fahrzeuge im Fall eines Einsturzes nicht gefährdet werden. "Es ist doch eine Materialschlacht. Einiges musste neu beschafft werden, weil wir davon ausgehen, dass das Material länger verbaut bleiben wird. Es ist sicherlich nichts, was in zwei Wochen wieder abgebaut wird", meint Seliger.

Die Stadt hat das THW im Rahmen der Amtshilfe beauftragt, die Notsicherung zu übernehmen. In der vergangenen Woche hatte das Bauordnungsamt "zur Abwehr einer erheblichen Gefahr für Leben und Gesundheit" gegenüber dem Pächter im Keller des Gebäudes, dem Sound-n-Arts, eine sofortige Nutzungsuntersagung erteilt. Die Pächter waren davon komplett überrumpelt worden.

Verantwortungsloser Umgang?

Die Investmentfirma Dolphin Trust, die jetzt German Property Group heißt, ist Besitzerin der Immobilie. Sie sieht sich nun der Kritik ausgesetzt, dass sie das denkmalgeschützte Haus verfallen lässt. So wirft etwa die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg der Firma aus der Nähe von Hannover einen "verantwortungslosen Umgang" damit vor. "Leider ist dieses skrupellose Vorgehen des ,Investors‘ kein Einzelfall - er soll nicht nur in Bamberg, sondern auch in anderen Städten ähnlich tatenlos mit seinem Eigentum umgehen", schreibt die Schutzgemeinschaft auf Facebook. Der Denkmalschutzverein verweist auch auf einen Fernsehbericht des BR vom Mai. Darin wird die Investmentfirma so dargestellt, dass sie denkmalgeschützte Häuser in Bayern aufkauft, um sie zu sanieren. Doch auffallend viele der Gebäude würden verfallen.

Bei der Stadt Bamberg heißt es, dass die Kommunikation mit der Firma bisher "schwierig" gewesen sei. So soll es schon öfters Gespräche zwischen Stadtspitze und Investor gegeben haben. Sogar ein Ankaufsversuch durch die Stadt soll es gegeben haben, der aber letztlich an viel zu hohen Preisvorstellungen des Besitzers gescheitert sein soll.

Die German Property Group weist den Vorwurf, sie würde Gebäude verfallen lassen, zurück: "Unser Ziel ist immer, Projekte zu sanieren, wie auch die beispielhafte Dokumentation einiger Projekte auf unserer Webseite sowie unserem YouTube-Kanal zeigt. Dies ist auch hier der Fall", erklärt Sprecherin Monika Schröder. Sollten bei einem Projekt Umstände eintreten, die der Firma eine wirtschaftliche Realisierung nicht gestatten, müssten Alternativen in Betracht gezogen werden. Allerdings sei die Sanierung immer das primäre Ziel. Und Bamberg sei ein sehr interessanter Markt.

Für eine erfolgreiche Realisierung müsse aber ein Konzept geschaffen werden, das "sowohl den Ansprüchen des Denkmalschutzes gerecht wird, als auch den wirtschaftlichen Interessen eines Projektentwicklers entspricht". Durch die "extrem desolate Bausubstanz" brauche es dafür Zeit. Pläne soll es für das Anwesen geben: So soll im Erdgeschoss Platz für Gewerbe geschaffen werden. Die oberen Stockwerke seien nach aktuellem Planungsstand als Wohneinheiten vorgesehen. "Wir haben einen Architekten vor Ort beauftragt und aufgrund seines statischen Gutachtens einen Teilabriss beantragt. Sobald dieser genehmigt ist, würden wir beginnen."

Dieses Genehmigungsverfahren soll laut Auskunft der Stadt im Juli Auslöser dafür gewesen sein, dass vom Stadtrat ein externer Gutachter eingeschaltet wurde. Einen Abriss von denkmalgeschützten Häusern in Bamberg habe es seit langem nicht mehr gegeben, erklärt Stadtsprecherin Ulrike Siebenhaar. Und könne es nur dann geben, wenn gar nichts mehr zu machen sei. Der unabhängige Gutachter sollte deshalb den genauen Zustand der Immobilie untersuchen. Dabei sei herausgekommen, dass die Hinterhäuser, die der Investor offenbar abreißen will, in einem besseren Zustand sind als das einsturzgefährdete Vorderhaus.

Die Sicherungsarbeiten durch das THW laufen noch bis Ende der Woche. Für den Aufwand wird die Stadt Kostenersatz geltend machen. Dass das wackelige Nachbarhaus Auswirkungen auf sein Gebäude haben könnte, glaubt Kurt Hofmann derweil nicht: "Dadurch, dass Balken verbaut sind, fällt das Haus nicht um."

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